Orbit-iEX 07: Das Fazit

25. Mai 2007, 15:52
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Hitze, Feiertage, Öffnungszeiten und andere Hürden für die diesjährige Orbit-iEX.

Hitze, Feiertage, Öffnungszeiten und andere Hürden für die diesjährige Orbit-iEX.
Was machen Schweizer am liebsten, wenn ein Feiertag vor der Türe steht und das Wetter herrlich ist? Genau: Irgendwohin verschwinden wo's schön und gemütlich ist. Aber sicher nicht in eine Messehalle, wo man höchstens von der hartnäckigen Beleuchtung etwas braun wird und einem Schweissperlen auf der Stirn stehen, sobald man die Drehkreuze passiert. Doch diese Woche war es wieder so weit: Einige mussten sich zwingen, andere sind Zwangsoptimisten von Natur aus: Die Schweizer IT-Branche traf sich an der Orbit-iEX in Zürich.
Die Orbit-iEX blieb auch in ihrem zweiten Jahr in Zürich und in ihrer dritten Ausgabe als Fusion von Orbit und iEX das, was sie sein soll: Ein Treffpunkt für die Branche und Anziehungspunkt für IT-Interessierte. Diese kamen, gewiss, doch wie viele? Subjektiv hatten viele unserer Gesprächspartner das Gefühl, dass es eher weniger waren als letztes Jahr - genaueres wird man erst am späten Abend erfahren, wenn die Messeleitung ihre offizielle Mitteilung herausgibt. Und wie war ihre "Qualität", wie das so schön heisst? Ob die Leads gut waren, werden die Aussteller wohl erst in den kommenden Wochen merken.
Zwischen zwei Feiertagen
Einige ganz konkrete Kritikpunkte kamen uns aber doch zu Ohren. Der wichtigste Kritikpunkt dieses Jahr ist der Faktor Timing. Carlo Widmer, Vertriebsdirektor bei Maxdata, erklärt zwar: "Die Orbit-iEX zwischen zwei Feiertagen ist kein Problem für uns, die Messevorbereitung machen wir mit links!" Und auch andere betrachten es nicht als sonderliches Problem, dass die Orbit-iEX zwischen zwei Feiertagen stattfand.
Häufiger waren aber die Stimmen jener, die dies gar nicht goutiert haben: "Sehr schlecht" fände sie das, sagt Christine Heiniger, Marketing Communications Manager Business Wireline & Internet bei Sunrise. "Nicht optimal", tönt es etwa bei Brother, Citrix, Digicomp, Swisscom und Unic Internet Solutions. Selbst der Vertreter der Fritz Schumacher AG, der ansonsten die Orbit-iEX in den höchsten Tönen lobt ("schreiben Sie nichts negatives"), findet es nicht gut, dass die Orbit-iEX zwischen zwei Feiertagen stattfand.
Markus Definti, Leiter Marketing und Geschäftsstelle Basel bei Cyberlink, weist darauf hin, dass man als Aussteller an Auffahrt arbeiten musste, um den Stand aufzubauen. Auch bei Brother heisst es, dass die Vorbereitungen schwieriger waren.
Beim Abbauen des Stands herrscht im Übrigen das gleiche Problem: Das ganze verzögert sich bis Mitte nächster Woche. Diese Probleme erkennt beispielsweise auch Marketing-Mann Sandro Kälin von Abacus. Doch beim IBM-Partner-Stand hat sich jemand informiert: Eine solch "unglückliche" Konstellation von Feiertagen wird es erst 2012 wieder geben.
Doch wieso hat man die Orbit-iEX nicht eine Woche vor Auffahrt durchgeführt, oder nach Pfingsten, oder gar im Herbst? Messeleiter Giancarlo Palmisani klärt auf: "Vom 8. bis 10. Mai fand in Lausanne die Business Software & Services statt, da konnte nicht gleich eine Woche später die Orbit-iEX stattfinden, da viele Orbit-iEX-Aussteller auch in Lausanne präsent waren." Der Juni wäre laut Palmisani auch nicht passend gewesen, da unter anderem die Fachmesse für öffentliche Verwaltungen "Suisse Public" und die Cisco Expo stattfinden. Kurzum: Die gewählte Woche war das "kleinere Übel".
Was den Auf- und Abbau der Stände angeht, betont Palmisani, dass den Ausstellern je ein zusätzlicher Tag beziehungsweise Vormittag zur Verfügung gestellt wurde. Das sei aus finanzieller Sicht auch "nicht optimal" für die Messe-Organisation Exhibit gewesen. Dass die Orbit-iEX im Frühling und in Zürich stattfindet, sei ein ausdrücklicher Wunsch der Aussteller. Doch Exhibit habe sich in der Vergangenheit flexibel gezeigt. Wünsche würden schnell umgesetzt. Ende Juni würden die Auswertungen der Ausstellerbefragungen zeigen, ob sich 2008 etwas ändern wird.
Nix los ab 17 Uhr
