"Papierloses Parlament" im Wallis

7. Februar 2013, 10:51
  • e-government
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Im Wallis wird eine Open-Source-Suchmaschine eigens für den Grossen Rat entwickelt. Weitere Kantone zeigen bereits Interesse daran.

Im Wallis wird eine Open-Source-Suchmaschine eigens für den Grossen Rat entwickelt. Weitere Kantone zeigen bereits Interesse daran.
E-Government in der Schweiz ist keine einfache Geschichte. Der Föderalismus bremsen die Behörden immer wieder aus. Auf leisen Sohlen schleicht sich nun aber der Grosse Rat (Legislative) im Kanton Wallis zum Paradebeispiel des E-Governments. Seit 2010 bastelt der Kanton Wallis eifrig am Projekt "Papierloses Parlament". Für die Umsetzung wurde bis Ende 2013 ein Budget von einer Million Franken gut geheissen, wie der Informatik-Leiter des Grossen Rates, Daniel Petitjean, gegenüber inside-it.ch erklärt.
Die Steuerungsgruppe "Papierloses Parlament" arbeitet nach der Scrum-Methode. Das erste Projekt, das Einreichen von parlamentarischen Vorstösse auf elektronischem Weg, wurde bereits Ende 2010 ermöglicht. Auch die Gesetzesanpassungen und Budgetplanungen können bereits online abgewickelt werden. Die Einführung dieser Abwicklungen werden aber laut Petitjean erst ab März 2013 erfolgen, da dann die Abgeordneten im Grossen Rat neu gewählt werden.
Intelligente Suchmaschine à la Valais
Das Herzstück des Projekts ist eine intelligente Suchmaschine. Die Steuerungsgruppe erarbeitet zusammen mit der Forschungsstelle für künstliche Intelligenz (Idiap) eine Software, die mit automatischer Stimmerkennung die Debatten im Rat aufnehmen, und fortlaufend transkribieren soll. Das Ziel ist, dass die Software in der ersten Session 2014 vollumfänglich eingesetzt werden kann, erklärt der Informatik-Leiter und zuständiger für dieses Projekt Petitjean. Ausserdem soll es möglich sein, die audio-visuellen Daten und Textdaten automatisch zu indexieren.
Die Suchmaschine wurde bereits mit frühen Debatten von verschiedenen Parlamenten gefüttert. Zudem mussten die Abgeordneten zum Sprachtest. Problematisch werde es aber bei Rednern, die zwischen den Sprachen wechseln und den verschiedenen Dialekten. Die Erkennungsrate liegt laut Petitjean bei 81 Prozent.
Es gibt auch bereits Interessenten für diese Software. Wie Petitjean zu inside-it.ch sagt, haben Bundesgericht und Parlamentsdienste aus anderen Kantonen (Neuenburg, Waadt, Graubunden,Tessin) ihr Interesse an dem neuen Programm angemeldet. Und vielleicht sollte sich das auch der Ständerat überlegen, um allfällige Verwirrungen beim Stimmen zählen, wie Anfangs Dezember 2012 der Fall war, zu verhindern.
Kostensenken mit Open Source
Das Gesamtbudget für die Umsetzung des "Papierlosen Parlaments" liegt bei einer Million Franken. Laut Petitjean wird das Projekt bis Ende Jahr gesamthaft jedoch nur 750'000 Franken brauchen, davon fallen 150'000 Franken auf die Suchmaschine. Möglich sei das gewesen, da vor allem mit Fachhochschulen und Universiäten zusammengearbeitet wurde. Somit konnten sie "echte" Projekte erarbeiten, und der Kanton Wallis kosten senken. Ausserdem werde zum grössten Teil Open Source eingesetzt.
Aber auch die Anzahl der Nutzer sei entscheidend, gesteht Petitjean ein. Im Grossen Rat von Wallis sind nur 260 Abgeordnete. (Linda von Burg)

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