Oracle Schweiz kündigt grosse Würfe an

28. Oktober 2010, 14:56
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Voraussichtlich im ersten Halbjahr 2011 kommen hierzulande die lange erwarteten Fusion Applications und die "elastische Wolke" Exalogic auf den Markt. Und: Oracle will sein wie Apple.

Voraussichtlich im ersten Halbjahr 2011 kommen hierzulande die lange erwarteten Fusion Applications und die 'elastische Wolke' Exalogic auf den Markt. Und: Oracle will sein wie Apple.
Die neue Führung von Oracle Schweiz präsentierte heute in Zürich einige Eckpunkte der neuen Strategie des US-amerikanischen IT-Konzerns. Mit der im Sommer abgeschlossenen Übernahme des Serverherstellers Sun Microsystems ist Oracle zum Komplettanbieter geworden, der vom "Blech" bis zu den Applikationen sämtliche Bereiche im Rechenzentrum abdecken kann. Die zentrale Frage für potenzielle und bestehende Kunden ist allerdings, ob es sich für sie überhaupt lohnt, alles von einem einzigen Anbieter zu beziehen. Oracle versucht hier den Spagat zwischen der Aussage, man biete die perfekte Integration an und der Beteuerung, man bleibe "open" und wolle auf keinen Fall eine eierlegende Wollmilchsau werden.
"Fusion" kommt
Trotzdem fliesst bei Oracle zunehmend alles zusammen. Das vor bald sechs Jahren begonnene Projekt "Fusion" steht kurz vor der Vollendung. Oracle hat auf Basis von Java eine komplett neue modulare Businesssoftware-Suite geschrieben, die aber explizit neben den existierenden Oracle-Anwendungen (E-Business Suite, PeopleSoft, J.D. Edwards, Siebel etc.) bestehen soll. Die Kunden sollen selber entscheiden, wie viele der über hundert Module für sie in Frage kommen. Oracle hat die Fusion Applications aufgeteilt in sieben Produktfamilien: Financial Management, Human Capital Management, Sales and Marketing, Supply Chain Management, Project Portfolio Management, Procurement Management sowie Governance, Risk and Compliance. Die gemäss Oracle "hundertprozentig offenen und standardbasierten" Unternehmensanwendungen können lokal installiert oder auch als Cloud-Lösungen bezogen werden. Oracle verspricht, dass eine Anbindung an Drittlösungen problemlos möglich ist.
Die Fusion Applications wurden in enger Zusammenarbeit mit Schlüsselkunden entwickelt. In der Schweiz ist Oracle zurzeit dabei, eine Handvoll Grossfirmen für die Beta-Versionen zu bestimmen. Im Gespräch sind etwa eine Grossbank und eine Firma aus dem Bereich Life Sciences. Branchen also, wo Oracle traditionell stark ist – im Gegensatz zu Retail oder Manufacturing, wo zumindest in der Schweiz fast ausschliesslich SAP präsent ist. Die Schweizer Preisliste der Fusion Applications dürfte im ersten Halbjahr 2011, wohl im April oder Mai, veröffentlicht werden. Ob der Launch gleichzeitig stattfinden wird, ist noch unklar. Es hängt auch von den noch stattfindenden Tests ab.
Gegen Ende des laufenden Geschäftsjahres von Oracle (31. Mai 2011) dürfte auch hardwareseitig ein grosser Launch stattfinden. Die gemäss Oracle erste integrierte Middleware-Maschine "Exalogic Elastic Cloud" baut auf der "Exadata Database Machine" auf, die in der Schweiz bereits erhältlich ist. Laut Oracle gibt es hierzulande bereits eine Nachfrage nach Exalogic. Das insbesondere für Java-basierte Transaktionen geeignete System kombiniert 64-Bit-x86-Prozessoren, eine auf InfiniBand basierende I/O-Fabric sowie Solid-State-Storage-Systeme mit dem Oracle WebLogic Server und anderen Java-Middleware-Produkten. Als Betriebssysteme kommen Solaris oder Linux in Frage.
Oracle und das iPhone
An der heutigen Veranstaltung von Oracle war auffallend oft von Apples Smartphone iPhone die Rede. Im Grundsatz wolle Oracle in der Business-IT das werden, was Apple heute im Consumer-Bereich sei, lautete der Tenor der meisten Referenten. Der von Apple vorgegebene Grundsatz, die Komplexität zu reduzieren, gelte auch für Oracle. Bei einer Anschaffung müssten sich nicht mehr drei Personen jeweils um Hardware, Software und Storage kümmern. Vielmehr entscheide der CIO oder allenfalls der CFO, welche Komplettlösung bezogen werde. Vorteil: Bei "Incidents" gibt es nur einen Ansprechpartner, nämlich Oracle. Nachteil: Der CIO verliert in seinem Unternehmen zunehmend das Wissen über die Integration verschiedener Komponenten. Er ist – wie eingangs erwähnt – dem Hersteller quasi ausgeliefert. Diesen "Vendor Lock-in" kennt man tatsächlich auch von Apple. (Maurizio Minetti)

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