Paraplegiker-Zentrum: Microsoft-Projekt scheiterte

3. Oktober 2011, 12:01
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Ein 2007 begonnenes und 7 Millionen Franken teures Software-Projekt wurde bereits Ende 2010 gestoppt, wie erst jetzt bekannt wird. Das Geld sei aber nur teilweise verloren. Die künftige Rolle von Microsoft bleibt unklar.

Ein 2007 begonnenes und 7 Millionen Franken teures Software-Projekt wurde bereits Ende 2010 gestoppt, wie erst jetzt bekannt wird. Das Geld sei aber nur teilweise verloren. Die künftige Rolle von Microsoft bleibt unklar.
Die Zeitung 'Zentralschweiz am Sonntag' berichtete gestern über ein "Informatik-Fiasko", welches das bekannte Schweizer Paraplegiker-Zentrum (SPZ) schädige. Offenbar wurden bei dem Software-Projekt mehrere Millionen Franken in den Sand gesetzt. Die Führung des SPZ im luzernischen Nottwil habe "keine Konfektionsware ab Stange", sondern eine massgeschneiderte Lösung gewollt, berichtet die Zeitung. Doch auf diese warte man in Nottwil bis heute.
Das Projekt stammt aus dem Jahr 2007 und wurde vom Verwaltungsrat bereits Ende 2010 gestoppt. Ziel war es, eine auf die speziellen Bedürfnisse abgestimmte Software mit externen Partnern zu entwickeln. Die Software unter dem Projektnamen "Integratives Dokumentations-System" (IDS) sollte gemäss 'Zentralschweiz am Sonntag' den sogenannten Patientenpfad umfassen. Das heisst, vom Zeitpunkt des Eintritts in die Klinik bis zur lebenslangen Begleitung des Patienten hätte die Software die unterschiedlichsten Arbeitsabläufe unterstützen müssen.
Das Projekt erwies sich als zu komplex – der Projektleiter musste gehen. Laut dem Zeitungsbericht hat das Projekt 8 Millionen Franken verschlungen. SPZ-Sprecherin Agnes Jenowein spricht von 7 Millionen und erklärt, dass ein beträchtlicher Anteil dieser Kosten als Investition in die Weiterentwicklung der bestehenden Prozesse zu betrachten und damit nicht verloren sei. Die Vorarbeiten würden bereits heute Kosteneinsparungen von mehreren hunderttausend Franken pro Jahr einbringen. Warum wurde die Notbremse nicht schon früher gezogen? "Informatik-Projekte, welche die Neuentwicklung einer Software beinhalten, sind erst dann wirklich beurteilbar, wenn der erste Teil des Programms erstellt und im Echteinsatz prüfbar ist", so die Sprecherin gegenüber 'Zentralschweiz am Sonntag'.
Microsoft als Hauptpartner
Technische Hintergründe zum Projekt konnte Jenowein auf Anfrage von inside-it.ch heute noch nicht nennen. Man findet im Web eine Website (Seite 38) findet man entsprechende Informationen.
IDS sei eine vollständige medizinische Informations- und Führungslösung. "In IDS wird nicht mehr wie in den bekannten klinischen Informations-Systemen funktionsorientiert dokumentiert, sondern prozessorientiert. IDS integriert medizinische Fachsysteme, beseitigt unnötige Redundanzen und reduziert die Heterogenität der Systeme", ist da unter anderem zu lesen. Eine Alphaversion von IDS wurde seit Juli 2010 einem ersten praktischen Test unterzogen.
Auf der eigenen Homepage hat Microsoft zudem eine Präsentation vom Microsoft Healthcare Forum 2010 aufgeschaltet (PDF). Darin findet man unter anderem den Hinweis, dass die Produkte Silverlight 4, Microsoft BizTalk Server, Microsoft FAST ESP, Office SharePoint Server und Windows Active Directory Federation Services 2.0 angewendet wurden. Unklar bleibt, ob Microsoft immer noch Hauptpartner des Projekts ist. (Maurizio Minetti)

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