Outsourcing-Grossdeals werden immer umkämpfter

12. Januar 2006, 18:09
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Gute Zeiten für Outsourcing-Kunden? Der Markt kommt in die Jahre, die Zahl der Vertragserneuerungen nimmt zu und die Konkurrenz zwischen den "Grossen Sechs" und kleineren Konkurrenten nimmt zu.

Bild: Diese zwanzig Outsourcer - fünf mehr als 2004 - haben 2005 je mehr als vier grosse Deals gewonnen. Quelle: TPI
Schon in diesem Jahr war der Anteil an Vertragserneuerungen an Grossdeals im IT- und Business Process-Outsourcinggeschäft so hoch wie noch nie zuvor. Und in den nächsten beiden Jahren wird sich diese Situation gemäss einer Prognose des Sourcing-Consulters TPI noch verschärfen: 2006 stehen nach dieser Schätzung weltweit etwa 150 aktive grosse Outsourcing-Verträge zur Erneuerung an, mit einem bisherigen Gesamtwert von rund 36 Milliarden Euro. 2007 sollen es dann sogar 175 Verträge mit einem gegenwärtigen Volumen von 40 Milliarden Euro sein, die neu verhandelt werden. (TPI berücksichtigt in seiner Analyse Outsourcing-Aufträge ab einem Volumen von 40 Millionen Euro.)
Löwen und andere Raubtiere
Wie die Löwen um ihre Auftragsbestände kämpfen müssen vor allem die "Big Six", die sechs grössten Outsourcer weltweit (Accenture, ACS, CSC, EDS, HP und IBM). Ihr Anteil am Gesamtwert der zur Erneuerung anstehenden Grossverträge ist deutlich höher, als ihr gesamter Marktanteil. Vom Gesamtwert der Verträge, die 2006 verhandelt werden, "gehören" ihnen gemäss TPI gegenwärtig 65 Prozent, 2007 beträgt dieser Anteil sogar 78 Prozent. Zum Vergleich: Der Marktanteil der "Big Six" bei Grossaufträgen betrug in Europa dieses Jahr 37 Prozent.
An den Marktanteilen der "Big Six" knabbern momentan vor allem indische Dienstleister, deren Anteil an Grossdeals 2005 verglichen mit 2005 von einem auf vier Prozent gestiegen ist. Die "Big Five" Europas (T-Systems, Siemens, Atos Origin, British Telecom, Capgemini) hingegen konnten zwar gemäss TPI ihren Anteil an der Zahl der gesamten Outsourcing-Aufträge ab 40 Millionen Euro kräftig steigern (von 18 auf 23 Prozent), ihr Anteil am Gesamtvolumen sank aber leicht (von 35 auf 33 Prozent). Trotzdem dürften sich sowohl die europäischen Grössen wie auch regional starke Player wie Swisscom IT Services darauf vorbereiten, die zur Erneuerung anstehenden Verträge den bisherigen Inhabern nicht kampflos zu überlassen.
Was wollen die Kunden?
Insgesamt wurden 2005 weltweit mehr grosse Outsourcing-Aufträge vergeben, als je zuvor, nämlich 293 gegenüber 269 im bisherigen Rekordjahr 2004. Trotzdem sank ihr Gesamtwert von 62,8 Milliarden Euro 2004 auf 59,9 Milliarden Euro 2005. Das durchschnittliche Vertragsvolumen sank in Europa verglichen mit 2004 von 283 Millionen Euro auf 242 Millionen Euro. Dafür sind einerseits Veränderungen bei der Strukturierung der Aufträge verantwortlich (Es werden öfter Teile der IT einzeln vergeben) andererseits dürfte aber auch der Preisdruck eine grosse Rolle spielen.
Hauptanlass für Neuverhandlungen sind Veränderungen im Volumen oder in der Art der ausgelagerten IT sowie veränderte Business-Bedürfnisse. Und dabei erhoffen sich die Kunden von den neuen Veträgen gemäss TPI neben einer verbesserten Effizient der IT vor allem auch Kostensenkungen. Da ist es logisch, dass sie sich auch eher Mal bei verschiedenen Anbieter umsehen: 70 Prozent der Deals, bei denen TPI als Berater dabei war, waren 2005 umkämpft, 2004 waren es erst 53 Prozent. Noch scheinen die Kunden die Konkurrenten ihrer bisherigen Partner bei Neuverhandlungen vor allem als Druckmittel einzusetzen: 2005 gingen immer noch fast 90 Prozent aller erneuerten Outsourcing-Aufträge an die "Bisherigen". Es ist also immer noch wesentlich leichter, einen bestehenden Outsourcing-Auftrag zu halten, als einen neuen zu gewinnen.
Die angeführten sowie weitere Zahlen und Analysen zum europäischen und globalen Outsourcing-Markt findet man im neusten "TPI Index", der hier kostenlos heruntergeladen werden kann. (Hans Jörg Maron)

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