"OpenDocument" könnte Microsofts Dominanz brechen.

17. Mai 2006, 15:06
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Die Zertifizierung von ODF als ISO-Standard stellt eine ernsthafte Bedrohung für Microsofts de-fakto-Monopol bei Office-Software dar.

Die Zertifizierung von ODF als ISO-Standard stellt eine ernsthafte Bedrohung für Microsofts de-fakto-Monopol bei Office-Software dar.
Am 8. Mai wurde das auf XML-aufbauende Dokumentenformat "OpenDocument Format" (ODF) von der ISO (International Organization for Standardization) und dem IEC (International Engineering Consortium) als Standard für Dokumentenformate in Büroanwendungen offiziell anerkannt. Der Standard trägt die Bezeichnung ISO/IEC 26300. Die Anerkennung als ISO-Standard stellt für das OASIS-Konsortium, dass die Anerkennung bei der ISO beantragt hat, einen regelrechten Durchbruch dar. Hinter OASIS stecken Branchengrössen wie Sun, IBM, BEA, SAP und EDS. Büroprogramme wie OpenOffice, StarOffice, Googles Writely und IBMs Workplace schreiben und lesen Dokumente im OpenDocument Format, während Microsoft für Word, Excel, PowerPoint & Co. immer noch auf eigenen Formaten beharrt.
Die Anerkennung von ODF als ISO-Standard wird sehr weitreichende Auswirkungen haben. Denn die Standardisierungsgremien werden gemäss den Marktforschern von Gartner kein zweites XML-Format als Standard anerkennen. Microsoft hat erst letztes Jahr ein eigenes Format ("Open XML") als Standard bei der ECMA (European Computer Manufacturers Association) eingereicht.
Behörden werden auf Dokumente in ODF beharren
Bis 2010 werden mit grosser Wahrscheinlichkeit die Hälfte aller Regierungsinstitutionen weltweit (!) und ein Fünftel aller Firmen ISO 26300-kompatible Dokumente verlangen, schätzt Gartner.
Damit wird Microsoft eines von zwei ganz wichtigen Argumenten für den Einsatz seiner Office-Pakete verlieren. Viele Firmen und Behörden setzen Office ein, weil man unbedingt Dokumente ohne grosse Konvertierungsprobleme austauschen möchte. Dieses Argument wird hinfällig.
Das zweite Argument hingegen, die hohen Kosten für die Ausbildung der AnwenderInnen bei einem Wechsel auf alternative Bürosoftware, wird bleiben. Gartner empfiehlt den Firmen-Anwendern die Migration der Office-Anwendungen auf alternative Produkte, warnt aber vor den hohen Kosten eines solchen Projektes. Denn neben der Anwenderausbildung fallen auch schlecht abschätzbare Kosten für die Migration von Anwendungen, zum Beispiel vorprogrammierte Excel-Files, PowerPoint-Templates und vieles mehr an.
Anwendern, bei denen ein Wechsel der Bürosoftware nicht in Frage kommt, empfiehlt Gartner, bei Microsoft für die vollständige Unterstützung von ODF zu lobbyieren und sich nach Zusatzprogrammen umzuschauen, die erlauben, ODF-Dokumente zu öffnen und zu speichern. (Christoph Hugenschmidt)

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