Partner rebellieren gegen Intels Ultrabook-Diktat

20. September 2011, 09:36
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Immer bereit, extrem schlank und langatmig, sollen Ultrabooks als Antwort auf Apples iPad nach Vorgabe von Intel unter 1000 Dollar kosten. Bei den CPUs langt der Chipriese aber mit bis zu über 300 Dollar das Stück kräftig zu. Taiwans Hersteller beginnen, dagegen Sturm zu laufen.

Immer bereit, extrem schlank und langatmig, sollen Ultrabooks als Antwort auf Apples iPad nach Vorgabe von Intel unter 1000 Dollar kosten. Bei den CPUs langt der Chipriese aber mit bis zu über 300 Dollar das Stück kräftig zu. Taiwans Hersteller beginnen, dagegen Sturm zu laufen.
Acers Taiwan-Präsident Scott Lin hat Intel laut 'Digitimes' gewarnt, dass die Preisvorgabe von unter 1000 Dollar für Ultrabooks ohne CPU-Preissenkungen kaum zu erreichen sei. Markenhersteller könnten sich daher versucht sehen, günstigere Prozessoren und andere Komponenten zu verbauen, was aber auch zur Folge hätte, dass die Systemleistung sinkt und damit auch die Bereitschaft der Kunden, solche Geräte zu kaufen.
Ray Chen, Präsident des zweitgrössten Notebook-ODM-Herstellers Compal Electronics, wies darauf hin, dass Intels hohe CPU-Preise das eigene Ziel torpedieren würden, 2012 im Consumer-Segment auf einen Ultrabook-Anteil von 40 Prozent zu kommen. Dieses Ziel entspricht auch dem Intels für Ultrabooks. Sollten die Geräte sich nicht in dem gewünschten Masse verkaufen, während Apple weiter auf der Profitwelle schwimme, müsste sich die Wintel-Allianz (aus Windows und Intel zusammengesetztes Kunstwort) etwas Neues überlegen.
Wie es aus Industriekreisen heisst, sind bei Ultrabooks die CPU und das Betriebssystem die grössten Kostenblöcke, gefolgt von dem LCD-Panel und dem Festkörperspeicher SSD. Wie 'Digitimes' an anderer Stelle berichtet hat, verdienen die Notebook-Auftragsfertiger (ODMs) an einem Ultrabook nur etwa die Hälfte der 10 bis 20 Dollar für ein traditionelles Notebook. Das liegt unter anderem an dem geringen Mengen- oder Skaleneffekt für die neuartigen und hochwertigen Komponenten, was es den Markenanbietern noch schwerer macht, deren Preise zu drücken, stattdessen setzen sie den Preishebel bei den ODM-Partnern an.
Was die Ultrabooks in der Produktion so teuer macht, ist die vorgegebene Bautiefe von weniger als 0,8 Zoll (etwa 20,3 mm). Das dafür erforderte Magnesium-Aluminium-Metallgehäuse soll fünf bis sieben Mal teurer sein als ein herkömmliches Plastikchassis, die Lochscharniere drei bis fünf Mal so. Das hat natürlich Auswirkungen auf die Profitabilität der ODMs. Die ist wegen der Schuldenkrise und sinkenden Nachfrage in Europa und Nordamerika ohnehin schon schwer in Mitleidenschaft gezogen worden. Compal musste Ende August gerade das Jahresziel für Notebook-Lieferungen von ursprünglich an die 49 Millionen auf 42 Millionen Stück kräftig nach unten schrauben. (Klaus Hauptfleisch)

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