Orbit-iEX 06: Die Branche klemmt und pennt

1. Dezember 2005, 14:57
  • channel
  • microsoft
  • messe
  • cisco
image

Die "heissen" Themen wären da - wenn die Branche mitmachen würde.

Die "heissen" Themen wären da - wenn die Branche mitmachen würde.
Die letztjährige IT- und Internet-Messe Orbit-iEX in Basel war zwar nicht gerade ein Trauerspiel aber sie gab auch kein Abbild der in der Schweiz doch äusserst lebendigen ICT-Industrie ab. Die Zukunft der zentralen IT-Veranstaltung der Schweiz ist unseres Erachtens in Frage gestellt, wenn auch die Ausgabe 2006 so unrepräsentativ wird wie letztes Jahr.
Heute läuft die Frist für Frühbucher-Rabatte ab - Zeit für eine erste Vor-Bilanz. Skepsis gegenüber eine Messeteilnahme herrscht bei den grossen US IT-Multis. So werden Cisco (Hausmesse in Interlaken) und Hewlett-Packard sicher nicht an der Orbit-iEX (16. bis 19. Mai) ausstellen. IBM wird wie gewohnt nur mit einem Partnerstand präsent sein.
Eine Mega-Topsoft mit Beigemüse?
Wie schon letztes Jahr werden hingegen die Hersteller von Business-Software stark vertreten sein. So haben sich unter anderen Abacus, Pro-Concept und SAP für eine Teilnahme entschlossen. Bei SAP diskutiert man zur Zeit noch Grösse und Schwerpunkte des Auftritts im Mai, sagt Marketing-Chef Hansruedi Kuster. "Wir werden uns an den Bedürfnissen von kleinen und mittelgrossen Unternehmen und Branchen orientieren", so Kuster.
Ebenfalls gut vertreten wird die Szene der Hersteller und Integratoren für Dokumenten-Management-Lösungen und Output sein. So hat Canon einen grossen Stand gemietet, Brother und Epson werden dort sein, ebenso wie der Printer- und Kopiererspezialist Schumacher. Gemäss Messeleiter Giancarlo Palmisani wird das Thema "IT Security" auch nicht unter den Tisch fallen. "Security läuft gut", so Palmisani. Auch die Szene der Internet-Architekten wird sich zeigen. Die alten Förderer der Internet-Expo Unic, Namics und Crealogix haben teilweise ihre Präsenz gar vergrössert.
Orbit ohne PCs, Windows und Sun?
Dennoch stellt sich ein schales Gefühl ein: Microsoft wird, wenn überhaupt, höchstens mit Partnern im Bereich "Dynamics" (Navision, Axapta) ausstellen. Bis Ende Woche will man sich in Wallisellen entscheiden, sagt Microsoft-Sprecher Holger Rungwerth. Und vielleicht sieht man auf dem Apple-Gemeinschaftsstand ein Microsoft Office auf irgendeinem Bildschirm...
IT-Infrastruktur wie PCs, Server, Storage wird man wenig sehen. Selbst bei Sun Microsystems, auf der früheren Internet Expo jeweils ein mit-dominierender Aussteller, tut man sich sehr schwer mit einem Entscheid. "Für uns ist die Qualität des Kongresses der Knackpunkt," sagt Sun-Schweiz-Sprecherin Nicole Tanner.
Unser Kommentar
Die Branche verpennt die heissen Themen
Mit dem Umzug der ICT-Messe von Basel nach Zürich und einem neuen Konzept für den Begleitkongress erfüllte die Messe Forderungen von grossen Teilen der Industrie. Trotzdem kommt keine Begeisterung für die Orbit-iEX auf. Waren die früheren Aussagen und Forderungen ("Die Orbit muss nach Zürich und ins Frühjahr") nur ein Alibi, um nicht klar und deutlich Neinsagen zu müssen?
Ohne Microsoft, HP, Cisco und die Telcos kann man den Anspruch, einen gesellschaftlich relevanten Anlass für die Branche auf die Beine zu stellen, vergessen werden. Dabei liegen die Themen geradezu auf der Strasse. Internet-Telefonie beschäftigt alle von der Zurich-Gruppe bis zum Heimanwender. Themen wie Dokumenten-Management, offene Dateiformate, rechtsgültige Speicherung von E-Mails, PKI-Infrastruktur kommen bei Behörden und Firmen auf die Tagesordnung. Massenhaft wird in Lösungen für den mobilen Zugriff auf Daten und Applikationen investiert - das alles soll kein Thema an der einzigen zentralen ICT-Messe der Schweiz sein?
Doch anstatt gemeinsam einen "Hype" zu kreieren und die Aufmerksamkeit der Öffentlichkeit auf die brennenden Technologie-Themata zu richten, schleiken die "Grossen" mit ihre CEOs und Lieblingskunden in die Berge.
Dies scheint uns nicht wirklich eine zukunftsgerichtete Strategie zu sein. (Christoph Hugenschmidt)

Loading

Mehr zum Thema

image

Datenschützer äussern harsche Kritik an Cloud-Entscheiden von Behörden

Die Konferenz der schweizerischen Datenschutzbeauftragten (Privatim) fordert: Kein Freipass für Microsoft 365.

publiziert am 30.9.2022
image

Atos lehnt Übernahmeangebot des Konkurrenten Onepoint ab

Der kriselnde Konzern sollte für seine Cybersecurity-Sparte 4,2 Milliarden Euro erhalten. "Nicht im Interesse der Stakeholder", sagt der Verwaltungsrat.

publiziert am 30.9.2022
image

Vor 39 Jahren: Word 1.0 für MS-DOS erscheint

Im September 1983 brachte das Hause Redmond seine Textverarbeitungs-Software für das Microsoft Disk Operating System, kurz MS-DOS, auf den Markt.

publiziert am 30.9.2022
image

All for One legt Schweizer Töchter zusammen

Die beiden SAP-Dienstleister Process-Partner und ASC werden zu All for One Switzerland.

publiziert am 29.9.2022