Notruf Aargau: Neue Software hat schon Leben gerettet

12. August 2021, 11:29
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Die Software EmergencyEye hat sich laut Mitarbeitenden der Notrufzentrale sehr bewährt.

Oft hört man von modernen, vielversprechenden Software-Applikationen die dann doch nicht das können, was man sich erhofft hat oder heikle "Nebenwirkungen" haben. Da ist es schön, auch einmal eine positive Tech-Geschichte zu hören. In einem Beitrag im Blog des Kantonsspitals Aargau erklären Mitarbeitende der Sanitätsnotrufzentrale klipp und klar: "Durch den Einsatz der neuen innovativen Notruf-Software EmergencyEye konnten im Aargau schon Menschenleben gerettet werden."
Diese Software wird laut dem Blogbeitrag seit Mitte 2020 von den Disponentinnen und Disponenten der Notrufzentrale Aargau benützt, welche Einsätze der Sanität, der Polizei und der Feuerwehr auslösen können. EmergencyEye ermögliche es der Zentrale, Notfallsituation besser einzuschätzen, gezieltere Hilfestellungen zu geben und den Einsatzort genauer zu ermitteln.
Wenn ein Anrufer oder eine Anruferin Zustimmung erteilt, können die Mitarbeitenden der Zentrale via EmergencyEye Zugriff auf die Kamera oder die Ortungsfunktion eines Handys nehmen. Die anrufende Person kann dem Disponenten also Bilder des Geschehens zeigen und auch wenn sie sich selbst nicht exakt lokalisiert, kann der genaue Ort ermittelt werden. Zudem kann bei Bedarf ein Chat mit sofortiger Übersetzung in mehr als 12 Sprachen gestartet werden, falls die alarmierende Person nicht gut Deutsch spricht. Der Hilfesuchende können dies alles über seinen Browser auf dem Smartphone machen und müsse keine App-Installation vornehmen, so die Notrufzentrale.

So rettete die Software Leben

Im Blogbeitrag werden konkrete Beispiele genannt, in denen sich die Software bewährt hat. So habe ein Disponent des Notrufs 144 über die Kamera erkennen können, dass es sich bei einem medizinischen Notfall um einen Herz-Kreislauf-Stillstand nach einer allergischen Reaktion handelte. So habe er die Wiederbelebung des Patienten veranlassen und gezielt unterstützen können. Dank dieser effektiven Intervention habe der Patient erfolgreich reanimiert werden können.
In einem anderen Beispiel ging beim Feuerwehrnotruf eine Meldung über einen Brand eines Schulhauses ein. Dank den übermittelten Bilder stellte sich heraus, dass es sich glücklicherweise "nur" um einen brennenden Container handelte. Ein Grossaufgebot der Feuerwehr konnte so verhindert werden. Auch eine von Wasser umgebene Hilfesuchende auf einer Flussinsel konnte dank den Funktionen von EmergencyEye noch vor dem Eintreffen der ersten Rettungskräfte aus ihrer misslichen Lage befreit werden

Alles nur mit Einverständnis

Eine Technologie, die Dritten Zugriff auf Smartphone-Funktionen gibt, birgt natürlich Gefahren in Sachen Datenschutz und Privatsphäre. Der Datenschutz sei bei EmergencyEye aber gewährleistet, heisst es im Blogbeitrag. Eine hilfesuchende Person müsse für jede Art der Datenübertragung, seien es Standort oder Bilddaten, seine oder ihre Zustimmung geben und habe jederzeit die Wahl, die Datenverbindung zu unterbrechen.
EmergencyEye wurde vom deutschen Startup Corevas entwickelt. Laut Günter Huhle, der das Unternehmen zusammen mit seiner Frau und seinem Sohn gegründet hat, wird die Applikation gegenwärtig von rund 40 Einrichtungen in Deutschland und der Schweiz benützt.
Gemäss dem Blogpost wird die Technologie auch von der Schweizer Post, VZug und Mobility eingesetzt. Diese Unternehmen nützen EmergencyEye für Ereignismanagement und den Kundendienst.

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