Parlament in Freiburg verlangt 11'000 IT-Geräte für Schulen

16. September 2020, 12:06
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Der Kantonsregierung war die Anschaffung zu teuer. Nun wird sie verpflichtet, alle Schülerinnen und Schüler der Oberstufen mit einem IT-Gerät auszustatten.

Im September 2019 hatten die Freiburger Grossräte Urs Perler (CSP) und Daniel Bürdel (CVP) eine Motion mit dem Titel "Alle Schülerinnen und Schüler der Sekundarschulen werden mit einem persönlichen IT- Gerät ausgestattet" eingereicht.
Die beiden Parlamentarier und ihre Mitunterzeichner schrieben darin: "Nur mit einer zukunftsgerichteten Infrastruktur können die Schulen im Kanton Freiburg den Anforderungen der Digitalisierung gerecht werden. Digitale Geräte können den Schulunterricht dann am besten unterstützen, wenn sie allen Schulbeteiligten jederzeit und persönlich zur Verfügung stehen."
Die Antwort der Freiburger Kantonsregierung vom Februar 2020 begann mit der Einleitung: "Die zunehmende Digitalisierung hat die Gesellschaft nachhaltig verändert; dieser Wandel dauert an und wird noch lange weitergehen. Der Staatsrat ist sich dessen sehr bewusst und hat diese Thematik bereits vor mehreren Jahren vorausschauend aufgegriffen."

Regierung rechnet mit Kosten von über 16 Millionen Franken

Die Bereitstellung eines persönlichen Gerätes für alle Schülerinnen und Schüler der Oberstufe würde aber sowohl für den Kanton als auch für die Gemeinden erhebliche zusätzliche Kosten mit sich bringen, so der Staatsrat weiter. Für 11'126 Schülerinnen und Schüler gehe er unabhängig vom Gerätetyp von Kosten von rund 16 Millionen Franken zulasten des Kantons und 2,5 Millionen zulasten der Gemeinden für die ersten vier Jahre der Einführung aus. Für die Erneuerung des Informatikbestands müsste jährlich ein weiterer Betrag von rund 4 Millionen Franken zur Verfügung gestellt werden.
Die Kantonsregierung empfahl deshalb dem Parlament die Ablehnung der Motion. Der zuständige Erziehungsdirektor Jean-Pierre Siggen (CVP) betonte gemäss 'Freiburger Nachrichten' (Paywall) bei der Sitzung des Parlaments gestern Mittwoch, 15. September 2020, dass die Zeit noch nicht reif für eine solche Anschaffung sei. Medien und Informatik seien bereits im Deutschschweizer Lehrplan 21 vorgesehen, der Westschweizer Lehrplan sei aber noch nicht bereit dafür. Zuerst müsse die Umsetzung der beiden Lehrpläne klar sein, dann brauche es ein entsprechendes Konzept und die Schulung der Lehrkräfte. "Die Beschaffung von IT-Geräten kann nicht isoliert behandelt werden, es ist nur ein Teil der Digitalisierung", erklärte Siggen.

Gerätebeschaffung wird deutlich angenommen

Motionär Urs Perler hatte sich laut 'Freiburger Nachrichten' ob der Antwort des Staatsrats enttäuscht gezeigt: "Es ist schade, dass der Staatsrat nur von Problemen statt von Lösungen spricht. Es geht nicht darum, die schulische Umgebung umzukrempeln und die Bücher aus dem Unterricht zu verbannen. Aber die Informatik schafft neue Kompetenzen, fördert die Kreativität und baut Skills auf."
Und das Parlament folgte seiner Begründung: Mit 54 gegen 28 Stimmen bei 13 Enthaltungen wurde die Motion angenommen. Nun sollen alle Schülerinnen und Schüler der Oberstufen 9H bis 11H ein persönliches IT-Gerät erhalten.

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