Online-Händler hoffen auf anhaltenden Aufschwung

3. September 2020, 14:35
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Während der Corona-Krise profitierte im Schweizer E-Commerce-Business am stärksten, wer bereits über digitalisierte Prozesse verfügte.

"Viele Onlineshops erlebten eine Umsatzsteigerung von bis zu 1500% und konnten sich vor Bestellungen kaum retten", hält Darius Zumstein fest. Laut dem Leiter der "Onlinehändlerbefragung 2020" der School of Management and Law an der Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften (ZHAW) haben sowohl Shops für Privatkunden als auch das Geschäft mit Unternehmenskunden davon profitiert.
Für die 3. repräsentative Studie der ZHAW (PDF) sind 330 Schweizer Onlineshops zwischen dem 6. Mai und dem 13. August 2020 befragt worden. Profitiert haben sie von der temporären Schliessung stationärer Läden wegen der Corona-Krise und der Umstellung auf Homeoffice. Da deutlich mehr Zeit daheim verbracht wurde, sei die digitale Nachfrage im Bereich Elektro, Computer und Multimedia genauso wie bei Do-it-yourself- und Gartenutensilien, Lebensmitteln, Sport- und Spielwaren stark gesteigert worden.
Am stärksten hätten von dem Wachstum die Firmen profitiert, die über stark digitalisierte Prozesse, mehrere Einkaufs- und Vertriebskanäle verfügen und sich schnell an die veränderte Situation anpassen konnten. Weiter hat die Studie festgestellt, dass die grosse Mehrheit der Schweizer Onlinehändler neben dem digitalen Shop auch zusätzliche Bestellmöglichkeiten etwa über Telefon, E-Mail, Marktplätze wie Amazon und Galaxus, über Apps oder Social Media bieten.
Jedes 2. Internetgeschäft habe einen Bestellungsanstieg von über 20% verbucht. Im Bereich "Computer & Zubehör" war es sogar 67%, bei den Multimedia- und Elektrogeräten immerhin noch 53% (siehe Grafik).
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Interessant ist, dass die Online-Händler nicht von einem temporären Wachstum wegen der besonderen Umstände ausgehen, sondern meinen, der Aufschwung werde sobald nicht wieder abflauen. Jedenfalls gaben 82% der Befragten an, dass sie längerfristig mit einer moderaten, wenn nicht gar starken Zunahme von Online-Bestellungen rechnen.
Dementsprechend verstärkte der Handel seine Investitionen ins digitale Geschäft, baue seine Onlineshops, Lager oder das Online-Marketing aus, heisst es denn auch in der Studie. Die Konsequenzen dieser Entwicklungen hat kürzlich Walter Oberli in einem Gastbeitrag für inside-channels.ch beschrieben. Unter dem Titel "System-Evolution im Digital Commerce" hat der Partner und Senior Consultant bei der Unternehmensberatung Carpathia ausgeführt, was es bedeutet, wenn das Online-Business immer anspruchsvoller wird.
Insgesamt sind die Resultate der ZHAW nicht sehr überraschend. Ähnliche Ergebnisse hatte vor 2 Monaten der jährlichen "E-Commerce Report" von der Fachhochschule Nordwestschweiz (FHNW) und Datatrans geliefert. Dort hatte man für das gesamte 2020 eine Verdreifachung des Online-Handels prognostiziert.
Aufschlussreich ist in der ZHAW-Studie noch die Abfrage der beliebtesten Zahlungsmittel beim Online-Shopping. An der Spitze liegen weiterhin die Rechnung und die Kreditkarte mit einem Anteil von 49 beziehungsweise 32 % der Transaktionen. Stark zugenommen hat aber die Verbreitung der Mobile-Payment-Plattform Twint, die inzwischen jeder zweite Schweizer Onlineshop anbietet. Technisch im Hintergrund abgewickelt werden die Zahlungsvorgänge am häufigsten über die Anbieter PayPal, PostFinance, Worldline/SIX Payment Services und Datatrans.

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