Orbit-iEX 05: Das Fazit

27. Mai 2005, 15:57
  • sap
  • brack
image

Am Ende der diesjährigen Orbit-iEX in Basel zeigten sich Hardware-Hersteller und Distributoren besonders zufrieden. Softwareanbieter hingegen erlebten eher eine laue Messe – es gibt aber auch Ausnahmen.

Am Ende der diesjährigen Orbit-iEX in Basel zeigten sich Hardware-Hersteller und Distributoren besonders zufrieden. Softwareanbieter hingegen erlebten eher eine laue Messe – es gibt aber auch Ausnahmen.
Die zwei Stockwerke in der Halle 2 des Messegeländes in Basel wurden für die Orbit-iEX thematisch aufgeteilt. Im ersten Stockwerk zeigte man "Software & Business Processes / Internet Services" und im zweiten "Systems & Digital Equipment / Communications". Der grösste Besucherandrang war dort zu verzeichnen, wo es etwas anzufassen gab – also Fernseher, Notebooks, Handys oder Drucker. Konsequenterweise frohlockten am Freitag die Hardware-Aussteller im zweiten Stock in den höchsten Tönen.
Hardwarefreude
Gottardo Pestalozzi von Brack Electronics sprach von einem "sehr positiven Feedback" der Kunden. Man sei selten dazu gekommen, sich auszuruhen. Ständig habe man Produkte erklärt oder Gespräche geführt. Man habe viele Leads mit potentiellen neuen Partnern generieren können und auch der Kontakt mit bestehenden Kunden sei zufriedenstellend gewesen. Die Ressourcen schienen bei Brack ausgeschöpft, denn gemäss Pestalozzi "können wir nicht noch mehr Leute bewältigen." Ein regelrechter Ansturm also.
Der Geschäftsführer von Wyscha Computer, Theo Zulauf, lobte gar den "Halo2-Stand" von PC-Hai gegenüber. Man habe zuerst Wyscha angeboten, eine Halo2-Meisterschaft beim eigenen Stand durchzuführen. Dies wäre aber mit der Kundschaft des Brugger Distributors nicht zu vereinbaren gewesen, sagte Zulauf. Aber grundsätzlich begrüsse er das "Turnschuhpublikum", das zumindest die leeren Ecken der Halle etwas ausfülle.
Die leeren Ecken an der Orbit-iEX sollten gemäss Rosanna Perna, Marketing Manager bei OKI Systems, nächstes Jahr durch weitere Druckerhersteller gefüllt werden. Sie wünsche sich mehr Vielfalt, damit der Kunde auch gleich verschiedene Lösungen anschauen und vergleichen könne. Die vier Tage seien viel zu kurz gewesen. Am liebsten würde Perna noch eine weitere Woche in Basel bleiben.
Gegenüber dem OKI-Stand herrschte auch am Freitag noch reger Andrang bei Konica Minolta. Und wer bei Canon jemanden sprechen wollte, musste entweder eine wichtige Person oder geduldig sein. Wie gewinnbringend die Gespräche waren, vermochten die Distis und Hardware-Hersteller allerdings noch nicht sagen. Die Tatsache, dass überhaupt Kundenkontakte gepflegt wurden, erschien ihnen Grund genug, die diesjährige Orbit-iEX zu loben.
Softwarefrust
Anders erging es hingegen den Anbietern von ERP-Lösungen und Business-Software im unteren Stockwerk. Andreas M. Starlay von Simultan sprach von "Künstlerpech" und meinte damit die zu hohen Temperaturen und den katholischen Feiertag, die seiner Meinung nach viele potentielle Besucher von der Orbit-iEX ferngehalten hätten. Er wolle aber noch nichts über den (Miss-)Erfolg an der Messe sagen, solange man die Leads noch nicht ausgewertet habe. Das zeige sich erst später. Ob überhaupt wichtige Kundenkontakte geknüpft werden konnten, wollte Starlay nicht sagen.
Der ERP-Anbieter Polynorm schlug noch pessimistischere Töne an. Potentielle Kunden habe man fast keine getroffen. Zwei Drittel der Besucher seien bestehende Kunden gewesen, sagte der Stellvertretende CEO Robert Zanzerl. Der Kosten-Nutzen-Faktor sei nicht so wie erwartet. Und dies obwohl Polynorm im oberen Stockwerk bei den gut frequentierten "Hardware-Ausstellern" angesiedelt war. Laut Zanzerl braucht es grössere Publikumsmagnete wie Microsoft oder IBM. Auch Consumer-Angebote wie an der deutschen CeBIT müssten seiner Meinung nach in Basel vertreten sein. Eine reine Business-to-Business Messe könne nicht existieren.
