Papier und Bleistift statt PCs an Schweizer Schulen?

6. November 2007, 12:47
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Die 'Neue Zürcher Zeitung' ortet in ihrer heutigen Ausgabe "unerfüllbare Illusionen" bei der Initiative "Schule im Netz".

Die 'Neue Zürcher Zeitung' ortet in ihrer heutigen Ausgabe "unerfüllbare Illusionen" bei der Initiative "Schule im Netz". Die Initiative von Bund, Kantonen und Privatwirtschaft zur Integration von ICT an den öffentlichen Schulen wurde vor wenigen Wochen nach fünf Jahren abgeschlossen. Alle Beteiligten bezeichneten es als Erfolg, dass nun über 95 Prozent der 5309 Schulgebäude ans Internet angeschlossen sind und die Zahl der Lernenden pro Schul-PC auf 8 reduziert werden konnte.
Die 'NZZ' stellt nun grundsätzlich in Frage, ob viele Computer und Internet-Anschlüsse in der Schule überhaupt förderlich sind. Der pädagogische Wert der neuen Technologie sei nicht über jeden Zweifel erhaben. Schliesslich gebe es bis heute keine Untersuchungen, die den positiven Einfluss von ICT auf die Leistung der Schüler nachweisen könnten. Skepsis am Nutzen von ICT für Pisa-relevante Kriterien wie Lesen, Schreiben und Rechnen sei durchaus angebracht, wie es sich am Beispiel der USA zeige. Laut einem Bericht der 'New York Times' bereiten dort Unterhaltskosten und Missbräuche Kopfzerbrechen. Zudem wird beklagt, dass man selbst nach Jahren kaum Lernerfolge habe feststellen können. Einige Schulen seien aufgrund solcher Erwägungen sogar wieder ganz davon abgekommen, ICT im Unterricht zu nutzen, und setzen wieder auf Papier und Bleistift.
Dass weitere Investitionen im Bereich Wartung und Erneuerung der Anlagen notwendig sind, ist wohl allen Beteiligten klar. Doch problematisch ist die Tatsache, dass die Schulen bei der Anschaffung von Soft- und Hardware in Eigenregie handeln, wodurch kaum gemeindeübergreifende Synergien genutzt werden können. Wie die 'NZZ' schreibt, ist gemäss Schätzungen der Bildungsdirektion des Kantons Zürich pro Computer jährlich mit mindestens 300 Franken zu rechnen. Zudem stellt sich die Frage, wer in Zukunft für den zeitraubenden Unterhalt der neu angeschafften Mittel zuständig sein soll, zumal entsprechende Fachleute fehlen. Manch ein Budget müsse wahrscheinlich nach oben korrigiert werden, urteilt die Zeitung. (mim)

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