Nortel-Bericht: So wurden die Bilanzen manipuliert

11. Januar 2005, 15:45
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Zwölf Spitzenmanager geben – obwohl ihnen keine Beteiligung nachgewiesen wurde – aus "Enttäuschung über die Vorgänge" ihre Bonusse zurück.

Nortel hat seine Bilanzen 2001 bis 2003 korrigiert. Ausserdem kündigte das Unternehmen an, das 12 Spitzenmanager 8,6 Millionen Dollar an Bonuszahlungen, die sie in diesen Jahren erhalten haben, zurückgeben werden. Anscheinend geschieht das freiwillig: Keinem dieser zwölf sei eine direkte Beteiligung an Manipulationen nachgewiesen worden, erklärte Nortel. Aber sie teilten alle "die Enttäuschung des Verwaltungsrats über die Umstände, die eine Korrektur nötig machten." Auch fünf Verwaltungsräte, darunter der Verwaltungsratspräsident, haben ihren Rücktritt angekündigt.
Die Korrektur der Bilanzen, die nach der Aufdeckung von Bilanzmanipulationen schon im Oktober 2003 angekündigt wurde, sei eine "monumentale Aufgabe" gewesen, erklärte der jetzige CEO Bill Owens.
Aus Profit mach Verlust
Die Aufdeckung der Buchhaltungsmissstände hatte zur Entlassung des früheren CEOs Frank Dunn geführt. Die Resultate einer unabhängigen Untersuchung zeigen nun, welche Praktiken angewandt wurden, um die Bilanzen zu manipulieren.
So habe Dunn zum Beispiel im letzten Quartal 2002 erfahren, dass Nortel unerwartet einen Gewinn gemacht hatte. Da der Rest des Jahres aber schlecht gelaufen war, entschied er, dass es unklug gewesen wäre, im vierten Quartal einen Profit auszuweisen und dadurch vielen Angestellten einen Bonus auszahlen zu müssen. In aller Eile wurden auf seine Anweisung innert lediglich zweit Tagen fällige Provisionen in der Höhe von 175 Millionen Dollar identifiziert und registriert, die dann vom Gewinn abgezogen wurden, um den auch von den Analysten erwarteten Verlust ausweisen zu können.
Eine ausführliche Zusammenfassung des Untersuchungsberichts, in dem auch weitere Manipulationen geschildert werden, findet man hier. Mit dem an der Untersuchung beteiligten Unternehmen Huron Consulting Services LLC ist unser bescheidener Verlag übrigens weder verwandt noch verschwägert. (Hans Jörg Maron)

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