Nokia und Siemens verheiraten ihre Netzwerkabteilungen

19. Juni 2006, 08:56
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Nokia Siemens Networks soll die "dritte Kraft" im Infrastrukturmarkt für Telekommunikationsunternehmen werden.

Nokia Siemens Networks soll die "dritte Kraft" im Infrastrukturmarkt für Telekommunikationsunternehmen werden.
Nokia und Siemens wollen ihre beiden Abteilungen für das Geschäft mit Netzbetreibern zusammenlegen, wie die beiden Unternehmen heute morgen bekannt gaben. Das aus der Netzwerk-Sparte von Nokia und dem Bereich Carrier Networks (der grössere Teil der Telekommunikationssparte Com) von Siemens entstehende Joint Venture wird Nokia Siemens Networks heissen. Die beiden Unternehmen sind zu je 50 Prozent daran beteiligt, die Führungsrolle wird aber anscheinend eher Nokia übernehmen: Chef wird Simon Beresford-Wylie, der jetzige Executive Vice President und General Manager von Nokia Networks und gemäss 'Wall Street Journal' soll eine Mehrheit der Verwaltungsratssitze mit Nokia-Leuten besetzt werden. Ausserdem wird Nokia Siemens Networks seinen Hauptsitz in Helsinki haben, wo auch drei der fünf Geschäftseinheiten stationiert sein werden.
Falls die Behörden grünes Licht geben, soll der Zusammenschluss per 1. Januar 2007 vollzogen werden.
Das geplante Joint Venture zwischen Siemens und Nokia treibt die Konsolidierung unter den Netzwerkausrüstern weiter voran. Das prominenteste Berispiel war bisher der Merger von Alcatel und Lucent, der Anfangs April beschlossen wurde und im Laufe dieses Jahres vollendet werden soll. Die beiden Teile des zukünftigen Joint Ventures von Nokia und Siemens erzielten letztes Jahr zusammengenommen einen Umsatz von rund 15,8 Milliarden Euro und beschäftigen momentan etwa 60'000 Mitarbeitende.
Damit wird sich Nokia Siemens Networks an die Grösse seiner beiden Hauptkonkurrenten im Carrier-Geschäft, Alcatel-Lucent und Ericsson annähern. Nach Umsatz gesehen wird es weltweit der zweitgrösste Anbieter mobiler Netzinfrastruktur, ebenfalls die Nummer zwei bei Infrastruktur-Dienstleistungen für Netzbetreiber und die Nummer drei bei Festnetz-Infrastruktur sein. Insgesamt wird es der drittgrösste Anbieter im gesamten Telekommunikations-Infrastrukturmarkt sein.
6000 bis 9000 Arbeitsplätze weniger
Neben der Grösse seiner Hauptkonkurrenten dürften aber auch die aufstrebenden "Emporkömmlinge" aus China, Huawei Technologies und ZTE ein Grund für die Zusammenlegung sein. Diese setzen den Markt mit ihren tieferen Preisen unter Druck und zwingen die Konkurrenz zu Kostensenkungsmassnahmen. Siemens und Nokia versprechen sich Einsparungen von jährlich rund 1,5 Milliarden Euro, die zum grössten Teil bis 2010 realisiert werden sollen.
Einige Einsparungen soll die höhere Einkaufsmacht bringen, im Wesentlichen werden sie aber aus der Reduktion der Belegschaft stammen, welche Synergieeffekte in verschiedenen Bereichen wie Verwaltung, Vertrieb- und Marketing möglich machen sollen. Insgesamt dürften bis 2010 rund 10 bis 15 Prozent der gegenwärtigen 60'000 Arbeitsplätze abgebaut werden, schätzen die beiden Unternehmen. (Hans Jörg Maron)

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