Oracle gegen MySQL

27. September 2004 um 22:00
  • technologien
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Oracle zielt neu auf MySQL-Kunden. Vor zwei Jahren hiess es noch, die hätten zuwenig Geld.

Sollen wir Oracle oder MySQL als Datenbank einsetzen? Als die Zürcher Entwickler von Netcetera sich daran machten, erste Versionen unserer Plattform zu integrieren, mussten wir von inside-it.ch uns dieser Frage stellen. Oracle Schweiz erklärte sich bereit, unseren Start-Up mit sehr guten Konditionen zu unterstützen – es gab zwar noch Preisdifferenzen, aber diese waren nicht mehr entscheidend. Und der Einsatz von Oracle-Technologie hätte unserem zukünftigen Wachstum zumindest datenbankmässig keine Grenzen gesetzt. Ausserdem schwebte im Kopf des Schreibenden noch der Oracle-Werbeslogan "unbreakable". Das sollte unsere Plattform doch auch werden.
Trotzdem entschieden wir uns für MySQL. Oracle-Datenbanken sind heute zwar auch für Kleinstfirmen nicht mehr schlicht unbezahlbar, doch wachsen die Lizenzkosten radikal, wenn man beispielsweise von einem Server mit zwei Prozessoren auf einen mit vier Computer-Herzen wechselt.
In dieser Situation befinden sich weltweit hunderttausende von KMU. Und viele davon entscheiden gleich wie wir und setzen auf die Open-Source-Datenbank MySQL. Oracle hat nun die MySQL-Anwender als zukünftige Kunden ausgemacht. Oracle-Mann Robert Shimp sagte in der US Zeitschrift InfoWorld, viele MySQL-Kunden würden die Grenzen der Open-Source-Datenbank zu spüren bekommen und wechselten zu Oracle. MySQL sei eben nur eine rudimentäre Datenbank, so Shimp.
Marten Mickos, CEO von MySQL gab zwar bereitwillig zu, dass die Oracle-DB mehr Features besitze (für Fachleute: zum Beispiel so genannte "Triggers" oder "Stored Procedures"), aber er fügte hinzu, Migrationen passierten in beide Richtungen. Oracle sei grossartig für Leute mit viel Geld. Und maliziös erinnerte er an ein Interview mit Oracle-Bigboss Larry Ellison, der vor zwei Jahren noch sagte, MySQL sei etwas für Leute ohne Geld.
Nun, wir von inside-it.ch werden so oder so herausfinden, wer von den beiden Recht hat. Zu befürchten ist, dass wir, sollten wir je zu Oracle migrieren müssen, wohl nicht mehr mit einem grosszügigen Start-Up-Sympathiebonus rechnen könnten.
(Christoph Hugenschmidt)
Lesen Sie dazu auch unser Feature: "How we built a internet-system in two months", das in der ersten oder zweiten Oktober-Woche erscheinen wird.

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