Open XML vs. ODF: Wortgefechte zwischen IBM und Microsoft

30. Januar 2008, 17:00
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Nach dem der erste Anlauf im letzten September noch scheiterte steht Microsofts Dokumentenstandard "Office Open XML" (OOXML) nun vor dem zweiten Anlauf zur Zertifizierung durch die International Standards Organisation (ISO).
Der Kampf um die Erreichung des Ziels wird hart, da sich Microsoft mit dem Widerstand des Lagers rund um das bereits ISO-zertifizierte OpenDocument Format (ODF) konfrontiert sieht. Der Rädelsfürer bei den Angriffen gegen OOXML sei, und zwar aus eigennützigen Gründen, IBM, heisst es seitens Microsoft.
Tatsächlich griff etwa Bob Sutor, Vice President Open Source and Standards bei IBM, OOXML in einem Blog-Eintrag recht offen an: "Speichern Sie nicht im OOXML-Format". Das "offizielle" OOXML, das der ISO vorgelegt wurde, sei nicht das, was in Office 2007 implementiert sei, bemängelt Sutor. Auch sei unklar, wie OOXML im Februar aussehen werde und wie die langfristige Unterstützung aussehen werde. Auch sieht Sutor langfristig keine Interoperabilität für OOXML: "Wer sonst denken Sie wird langfristig vollständigen Support für dieses bereits tote OOXML-Format bieten, das Microsoft Office 2007 heute nutzt?"
Microsoft hält dagegen, dass ODF-Advokaten wie IBM bei Regierungen Lobbying für die ODF-Unterstützung bis zum Ausschluss anderer Formate betrieben. "Sie haben daraus eine religiöse und hoch politische Debatte gemacht", meint Nicos Tsilas, Senior Director Interoperability and IP bei Microsoft. Unterstützung kommt von Analysten der Burton Group. "Vorerst sollte ODF eher als ein politisches Anti-Microsoft-Statement denn als objektive Technologiewahl gesehen werden", heisst es in einem Burton-Report zur Dokumentstandard-Frage. Weiters vertritt Burton Group die Ansicht, dass speziell grosse Unternehmenskunden, die bereits Microsoft Office nutzen, OOXML in der Regel treu bleiben sollten.
Ein bereits bekanntes Argument gegen OOXML kommt von Kaaren Koomen, Government Programs Executive bei IBM Australien. "ISO hat eine Richtline, dass möglichst nur ein Standard für ein Gebiet existieren sollte, um die Interoperabilität und die Funktionalität zu maximieren. Wir haben bereits einen internationalen Standard für digitale Dokumente, ODF", so Koomen gegenüber AustralianIT. Mit der Kritik, dass mehrere Standards nicht nötig wären, war OOXML schon öfter konfrontiert. Allerdings vertritt Microsoft die von Burton Group unterstützte Ansicht, dass ODF eher für kleinere Unternehmungen geeignet wäre, während OOXML besonders für grosse Unternehmen sei.
Der nächste Anlauf zur ISO-Anerkennung für OOXML soll Ende Februar starten, mit einer Entscheidung ist bis Ende März zu rechnen. Der besonders durch "OpenOffice" bekannte Format-Konkurrent ODF ist seit Mai 2006 ISO-zertifiziert. Neben IBM wird der Standard im Rahmen der ODF-Allianz von einer grossen Zahl weiterer Organisationen und Unternehmen unterstützt, darunter Sun Microsystems, Oracle und Google. (hjm/pte)

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