Nun führt Whatsapp die kontroversen Daten­schutz-Bestimmungen ein

14. Mai 2021, 10:22
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Die Facebook-Tochter setzt nach Kritik auf eine Taktik der kleinen Schritte.

Schon seit Anfang des Jahres gibt es Aufregung um die neuen Datenschutz-Bestimmungen bei Whatsapp. Nach erster Kritik und der Abwanderung von Nutzern verschob Facebooks Chat-App die Einführung von Februar auf Mai. Die Änderungen werden nun sukzessive umgesetzt, der erste Schritt folgt am morgigen Samstag, dem 15. Mai.
Entgegen früheren Ankündigungen sollen Nutzer, die dem Update nicht zugestimmt haben, zunächst weiter ohne Einschränkungen auf den Chatdienst zugreifen können. Einige Wochen später wird der Funktionsumfang für sie aber schrittweise schrumpfen. Die Alternativen sind: Die Bestimmungen akzeptieren oder den Messenger wechseln.
Zunächst wird man nicht mehr auf die Chatliste zugreifen können, wie Whatsapp in einem Blogeintrag erläuterte. Man werde dann aber noch eingehende Audio- und Videoanrufe annehmen sowie über Benachrichtigungen auch Chat-Nachrichten beantworten können. Wenige weitere Wochen später werde Whatsapp dann weder Anrufe noch Nachrichten an die Smartphones der Nutzer schicken. Dann ist Schluss. Während der ganzen Frist sollen die Nutzer immer wieder aufgefordert werden, den Änderungen zuzustimmen.

Facebook will mit Whatsapp Geld verdienen

Kritiker warnen vor neuen Möglichkeiten zum Daten-Austausch mit der Konzernmutter Facebook. Whatsapp bestreitet das. Bei den Änderungen gehe es vor allem darum, bessere Möglichkeiten für Kommunikation mit Unternehmen zu schaffen, heisst es vom Unternehmen. Auch an der End-to-End-Verschlüsselung werde nicht gerüttelt. Ausserhalb der EU fliessen bereits seit 2016 einige Whatsapp-Nutzerdaten an Facebook, zu Werbezwecken oder zur Verbesserung von Produkten.
Zugleich erklärte Whatsapp selbst, dass der Nachrichtenaustausch mit Unternehmen anders gestaltet sei als mit Familie oder Freunden. "Wenn du mit einem Unternehmen über Telefon, E-Mail oder Whatsapp kommunizierst, kann es die Informationen aus diesen Interaktionen mit dir für eigene Marketingzwecke verwenden. Dies kann auch Werbung auf Facebook einschliessen", hiess es in einer Erläuterung.
Datenschützer stehen den Änderungen kritisch gegenüber. Der Hamburg Datenschutzbeauftragte hat eine Anordnung erlassen, in der Facebook untersagt wird, Daten von Whatsapp für eigene Zwecke zu nutzen. Er warnt, dass die neuen Regeln die Tür für einen stärkeren Datenaustausch mit anderen Facebook-Unternehmen öffneten.
Facebook übernahm Whatsapp 2014 für am Ende rund 22 Milliarden Dollar. Mit diesem Kaufpreis nahm Facebook zwar einen potenziellen Rivalen vom Markt, der Dienst trug bisher aber wenig zum Konzerngewinn bei. Zeitweise wurde über Werbung im Stories-Bereich der App nachgedacht, wo Nutzer Fotos und Videos für einen Tag mit ihren Kontakten teilen können. Die Idee wurde dann aber auf Eis gelegt. Der aktuelle Plan ist, Geld zu verdienen, wenn Unternehmen mit ihren Kunden über Whatsapp kommunizieren – die Regeländerung ist eine Voraussetzung dafür.

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