"Office Live Workspace": Was bringt er Unternehmen und Microsoft?

14. März 2008 um 13:30
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Das Betaprogramm für Office Live Workspace steht seit einer Woche auch für Europäer offen. Rüdiger Spies von IDC analysiert Anwenderaspekte und die Microsoft-Strategie.

Das Betaprogramm für Office Live Workspace steht seit einer Woche auch für Europäer offen. Rüdiger Spies von IDC analysiert Anwenderaspekte und die Microsoft-Strategie.
Vor rund einer Woche hat Microsoft das Beta-Programm für "Office Live Workspace" (OLW) für alle Anwender, auch in Europa, geöffnet. OLW ist Microsofts "Gegengift" gegen Googles "Dokumente & Tabellen" und ähnliche webbasierte Bürosoftwareangebote anderer Anbieter. Im Gegensatz zu diesen Services werden die Files allerdings bei OLW nicht in einem speziellen, browserbasierten-Programm "im Internet" bearbeitet.
Bei OLW werden die Files mit den gewohnten Office-Programmen von Microsoft auf dem eigenen PC erstellt und bearbeitet, aber über OLW auf Microsoft-Servern im Web gespeichert. Dadurch sind sie von überall her zugänglich, sofern man einen Internet-Anschluss hat, und können auch anderen Usern und ganzen Arbeitsgrupen zur Verfügung gestellt werden. OLW bietet verglichen mit reinen Online-Storage-Angeboten mehr Konfort, da die Files direkt gespeichert werden und nicht in einem Extraschritt hochgeladen werden müssen.
Mit der Öffnung des Betaprogramms auch für Europa scheine Microsoft auf den ersten Blick den bereits existierenden Service für Nordamerika einfach auf den europäischen Markt auszudehnen, kommentiert Rüdiger Spies, Independent Vice President Enterprise Applications beim Marktfascher IDC. Doch seiner Meinung nach steckt noch einiges mehr dahinter.
Der eigentliche Startschuss für "Software-plus-Services"
Das Angebot sei der erste reelle Schritt hin zum Ausbau der "Software-plus-Service"-Strategie von Microsoft, um den europäischen Massenmarkt mit Abermillionen von potenziellen Anwendern zu adressieren. Praktisch jeder, der mit Office XP, 2003 oder 2007 arbeitet, könne nach der Einrichtung eines Kontos seine Dokumente aus Office-Applikationen online ablegen und darauf zugreifen.
Die Online-Speicherung von Dokumenten sei, so IDC, aus mehreren Gründen attraktiv. Zum einen müssen Information Workers Dokumente nicht mehr per E-Mail verschicken oder auf USB-Sticks mit sich herumschleppen, sei es nun für die gemeinsame Nutzung mit anderen oder für die Arbeit an verschiedenen Standorten. Ausserdem werde auch das Risiko, unterschiedliche Versionen desselben Dokuments zu erstellen, gemindert.
Der Microsoft-Service wirft aber, wie auch andere webbasierte Office-Software-Services, einige Fragen in punkto Sicherheit und Datenschutz auf. Insbesondere Unternehmen müssen sich darüber im Klaren sein, dass sie, wenn sie ihren Angestellten das Tool in die Hände geben - oder diese es einfach selbst installieren - auch einen Teil der Kontrolle über Unternehmensfiles verlieren.
Problematisch für Unternehmen
Dazu IDC: "Die Verfügbarkeit von OLW als Service auch für Einzelpersonen in Unternehmen (und nicht den Arbeitgeber) ist nach wie vor problematisch, geht es dabei doch darum, dass Dokumente ausserhalb der Unternehmens-Firewall abgelegt werden können, wo die firmeninternen Vorgaben für die Dokumentenkontrolle nicht greifen und nur der einzelne Nutzer die alleinige Kontrolle hat. Die Reaktionen von IT-Abteilungen und Governance-Beauftragten werden unterschiedlich sein; mancher sieht es als das kleinere von vielen Übeln an, die meisten leisten erbitterten Widerstand. Doch auch wenn das Sicherheitsniveau von OLW vom Passwort des jeweiligen Nutzers abhängig ist, ist die Sicherheit immer noch erheblich höher als im Falle eines verloren gegangenen oder gestohlenen Laptops oder USB-Sticks."
Insgesamt ist IDC auch aufgrund der vielen Alternativen skeptisch darüber, ob nun gerade der OLW-Service Microsoft bei Unternehmensanwendern den erhofften "Treueschub" bringen und Abwanderungstendenzen unterbinden kann: "Eine weitere Konsequenz (und sicherlich beabsichtigt): OLW motiviert Einzelanwender (wenn auch nicht Unternehmen), Microsoft Office auch in Zukunft treu zu bleiben und schliesslich auf Office 2007 aufzurüsten. Auch wenn Microsoft hier nicht sehr verwundbar erscheint, gibt es doch billigere oder sogar kostenlose direkt vergleichbare Ersatzlösungen wie OpenOffice und Webnative von Google, Zoho, IBM und anderen Anbietern, die sich mit jedem Update stärker durchsetzen. Microsoft kann sich nicht darauf verlassen, dass Unternehmensanwender ... Microsoft wirklich die Treue halten." (Hans Jörg Maron)

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