NSA-Ausschuss erwägt Rückkehr zur mechanischen Schreibmaschine

14. Juli 2014, 09:55
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Hat hier jemand noch ein paar alte Farbbänder?

Hat hier jemand noch ein paar alte Farbbänder?
Zwingt die NSA-Schnüffelmanie Regierungsbehörden teilweise zurück in die vorelektronische Zeit? Der Untersuchungsausschuss des deutschen Bundestages zur NSA-Affäre scheint selbst Ziel der NSA geworden zu sein und hat nun alle Hände voll zu tun, um seine eigene Arbeit abhörsicher zu gestalten. Um einer Ausspähung zu entgehen, könnten gar alte Schreibmaschinen zum Einsatz kommen. "Wir müssen natürlich versuchen, unsere interne Kommunikation sicher zu halten, verschlüsselte E-Mails senden, Krypto-Telefone nutzen und andere Dinge, die ich jetzt hier natürlich nicht sage", erklärte der Ausschussvorsitzende Patrick Sensburg heute im 'ARD-Morgenmagazin'.
Selbst über die Nutzung einer Schreibmaschine anstatt von Computern habe man schon nachgedacht. "Tatsächlich haben wir das - und zwar eine nicht-elektronische Schreibmaschine", antwortete er auf eine entsprechende Frage. Ob die Schreibmaschine oder Schreibmaschinen auch tatsächlich schon benützt werden, wird allerdings aus dem Gespräch nicht klar. Falls der Ausschuss dies tut, sollte er sich vielleicht ein paar alte Spionagerfilme zu Gemüte führen. Auch mechanische Schreibmaschinen sind nicht komplett sicher. Farbbänder zu klauen oder aus dem Müll zu holen, um daraus Korrespondenz zu rekonstruieren, war in früheren Zeiten eine beliebte Methode unter Spionen.
Anlass für das Gespräch war ein Bericht der 'Bild am Sonntag', dass mehr als ein Dutzend deutsche Regierungsmitarbeiter für die CIA spionieren würden. Ausserdem soll die NSA Handys von Mitgliedern des NSA-Untersuchungsausschusses abgehört haben. Sensburg erklärte, dass nun die Handys aller Mitarbeitenden überprüft würden.
Dass zuletzt von US-Aussenminister John Kerry im Streit mit den USA über Spionage- und Ausspähaktionen von US-Diensten in Deutschland etwas moderatere Töne angeschlagen wurden, begrüsste Sensburg. "Moderate Töne sind richtig und auch wichtig", sagte er. Man müsse im Gespräch bleiben und gemeinsam nach Lösungen suchen. Der CDU-Politiker unterstrich zugleich: "Aber es muss sich natürlich etwas ändern. Das, was wir hier erleben, kann nicht weiter so stattfinden."
Die Bürgerinnen und Bürger bis hin zur Bundeskanzlerin auszuspionieren, das gehöre nicht zum freundschaftlichen Umgang miteinander. "Ich glaube, das ist auch nicht im Interesse der Amerikaner, was wir hier erleben." Sensburg plädierte dafür, mehr für die Spionageabwehr in Deutschland zu tun. Dafür spreche allein schon, dass deutschen Unternehmen und damit der deutschen Volkswirtschaft insgesamt jährlich Schäden in Höhe von acht Milliarden Euro durch Spionage von Auslandsdiensten entstünden. Die "Bild am Sonntag" hatte berichtet, in der deutschen Regierung spionierten mehr als ein Dutzend Mitarbeiter für den US-Geheimdienst CIA. In der vergangenen Woche waren zwei mutmassliche US-Spione enttarnt worden. Daraufhin hatte die Bundesregierung den Repräsentanten der US-Geheimdienste in Deutschland aufgefordert, das Land zu verlassen. (sda/hjm)
(Foto: Christian Gonzalez)

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