Outsourcing kann bei Schweizer Banken die IT-Kosten verdoppeln

29. Mai 2018, 13:15
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Eine Umfrage über Kosteneffizienz der Banken-IT thematisiert Avaloq und Finnova und diskutiert Sourcing-Strategien.

Eine Umfrage über Kosteneffizienz der Banken-IT thematisiert Avaloq und Finnova und diskutiert Sourcing-Strategien.
Avaloq oder Finnova? Inhouse oder Outsourcing? Das Beratungshaus Itopia hat die Resultate der jährlichen Umfragen zu Treibern der IT-Kosten von Banken und den Treibern von Effizienz publiziert.
Zum ersten Fazit der Umfrage. Die Kosteneffizienz der IT hängt nicht wirklich von der Kernbanken-Lösung an sich ab. Die Ausgaben für Lizenzen, Implementierung, Betrieb und Wartung addieren sich langfristig zu ähnlichen Summen. Das gelte, ob man Avaloq, Finnova oder andere Lösungen einsetze, so die Studie mit vielen Usern genau dieser Lösungen.
Im Durchschnitt koste die Kernbankenlösung pro Bankmitarbeiter und Jahr 56'500 Franken, wobei die Kosten bei Retailbanken merklich niedriger sind als bei Privatbanken. Hier hat sich das Bild in den letzten Jahren deutlich geändert. Warum ist unklar. Klar ist, dass die IT-Investitionen bei beiden Segementen stiegen.
Wichtiger als der Hersteller der Kernbankenlösung sei in Sachen Kosteneffizienz die Bankenstrategie, die involvierte Community und die an die Kernbankenlösung angebundenen IT-Systeme.
Mythos Outsourcing?
Die zweite Hypothese, welche die Autoren aufstellen, beziehen sich auf das Outsourcing. Allgemein formuliert besagt sie, dass eine hiesige Retail- oder Privatbank nicht vollständig outsourcen sollte. Ob man nur das interne Applikationsmanagement inhouse macht oder gar komplettes IT-Insourcing, es resultieren im allgemeinen bessere Ergebnisse. "Es scheint, dass die IT-Sourcing-Anbieter der meist kleinen und mittleren Banken (noch) nicht in der Lage sind, durch Industrialisierung tatsächlich Skaleneffekte zu schaffen und damit Kosten im Rahmen der grösseren Banken zu erreichen".
Wirklich lohnenswert sei volles Outsourcing nur, wenn man alle SLAs und KPIs mit den Lieferanten auf Effizienz und Effektivität trimme und gut mit diesen verhandle. Ausserdem müsse man in diesem Falle die Philosophie "buy" statt "make" durchziehen.
Die Bank, die das nicht schafft, die muss ordentlich bluten: "Banken mit ineffizientem Outsourcing bezahlen für ihre IT bis zum doppelten Preis bei vergleichbaren Businessvolumen".
Erst nachdenken, regeln, durchrechnen und verhandeln, bevor man sich auf eine Sourcing-Strategie festlegt, heisst dies. Und erst dann weist sich der beste Weg.
Optimal wäre es, wenn man die IT so kosteneffizient gestaltet hat, dass man Geld für Innovationen übrig hat. Das ist laut den Autoren einfacher gesagt, als getan: "Die Innovationskapazität effektiv zu erhöhen, scheint eine zentrale Herausforderung zu sein."
Entsprechend streichen die Autoren heraus, dass die IT- und die Geschäftsstrategie der Bank gut verzahnt sein müssen, dass die Informatiker das Business sehr gut kennen und dass man die Schlüsselelemente der IT-Governance wirklich voll kontrolliere. Nur so könne die Privat- und die Retailbank alles auf IT-Effektivität und -Effizienz ausrichten.
An der diesjährigen IT-Kostenumfrage von Itopia teilgenommen haben 36 Schweizer Banken: 23 Retail-Banken, davon 17 Kantonalbanken sowie 13 Privatbanken. Der Report kann als PDF heruntergeladen werden. (mag)

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