Oh KMU, du unfassbares IT-Wesen

21. März 2007, 16:04
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IT-Ausgaben der Schweizer KMU um 50 Prozent gestiegen? Wohl kaum.

IT-Ausgaben der Schweizer KMU um 50 Prozent gestiegen? Wohl kaum.
In regelmässigen Abständen durchgeführte Studien haben vor allem einen Vorteil: Durch einen Vergleich von neueren und älteren Resultaten kann man Trends feststellen. Umso erstaunlicher ist es da eigentlich, dass in der Pressemitteilung und im öffentlich zugänglichen Management Summary weitgehend fehlen und auf eine knackige Schlagzeile wie "IT-Ausgaben der Schweizer KMU um 50 Prozent gestiegen" verzichtet wird. Denn: Im Netzreport 2007 rechnen die Autoren der Studie die jährlichen Informatik-Gesamtausgaben der 38'000 Schweizer KMU (10 bis 250 Angestellte) des industriellen und des Dienstleistungssektor zwischen 2003 und 2005 auf über 10 Milliarden, oder genau "269'806 CHF je Unternehmen" hoch. In der letzten Ausgabe war noch von 6,65 Milliarden Gesamtausgaben, im Schnitt 175'000 Franken pro Betrieb, die Rede. Hochrechnungen sind halt eine heikle Sache: Wie in der Studie angemerkt wird, beeinflussen einige Betriebe, die sehr hohe Kosten angeben, das Resultat sehr stark – vielleicht müsste man unter diesen Umständen darauf verzichten.
Die Schwierigkeiten einer Hochrechnung der Gesamtausgaben werden vor allem von den wild variierenden IT-Ausgaben bzw. -Bedürfnissen der KMU verursacht, die auch von der vorliegenden Studie wieder einmal illustriert werden. Etwas über die Hälfte der Studienteilnehmer gab Informatikkosten zwischen 500 und 2000 Franken pro Mitarbeitendem und Jahr an. Je etwas mehr als 15 Prozent berichteten aber auch von Kosten von unter 500 Franken bzw. 2000 bis 4000 Franken. Immer noch rund 10 Prozent kommen auf 4000 bis 10'000 Franken und rund fünf Prozent sogar auf mehr als 10'000 Franken pro Angestelltem und Jahr. Grössere Unternehmen haben dabei keine Vorteile, sondern haben im Gegenteil tendenziell höhere IT-Kosten pro Mitarbeitendem.
Auch die Branche spielt eine grosse Rolle: Die grössten Kosten pro Angestelltem haben gemäss der Umfrage Unternehmen aus der Kredit- und Versicherungsbranche, der Energie und Wasserversorgung und der Öffentlichen Verwaltung.
Etwas einheitlicher ist das Bild, wenn man die IT-Ausgaben im Verhältnis zum Umsatz betrachtet: Bei drei Vierteln (74,4 Prozent) aller Antwortenden betragen die angegebenen Kosten zwischen 0 und 1 Prozent des Umsatzes. Bei 22,2 Prozent beträgt der Anteil zwischen einem und fünf Prozent. Obwohl, wie oben erwähnt, deutlich höhere Gesamtkosten für Informatik errechnet wurden als vor einem Jahr, heisst es im Management Summary, dass der Anteil der Informatikkosten am Gesamtumsatz gegenüber dem Netzreport 2006 gesunken sei.
Und wie steht's mit Outsourcing?
Ein interessantes Resultat ergab die Umfrage beim Thema Outsourcing. 80 Prozent der Teilnehmer kaufen ihre IT-Ressourcen ausschliesslich selbst, nur je etwa 10 Prozent mieten sie ganz oder teilweise. Beim Installation und Betrieb ist Out sourcing etwas verbreiteter aber immer noch rund 70 Prozent gaben an, dies ausschliesslich intern zu erledigen. Etwa 20 Prozent praktizieren Teiloutsourcing, etwa 10 Prozent Volloutsourcing. Auch für die Zukunft scheint sich aus der Umfrage – im Gegensatz zu dem, was viele Anbieter sagen - kein klarer Trend zu vermehrtem Outsourcing erkennen zu lassen: Etwas mehr als die Hälfte der Teilnehmer erklärte, dass sie in den nächsten Jahren sogar vermehrt Informatikdienstleitungen wieder selbst erbringen wollen. Demgegenüber stehen rund 25 Prozent, die verstärkt auslagern wollen und rund 20 Prozent, die sogar an Volloutsourcing denken. (Hans Jörg Maron)

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