Outsourcing: Megadeals kommen ausser Mode

18. Oktober 2005, 10:34
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Das durchschnittliche Auftragsvolumen sinkt und viele Verträge werden erneuert. Besonders unter Druck sind nächstes Jahr CSC, EDS und IBM.

Das durchschnittliche Auftragsvolumen sinkt und viele Verträge werden erneuert. Besonders unter Druck sind nächstes Jahr CSC, EDS und IBM.
Gemäss einer Schätzung des US-Unternehmensberaters Technology Partners International (TPI) wird die Zahl der weltweit abgeschlossenen grossen Outsourcing-Verträge mit einem Wert von 50 oder mehr Millionen Dollar im IT-Bereich dieses Jahr verglichen mit dem letzten Jahr zwar leicht zunehmen. Ihr Gesamtwert dürfte aber 10 bis 15 Prozent unter dem des letzten Jahrs liegen. Damals wurden Outsourcing-Grossaufträge im Wert von rund 71,8 Milliarden Dollar vergeben.
Das durchschnittliche Auftragsvolumen der bisher vergebenen Grossaufträge erreichte dieses Jahr bisher erst 229 Millionen Dollar, während es letztes Jahr noch bei 313 Millionen Dollar lag.
TPI berät einerseits Kunden bei Outsourcing- und Offshoring-Projekten und andererseits die Anbieter selbst. Die Schätzung, die TPI in seinem Outsourcing-Quartalsindex macht, beruht einerseits auf den bisher in diesem jahr abgeschlossenen Verträgen und andererseits auf den Projekten, die sich noch in der Pipeline von TPI und anderen Unternehmen befinden.
Zäsur
Während das Gesamtvolumen der Outsourcing-Grossaufträge in den letzten drei Jahren relativ stabil blieb, scheint es dieses Jahr eine Zäsur zu geben. Besonders deutlich ist der Rückgang bei den Megadeals mit einem Wert von über einer Milliarde Dollar. In den ersten drei Quartalen dieses Jahres wurden weltweit noch acht solche Verträge abgeschlossen. Im gleichen Zeitraum im Vorjahr waren es 13 und 2003 sogar noch 18.
Nochmals festzuhalten gilt es hier, dass TPI nur Grossdeals mit einem Wert von je mindestens 50 Millionen Dollar in seinen Index mit einbezieht. Der Rückgang in diesem Sektor bedeutet also nicht, dass der gesamte Outsourcing-Markt schrumpft.
TPI identifiziert drei Hauptgründe dafür, dass die Grossaufträge kleiner werden. Einerseits sinkt die Bewertung der IT-Infrastruktur, welche von den Dienstleistern im Rahmen eines Outsourcing-Projektes übernommen wird und zweitens steigt der Anteil von Offshoring innerhalb von Outsourcing-Projekten, was die Kosten sinken lässt.
Deutlich weniger grosse BPO-Deals
Und drittens besteht heutzutage bei den Kunden eine Tendenz dazu, Projekte aufzuteilen – manchmal auch unter verschiedenen Anbietern – und Veträge für einzelne IT-Prozesse abzuschliessen. Dies ist aber nicht zu verwechseln mit Business Process Outsourcing (BPO), der Auslagerung ganzer Geschäftsprozesse, zum Beispiel des Personalwesens, inklusive der dazugehörigen IT. Im Gegenteil, gerade der Bereich BPO ist gemäss TPI stark unter Druck und zu einem grossen Teil für den Rückgang des Gesamtvolumens bei Grossaufträgen verantwortlich. Von diesem Gesamtvolumen stammen zum Beispiel dieses Jahr nur noch 24 Prozent aus dem Bereich BPO, während der Anteil des klassischen IT-Outsourcings verglichen mit dem letzten Jahr wieder von 66 auf 76 Prozent gestiegen ist.
Das Jahr der Verhandlungen
Die sinkenden Volumen von neuen Outsourcing-Aufträgen führen auch bei Kunden mit bestehenden oder ablaufenden Veträgen zum Wunsch, diese Bedingungen neu auszuhandeln. Bisher wurden in diesem Jahr bereits Verträge im Wert von 12,3 Millionen Dollar neu ausgehandelt, was 28 Prozent des Gesamtvolumens entspricht. Letztes Jahr betrug dieser Anteil nur 11,2 Prozent.
2006 stehen nun gemäss TPI 128 Verträge mit einem Gesamtwert von rund 42 Milliarden Dollar neu zur Disposition – der Anteil der Erneuerungen am Gesamtvolumen im Bereich der Grossdeals dürften also nächstes Jahr 50 Prozent deutlich übersteigen. Besonders stark beschäftigt werden dürften nächstes Jahr die Key-Accounter von CSC, EDS und IBM. Diesen drei grossen internationalen IT-Dienstleistern "gehören" bisher 70 Prozent des Auftragswerts der ablaufenden Verträge.
Das bedeutet aber nicht automatisch, dass die grössten globalen Anbieter Marktanteile einbüssen werden. Dieses Jahr haben die globalen "Big Six" (Accenture, ACS, CSC, EDS, HP und IBM) anteilsmässig zwar etwas weniger Grossaufträge für sich gewinnen können wie letztes Jahr. Ihr Anteil am gesamten Auftragswert stieg aber trotzdem, von 45 auf 51 Prozent. Die "grossen Fünf" Dienstleister mit europäischen Wurzeln (Atos Origin, BT, Capgemini, Siemens Business Services und T-Systems) auf der anderen Seite konnten zwar ihren Anteil an der Zahl der Aufträge von 12 auf 17 Prozent steigern, ihr Anteil am Wert sank aber trotzdem um 4 auf 20 Prozent. (Hans Jörg Maron)

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