Nun werden auch Handys "virtuell"

11. November 2008, 10:36
  • vmware
image

Auf Handys könnten durch Virtualisierung zum Beispiel private und Firmenumgebungen gleichzeitig laufen und Daten und Anwendungen leicht von alten auf neue Handys überspielt werden.

Auf Handys könnten durch Virtualisierung zum Beispiel private und Firmenumgebungen gleichzeitig laufen und Daten und Anwendungen leicht von alten auf neue Handys überspielt werden.
VMware arbeitet an einer Virtualisierungslösung für Handys, der "VMware Mobile Virtualization Platform" (MVP), wie das Unternehmen gerade angekündigt hat. Wann diese Lösung genau auf den Markt kommen wird, ist noch nicht bekannt, aber allzu lange dürfte es nicht mehr dauern, wie man dem Ton der Ankündigung entnehmen kann. VMware zitiert in seiner Mitteilung unter anderem aus einem Report der Expertin Monica Basso, Research Vice President beim Marktforscher Gartner: "Wir prognostizieren, dass bis 2012 mehr als 50 Prozent der ausgelieferten neuen Smartphones virtualisiert sein werden."
Basso bezieht sich in diesem Report allerdings nicht nur auf die VMware-Lösung. Es gibt bereits andere Virtualisierungslösungen für Handys, zum Beispiel einen Hypervisor der Open Kernel Labs, der in Chipsets von Qualcomm zum Einsatz kommt, unter anderem im ersten Android-Handy "G1". Durch den Einstieg des Schwergewichts VMware dürfte das Konzept allerdings wesentlich mehr Schub erhalten.
MVP wird, wie VMware erklärt, als "dünne Softwareschicht" auf dem Mobiltelefon integriert und entkoppelt Applikationen und Daten von der darunter liegenden Hardware. Die potentiellen Vorteile, mit denen VMware dafür argumentiert, leuchten ein. Unternehmen müssen immer mehr auch Smartphones in ihre Unternehmens-IT und damit ihre Sicherheitskonzepte integrieren, Angestellte möchten aber gerne nur ein Handy, und zwar meist ihr privates Handy, benützen müssen. Durch die Virtualisierungstechnologie sollten sich relativ einfach strikt getrennte verschiedene Profile bzw. "Umgebungen" auf einem Handy einrichten und betreiben lassen, zum Beispiel eine gesicherte Firmenumgebung und eine frei benützbare private Umgebung, ähnlich wie das mancherorten auf PCs praktiziert wird.
Den einzelnen Anwendern dürfte ein möglicher weiterer Vorteil näher am Herzen liegen: Durch die Trennung der Software von der Hardware sollte es auch wesentlich einfacher werden, gesammelte Daten, Bilder und Applikationen von einem alten Handy auf ein neues zu überspielen – eine Möglichkeit, die heute noch von vielen schmerzlich vermisst wird.
Für Softwarehersteller wiederum bietet die Technologie den Vorteil, dass sie Handyapplikationen weitgehend Hardware- und OS-unabhängig und damit für einen viel grösseren Markt entwickeln könnten. Und Handyhersteller könnten mit ihren Produkten einfach auf neue, auch verschiedene, Betriebssysteme umsteigen.
Das "virtuelle Handy" auf dem Server?
Und zu guter Letzt noch eine Spekulation, die allerdings nicht von VMware stammt: Virtualisierung macht es auch denkbar, dass das "Handy" in einigen Jahren als virtuelle Maschine zu Hause auf dem PC oder auf einem Server im Unternehmen läuft, während der Anwender nur noch über eine Art "Thin Handy" drahtlos darauf zugreift. Die handyspezifischen Beschränkungen für Anwendungen bezüglich Hardwareleistung wären damit praktisch aufgehoben, die mobilen Telefonate würden ganz andere Wege gehen, und Batterien könnten sehr viel länger halten. Aber das ist, wie gesagt, momentan noch Spekulation. (Hans Jörg Maron)

Loading

Mehr zum Thema

image

Hacker nehmen VMware- und F5-Sicherheitslücken aufs Korn

Die US-Cyberbehörde CISA warnt, dass die kürzlich bekannt gewordenen Lücken aktiv angegriffen werden, vermutlich von staatlich unterstützten Gruppierungen.

publiziert am 19.5.2022
image

Verwirrung um neue Sicherheitslücke in Spring

In der Cybersecurity-Community sorgt seit gestern eine neu entdeckte Sicherheitslücke im Spring-Framework für grosse Aufregung. Aber wie schlimm ist diese Schwachstelle?

publiziert am 31.3.2022
image

Kyndryl schliesst den nächsten grossen Cloud-Pakt

Das IBM-Spinoff baut seine globalen Partnerschaften aus und geht eine Kooperation mit AWS ein.

publiziert am 24.2.2022
image

In VMwares Desktop-Manager klafft eine kritische Lücke

Die Managementlösung VMware Workspace ONE UEM ist verwundbar. Die Lücke wird als "kritisch" eingestuft

publiziert am 17.12.2021