"Obamacare"-Portal macht Mucken

10. Oktober 2013, 10:21
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Was man in der Schweiz kann, kann man auch ennet dem grossen Teich: E-Gov-Flop à la USA

Was man in der Schweiz kann, kann man auch ennet dem grossen Teich: E-Gov-Flop à la USA.
In den USA beherrscht momentan der Government-Shutdown alle politischen Diskussionen. Oft wird aber im gleichen Atemzug auch über die grossen technischen Probleme des Portals für "Obamacare" geredet. Dies insbesondere, weil der Widerstand der Republikaner gegen Obamacare der Grund für den Shutdown ist.
Auf dem "Health Insurance Markeplace" können sich US-Bürger seit 1. Oktober für "Obamacare" anmelden. Das System soll aufgrund ihrer Angaben zu Einkommen, Haushaltsgrösse, Krankengeschichte und anderem automatisiert entscheiden, für welche Versicherungen und Versicherungspläne sie in Frage kommen und ob sie ein Recht auf vergünstigte Prämien haben. Auch der Anmeldungsprozess für eine bestimmte Versicherung kann direkt über das Portal abgewickelt werden.
Der Marktplatz wurde am 1.Oktober eröffnet, und brach sofort unter dem Useransturm zusammen. Bürger konnten die Site gar nicht erreichen, oder wurden immer wieder aus dem System geworfen, bevor sie ihre Anmeldungen vervollständigen konnten. Die Verantwortlichen verprachen schnelle Abhilfe durch die Anschaffung von mehr Hardware. Das scheint auch teilweise genützt zu haben: 'Ars Technica' berichtet, dass die Site nun tatsächlich wesentlich schneller arbeite. Bei einem Selbstversuch habe man "nur" noch vier Minuten warten müssen, bis der Startscreen für den Anmeldeprozess geladen wurde.
Trotzdem gibt es weiterhin hartnäckige Probleme. Laut 'Ars Technica' wurden User vom Support darüber informiert, dass alle Passwörter zurückgesetzt wurden, um die Performance beim Login zu verbessern. Ausserdem müssten sich User, die bei der Anmeldung aus dem System fielen, neu anmelden, was aber nur mit einem neuen Usernamen möglich ist. Und auch Änderungen an den eingegebenen Informationen - die entscheidend dafür sind, auf welche Versicherung man Anrecht hat - würden oft nicht gespeichert, ohne dass die User dies merken.
Die Probleme eines "politischen" IT-Projekts
Es scheint erstaunlich, dass die Verantwortlichen für das Projekt den Ansturm am ersten Tag unterschätzten und das System nicht dafür auslegten. Allerdings hatten sie auch mit verschiedenen spezifischen Problemen zu kämpfen. So hatte man zwar im Prinzip rund drei Jahre Zeit, um das System, das letztendlich knapp 700 Millionen Dollar kosten dürfte, zu bauen. Während dem grössten Teil dieser drei Jahre war aber nicht ganz klar, was man genau bauen sollte. Republikaner und Demokraten mussten erst in diversen Gremien ausfechten, was das Portal können sollte beziehungsweise durfte. Ausserdem war, aufgrund der hochpolitischen Natur des Projekts auch das Budget sakrosankt: Eine Budgetüberschreitung hätte den politischen Gegnern von Obamacare hochwillkommene neue Munition geliefert. Und nicht zuletzt musste das Portal - bei IT-Projekten eher die Ausnahme - gehauen oder gestochen an einem ganz bestimmten Tag online gehen.
'Ars Technica' spekuliert, dass das Portal wohl nie unter einer Belastung, wie sie in der vergangenen Woche vorkam, getestet wurde - falls vor dem Launch überhaupt noch Zeit für Lasttests blieb. Die Technopublikation merkt allerdings auch an, dass man bei der Architektur möglicherweise zu wenig auf den Performance-Aspekt geachtet habe. Allein die erste Seite für die Anmeldung bestehe aus 2099 Zeilen HTML-Code und rufe 56 JavaScript-Files sowie 11 CSS-Files auf. (hjm)

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