OC Oerlikon stoppt SAP-Megaprojekt

26. Oktober 2007, 14:12
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Zentrales Konsolidierungstool statt Migration auf konzernweites SAP.

Zentrales Konsolidierungstool statt Migration auf konzernweites SAP.
Die 'SonntagsZeitung' berichtete in der letzten Ausgabe, der Zürcher Maschinenbau-Konzern OC Oerlikon habe sein SAP-Integrationsprojekt "Atlas" abgeblasen. Mit "Atlas" wollte OC Oerlikon die bestehenden, unterschiedlichen SAP-Umgebungen auf eine einzige, moderne SAP-Plattform migrieren. Die Zeitung schätzt die geplanten Kosten von "Atlas" auf 30 Millionen Franken, wovon 17 Millionen alleine auf den Berater CSC entfielen. Die Zeitung spekuliert, dass der Abbruch des Grossprojekts entweder darauf hindeute, dass der Konzern einzelne Teile verkaufen wolle oder dass das Projekt abgeblasen wurde, um die ehrgeizigen Gewinnziele erreichen zu können.
OC-Sprecher Burkhard Böndel bestätigt gegenüber inside-it.ch, dass "Atlas" in der ursprünglich geplanten Form gestoppt wurde. Grund: Das SAP-Vereinheitlichungsprojekt wurde in Angriff genommen, bevor OC Oerlikon Saurer übernahm. Man wolle nun evaluieren, wo der Konzern zentrale IT-Strukturen braucht und wo nicht. Böndel: "Diese Neuevaluierung ist vor allem deshalb notwendig, weil das Projekt gestartet wurde, bevor Oerlikon Saurer übernommen hat. Diese Akquisition bedingt auch, dass wir unsere IT Strategie überdenken mussten, was auch Ausdruck in der Neubewertung von 'Atlas' Ausdruck findet."
Die unterschiedlichen Geschäftseinheiten von OC Oerlikon haben unterschiedliche Geschäftsmodelle, so Böndel. Ein zentral aufgesetztes SAP-System könne dem nicht gerecht werden. Zudem hätten die meisten Business Units "sehr gut funktionierende ERP-Systeme, so dass eine gesamthafte Umstellung auf SAP unnötige Kosten erzeugen würde," sagt Böndel.
Neuer Ansatz: Konsolidierung verschiedener ERP-Systeme
Statt sämtliche SAP-Systeme auf eine Plattform zu zwingen, setzt der Zürcher Konzern nun auf einen anderen Ansatz. Böndel: "Den Ansatz, den wir jetzt verfolgen ist, über ein zentrales SAP-Konsolidierungstool alle ERP-Systeme der Business Units – die nicht zwingend SAP sein müssen – einzubinden."
Man woll nun eine "intelligentere, flexiblere und kostengünstige Alternative erarbeiten."
Verliert CSC das Oerlikon-Projekt?
Böndel wollte zu unseren Fragen zum Verhältnis zum US-Systemintegrator CSC keine Stellung beziehen. Ebenfalls offen liess er unsere Frage, ob das in der 'SonntagsZeitung' genannte Auftragsvolumen von 17 Millionen Franken zutrifft.
Auch von CSC war heute keine Stellungnahme zum "Atlas"-Projekt zu erhalten. Anzunehmen ist allerdings, dass sich der US-Outsourcing-Riese vertraglich gegen einen "politischen" Abbruch des SAP-Grossprojekts abgesichert hat.
Und schliesslich ist ja auch die Evaluation und Integration eines Konsolidierungstools für den grossen Maschinenbaukonzern kein kleines Projekt. Ob der Auftrag neu ausgeschrieben wird, steht gemäss Böndel noch nicht fest. (Christoph Hugenschmidt)

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