Nun schippert der KI-Kapitän über den Atlantik

16. Juni 2021, 13:18
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400 Jahre nach der "Mayflower" hat das grösste autonome Schiff zu einem geschichtsträchtigen Trip abgelegt.

1620 brach eine Gruppe englischer Familien von England in die neue Welt auf. Ihr Segelschiff hiess "Mayflower". Nun schippert die neue "Mayflower 400" auf einer weiteren geschichtsträchtigen Reise über den Atlantik in die USA.
IBM hat das Schiff zusammen mit der gemeinnützigen Meeresforschungs-Organisation ProMare gebaut und, bestätigte nun, dass das Mayflower Autonomous Ship soeben seine Reise begonnen hat.
Bei dieser "Mayflower" handelt es sich um ein modernes autonomes Boot ohne menschliche Besatzung oder Passagiere. Es soll auch künftig keine Migranten in die USA transportieren, sondern es soll als ein Forschungsschiff dienen.
Der 15 Meter lange Trimaran navigiert mittels künstlicher Intelligenz, angetrieben wird das futuristische Gefährt von einem solarbetriebenen Hybrid-Elektromotor. Mit KI-gesteuerten Kameras und Dutzenden von Sensoren an Bord solle es bei der Überfahrt Daten über die Versauerung der Ozeane, Mikroplastik und für den Schutz von Meeressäugern sammeln.
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Grafik: IBM/Promare
Es wird von einer hochentwickelten Technologie für künstliche Intelligenz für eine Transatlantiküberquerung gesteuert. Der KI wird nur das Ziel vorgegeben, aber nicht der Kurs. Entsprechend hat das autonome Schiff nicht nur GPS in sich:
  • Das Radar erkennt mehrere Arten von Gefahren auf dem Weg 2,5 Seemeilen voraus.
  • Onboard-Kameras liefern visuellen Input für ein IBM-Computer-Vision-System, das Gefahren wie Frachtschiffe, Fischereifahrzeuge und sogar teilweise untergetauchte, im Wasser treibende Schiffscontainer identifiziert.
  • Das automatische Identifikationssystem (AIS) liefert spezifische Informationen über die Klasse, das Gewicht, die Geschwindigkeit, die Ladung usw. des anderen Schiffs.
  • Neigungssensoren bewerten den herrschenden Seegang.
  • Der KI-Kapitän nimmt Real-Time-Analytics-Empfehlungen, den Computer-Vision-Input sowie das aktuelle und prognostizierte Wetter auf und bewertet mehrere Optionen zur Vermeidung von Gefahren.
  • Dabei verarbeiten Edge-Computing-Geräte an Bord die Daten.
  • Eine elektronische "Zunge", Hypertaste genannt, analysiert die chemische Zusammensetzung des Wassers.
In zwei bis drei Wochen soll das Schiff in Provincetown auf Cape Cod landen, bevor es sich auf den Weg nach Plymouth, Massachusetts, macht. Klappt dies, so wäre dies das grösste autonome Schiff, das bis anhin den Atlantik überquert hat. (Im Vergleich: die originale Mayflower war rund 28 Meter lang).
Die "Mayflower 400" hätte eigentlich zum 400-Jahres-Jubiläum der historischen Migration losfahren sollen, aber Corona habe dies verhindert, erklären Verantwortliche der Agentur 'AP'.
Die Reise des rund 1,3 Millionen Franken teuren Schiffs soll laut den Initianten auch der erste Trip eines Hightech-Schiffs werden, das Meeresregionen erforschen kann, die für Menschen zu schwierig oder zu gefährlich sind, um dorthin zu fahren.
Allerdings ist es mehr als ein Meeres-Forschungsprojekt. Die Spezialisten sind sich einig, dass die autonome Seefahrt kommen wird. Die Frage ist, ob es tatsächlich bereits in den kommenden 5 bis 10 Jahren autonome Frachtschifffahrt geben wird, wie optimistische Experten annehmen.
Natürlich kann jedermann die Reise online verfolgen.

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