SAP und Norman zufrieden
Aber nicht alle Softwareunternehmen stiessen ins gleiche Horn. Der Marketingleiter von SAP, Hansruedi Kuster, pries das Potential der Orbit-iEX. Der Auftritt von SAP sei dieses Jahr "sensationell" gewesen. Die Orbit-iEX müsse eine reine B2B-Messe bleiben, für andere IT-Messen in der Schweiz gäbe es keinen Platz. Je mehr zusammengeführt würde, desto besser sei das Resultat. Allerdings wird auch SAP nicht ganz auf "normales" Publikum verzichten können. Zumal der angrenzende Migros-Stand, der die RFID-Lösung von SAP vorstellte, vor allem Endkunden ansprach.
Auch der in Basel ansässige Security-Spezialist Norman gab sich zufrieden mit den erzielten Resultaten. Die Vorträge seien ein Publikumsmagnet, sagte Serge Faller. Sein Eindruck sei durchwegs positiv. "Plastiksacktouristen" hingegen brauche es eher weniger als mehr.
Feiertag und Hitze
Einige werteten den Feiertag und die warmen Temperaturen auch als Glücksfall. Studerus Telecom verzeichnete gemäss Gabriela Müller mehr Besucher aus der Innerschweiz und die Tatsache, dass es die "Computer Lausanne" nicht mehr gibt, habe mehr Westschweizer angezogen. Bei SAP freute man sich über einen "grossen" Kunden aus dem Tessin, der extra nach Basel gereist sei. Bei OKI wurden gar Deutsche gesichtet.
Für Derk Steffens von Computerlinks war das Wetter hingegen schlicht "zu gut". Es wäre besser gewesen, es hätte geregnet. Dann hätte man wahrscheinlich mehr Besucher gehabt, sagte Steffens. Fast alle Aussteller erlebten ab den ersten Stunden des Nachmittags einen Publikumsschwund. Möglicherweise muss sich die Messeleitung in Basel überlegen, die Orbit-iEX nur morgens durchzuführen.
Am schönsten wär's halt zu Hause
Was den Standort der Messe angeht, konnte man verschiedene Meinungen hören. In Basel ansässige Unternehmen möchten natürlich nichts am Standort ändern. Andere argumentierten für ihre jeweils eigenen Regionen mit zum Teil fraglichen Argumenten. Andreas M. Starlay von Simultan schlug gar vor, die Messe in Genf durchzuführen. Dies vor allem weil in Basel wie auch in Zürich der Stau ein grosses Problem sei. Zürich als Standort würde hingegen Robert Zanzerl von Polynorm begrüssen. In Zürich bestehe nun mal der grösste ICT-Markt der Schweiz, sagte er. Werde die Orbit-iEX im 2006 unter den gleichen Umständen wie dieses Jahr durchgeführt, sehe er eine Teilnahme als unwahrscheinlich.
Man solle die Messe jedoch nicht totschreiben, bat Rosanna Perna von OKI. Ob Basel oder Zürich spiele doch überhaupt keine Rolle. Die Distanzen seien ja wirklich minim.
Ob die Orbit-iEX nächstes Jahr im gleichen Stil wieder durchgeführt wird, ist im Moment noch nicht zu eruieren. Kritikpunkte gibt es genügend. Fragt sich nur, wie man sich über das gesamte Konzept einer schweizerischen IT-Messe einigen will, wenn bei der Standortauswahl immer noch der "Kantönligeist" herrscht. (Maurizio Minetti)

Loading

Mehr zum Thema

image

Die Entlassungswelle schwappt nach Europa

Bis jetzt haben die Entlassungen bei Big Tech vornehmlich den US-Arbeitsmarkt getroffen. Nun will auch SAP 3000 Jobs streichen und Kosten senken.

publiziert am 26.1.2023
image

Roland Brack baut einen ICT-Campus für 10 Millionen Franken

Bis zu 200 ICT-Talente sollen im Schulungszentrum Platz finden. Das Baugesuch liegt bis zum 7. Februar öffentlich auf.

publiziert am 13.1.2023 2
image

Competec steigert Umsatz erneut

Die Gruppe setzte 2022 1,17 Milliarden Franken um. Zugelegt hat Competec vor allem bei Geschäftskunden.

publiziert am 9.1.2023
image

SAP-Consultant Evora expandiert in die Schweiz

Das deutsche Unternehmen hat eine Schweizer Tochtergesellschaft gegründet. Damit sollen Projekte im Lande einfacher abgewickelt werden können.

publiziert am 4.1.2023