Notebook-Fertiger wollen höhere Preise aushandeln

5. November 2010, 08:55
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Quanta will lieber verzichten als draufzahlen.

Quanta will lieber verzichten als draufzahlen.
Hewlett-Packard ist sicherlich die grösste Notebook-Marke, aber Nummer 1 der Notebook-Bauer ist Quanta Computer mit eben HP als wichtigsten Kunden. Aktuell verhandeln die beiden Giganten über Konditionen für neue Notebook- und Netbook-Order im kommenden Jahr. Wie inside-channels.ch unlängst berichtet hat, soll es um 23 Millionen Stück gehen. Nun zitiert 'Digitimes' wie sooft nicht genannte Quellen aus der Industrie Taiwans, dass Quanta lieber auf 3 bis 5 Millionen Notebook-Lieferungen verzichten will, als sich von HP oder anderen Grosskunden zu Deals drängen zu lassen, bei denen die ohnehin angespannte Margensituation noch mehr leidet. Ausserdem hat sich das Unternehmen auf die Fahne geschrieben, im nächsten Jahr die Gewinnspanne zu erhöhen. Somit könnte die ewige Nummer 2 Compal Electronics 2011 wie quartals- oder monatsweise im Vorjahr doch noch an Quanta vorbeiziehen.
Mit einem Notebook-Absatzziel von 50 Millionen Stück ist HP zwar das Unternehmen, um das sich die Auftragsfertiger am meisten reissen, das sie aber auch am meisten fürchten, weil es verschrien ist, die härtesten Konditionen durchzudrücken. Dass der Apple-Partner Foxconn 10 Millionen Orders von dem Marktführer abgegriffen hat, kommt nicht von ungefähr. Sehr zum Leidwesen der OEM/ODM-Hersteller (Original Equipment/Design Manufacturer) drängt sich der weltgrösste Elektronikauftragsfertiger (EMS) in ihre Mitte und macht mit weniger Forschungs- und Entwicklungsaufwand die Preise kaputt, so der Vorwurf aus dem Lager der etablierten Notebook-Bauer.
Einige Notebook-Produzenten haben wegen des stark gestiegenen Margendrucks schon signalisiert, dass sie für 2011 höhere und auf keinen Fall niedrigere Preise aushandeln wollten, zumal die Gewinnspannen aufgrund von zwei Faktoren in jüngster Zeit immer dünner werden. Wie fast alle asiatischen Landeswährungen hat auch der New Taiwan Dollar (NT$) gegenüber dem US-Dollar, über den die meisten Warenströme abgerechnet werden, in jüngster Zeit stark an Wert gewonnen. Hat das die Margen schon schwer belastet, sind auch noch die Löhne in China gestiegen, wohin die Notebook-Hersteller aus Taiwan fast ihre ganze Produktion verlagert haben. Und das nicht zuletzt auch auf Druck von HP, Dell und Co. hin.
Sollten die Markenanbieter nun einlenken und höhere Quotierungen akzeptieren, wird das möglicherweise auch Auswirkungen auf die Preise und den Handel haben. Die Q3-Zahlen für Notebooks und Netbooks haben schon wenig Gutes verheissen, und das, obwohl die Geräte immer günstiger wurden. Die Verbraucher sind verwöhnt, steigende Preise würden sie wohl kaum schlucken, schon gar nicht in den USA, wo der Konsum unter dem Eindruck der Finanzkrise und hoher Arbeitslosenzahlen eh lahmt und nicht so recht in die Gänge kommen will.
Wie 'Digitimes' schreibt, hat sich Quanta zu den Spekulationen noch nicht geäussert. Das ist nichts Ungewöhnliches, denn die meisten Auftragsfertiger halten sich sehr zurückhaltend, Angaben über ihre Kunden, Preise und anderen Konditionen zu machen. Bei den seltenen Fabrikbesichtigungen versuchen sie auch zu vermeiden, ihren Gästen Logos oder Verpackungen der Markenunternehmen zu zeigen, für die sie produzieren. (Klaus Hauptfleisch)

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