Es gibt noch zwei Punkte, die von den Ausstellern angesprochen werden: Die Messedauer und die Öffnungszeiten. Die Meinung, dass man früher schliessen sollte, vertraten sehr viele unserer Gesprächspartner – sicher auch des Wetters wegen. Praktisch alle sagen, dass spätestens um 17 Uhr nichts mehr läuft. Am letzten Messetag – dieses Jahr ein heisser Freitag vor einem verlängerten Wochenende – war schon kurz nach Mittag die Luft draussen.
Beim Distributor Alltron ist man auch der Meinung, dass man früher schliessen könnte, doch es gibt auch die Idee, dafür einen Tag in der Woche sogar noch länger offen zu haben. Eine Art "Abendverkauf" für die Endkunden, mit passender Unterhaltung. Damit hätten B2B-Aussteller am Tag mehr Zeit für Geschäftskunden. Dieser Vorschlag würde vielleicht das ewige Dilemma der Orbit-iEX entschärfen, die sich ja zwischen Business- und People-Messe positioniert. Palmisani sagt, man könne über die Öffnungszeiten diskutieren und erklärt, wie schwierig es ist, es allen recht zu machen: "Vor zwei Jahren haben wir am Freitag um 17 Uhr zugemacht, dann standen um 17.30 Uhr Leute vor der Messehalle und wollten rein."
Nur drei Tage?
Die Orbit-iEX dauert vier Tage. Freitag ist meistens nicht viel los. Also nur noch drei Tage? Viele würden das begrüssen. Für Abacus wäre dies "eine Überlegung wert". Christof Haars, Product Marketing Manager Software Solutions bei Canon, findet auch, dass drei Tage reichen. Sage-Sprecher Marc Ziegler stösst ins gleiche Horn. Bei Unic ist man sogar überzeugt, dass eine Reduzierung auf zwei Tage die nötige Konzentration herbeiführen würde. Bei Swisscom würde man auch am liebsten den Freitag "aufgeben" oder zumindest kürzer machen.
Einige weisen aber auch darauf hin, dass der Aufwand für den Aufbau des Standes sowieso da sei, da lohne es sich vielleicht nicht mehr, wenn die Messe nur noch drei Tage dauern würde. "Drei Tage können reichen", sagt Marco Colonello von Netstream, und meint dann: "Vier sind aber besser." MGA-Chef Lorenz Pfyl findet ebenfalls, dass der Aufwand sowieso da ist, wieso also einen Tag weniger bleiben? Sonja Hufschmid, GL-Assistentin bei Brack Electronics, gehörte zuerst zur 3-Tage-Fraktion, ruft dann
aber den Journalisten am Freitagnachmittag an, um ihm mitzuteilen, dass der Freitag doch hervorragend gelaufen sei, und nun also vier Tage wohl besser seien als drei. Christine Weiherlein, Marketing Managerin bei Citrix, spricht sich auch für vier Tage aus.
Über die Gesamtdauer der Messe lässt sich mit Palmisani wohl weniger diskutieren. Er findet, vier Tage seien in Ordnung für eine solche Messe.
CVP und ein Koreaner
Kritik, Kritik, nur Kritik? Nein, natürlich nicht. Die Zufriedensten scheinen Maxdata ("fast immer Leute am Stand"), Fritz Schumacher AG ("gut wie immer"), Netstream ("VoIP läuft gut") und SAP ("Qualität hervorragend") zu sein. Die Allerglücklichsten sind wohl die Damen und Herren beim Online-Retailer digitec (vielleicht auch weil es dort den ganzen Tag Gratis-Bier gibt). Chief Marketing Officer Martin Walthert sagt, die Orbit-iEX sei "super". Ab 17 Uhr keine Leute mehr? Im Gegenteil. Und damit wäre auch die Frage beantworten, wohin all die Business-Leute nach 17 Uhr hingehen: Wii und PlayStation 3 spielen bei digitec. Walthert bemerkt zudem richtig, dass die jungen Gamer von heute die IT-Entscheidungsträger von morgen sind. Digitec ist das erste Mal an der Orbit-iEX – und wohl auch nicht das letzte Mal.
An der Orbit-iEX muss doch was dran sein, wenn dieses Jahr sogar erstmals eine politische Partei einen Stand aufgestellt hat. CVP-Generalsekretär Reto Nause sagt, die Orbit-iEX habe seine Meinung bestätigt, dass die Schweizer IT-Branche eine sehr innovative Branche ist. Er denkt aber, dass sie zu wenig "politisch vernetzt" ist und auch verbandsmässig "völlig zersplittert".
Und auch von ganz weit her kommen Besucher. In der VIP-Lounge versucht der koreanische Reporter Joshua Shim, an den einzig verfügbaren Internet-Anschluss ranzukommen, um einen ausführlichen Bericht über die Orbit-iEX zu schreiben. Doch dieser war längere Zeit durch einen anderen Reporter besetzt, wie Sie gerade feststellen konnten. (Maurizio Minetti)

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