PC-Hersteller "tricksen" für XP - aber nicht in der Schweiz

8. Mai 2008, 15:57
image

In den USA bieten HP und Dell PCs mit vorinstalliertem XP auch weit über die Jahresmitte hinaus an. In der Schweiz müssen sich die Kunden der grossen Hersteller - ausser bei FSC - mit Recovery-CDs begnügen.

In den USA bieten HP und Dell PCs mit vorinstalliertem XP auch weit über die Jahresmitte hinaus an. In der Schweiz müssen sich die Kunden der grossen Hersteller - ausser bei FSC - mit Recovery-CDs begnügen.
Eigentlich sollten Systemhersteller gemäss den Anweisungen von Microsoft nach dem 30. Juni 2008, zumindest für Kunden ohne Volumenlizenzen, keine PCs mit normal vorinstalliertem Windows XP mehr ausliefern. Danach dürfen sie noch bis 31.1. 2009, bei Vista Business und Ultimate, neben den Vista-Medien auch XP-Recovery-CDs beilegen. So ein XP-Downgrade per Recovery-CD ist aber, wie inside-it.ch selbst festellen konnte, nicht ohne Tücken und kann deutlich länger dauern, als eine normale Installation.
In den USA nützen aber zumindest HP und Dell eine Microsoft'sche "Gesetzeslücke" aus, um auch nach der Jahresmitte noch PCs mit vorinstallierten XP anbieten zu können. Von den anderen grossen PC-Anbietern, so Presseberichte, überlegt sich zumindest Lenovo ähnliche Massnahmen.
"Vista Bonus"
In den Lizenzbestimmung von Windows Vista Business und Ultimate (nicht bei den anderen Versionen) ist für die Kunden ein "Downgrade"-Recht auf Windows XP Professional enthalten. Dell und HP nehmen nun, wenn Kunden dies bei der Bestellung wünschen, den "Downgrade" gleich selbst in der Fabrik vor - sprich, der PC wird mit vorinstalliertem XP-Image ausgeliefert, und die Medien für XP und Vista beigelegt. Bei HP nennt sich dies "Custom Factory Downgrade", bei Dell muss der Kunde bei der Internet-Bestellung eine Option anklicken, die sich neckischerweise "Genuine Windows Vista Business Bonus" nennt (siehe Bild).
Der springende Punkt ist also eine sprachliche Nuance: Als Kunde darf man eben nicht mehr XP wünschen, sondern muss ausdrücklich einen "Vista-Downgrade" bestellen.
HP will den "Factory Downgrade" gemäss Medienberichten bis mindestens Ende Juli des nächsten Jahres anbieten. Dell nennt auf seiner diesbezüglichen Informationsseite kein offizielles Zeitlimit. Gerüchtemässig heisst es aber, dass in internen Mails davon die Rede sei, das man dies noch mehrere Jahre lang so handhaben könnte.
In CH: XP-CDs noch bis Anfang 2009
Was Dell und HP in den USA praktizieren, sollte auch hierzulande möglich sein - so könnte man annehmen. Inside-it.ch erkundigte sich bei den fünf wichtigsten Herstellern in der Schweiz nach diesbezüglichen Plänen. Zumindest nach dem gegenwärtigen Stand der Dinge scheinen sie hierzulande aber keine "Vor-Downgrades" anbieten zu wollen.
In der Schweiz wird es nach Auskunft von HP keine "Factory Downgrades" geben. Nach dem 30.6. werden bei Business-Desktops von HP die Windows XP Professional-CDs noch bis Ende Januar 2009 im Lieferumfang enthalten sein. Bei für Business-Kunden konzipierten Notebooks sind bei der Lieferung keine Betriebssystem-Medien enthalten, man kann sie aber kostenlos über eine Hotline bestellen.
Acer Schweiz erklärte uns, dass man daran interessiert sei, seinen Geschäftskunden nach Möglichkeit auch nach dem 30. Juni die Option zwischen den Betriebssystemen Windows Vista und Windows XP zu geben. Die Planung sehe aber bisher nur vor, noch für die Dauer der zweiten Jahreshälfte eine Downgrade-CD mitzuliefern. Immerhin: Das definitive Vorgehen sei weder ausgearbeitet noch entschieden.
Gemäss Lenovo Schweiz werden alle ab Lager verfügbaren ThinkPad Notebooks (die sogenannten Lenovo TopSeller) mit Microsoft Windows Vista Business oder Ultimate noch bis Ende 2008 mit einer kostenlosen Windows XP Recovery CD ausgeliefert werden.
Den grössten Konfort für XP-Downgrader scheint uns Fujtsu Siemens Computers zu bieten. FSC liefert bis Ende Januar 2009 Business PCs auf Kundenwunsch mit einer "TwinLoad XP"-DVD (XP-Professional-Image inkl. systemspezifischer
Treiber) aus. Eine TwinLoad-DVD sei nicht das gleiche, wie eine Recovery-CD, so erklärte uns Stefan Heier, Product Manager Volume Products bei Fujitsu Siemens. Wenn man beim ersten Systemstart die DVD einlege, sei der zeitliche Unterschied zwischen der XP-Pro-Installation vom Image auf der DVD und einer Vista-Installation vom Image auf der Festplatte vernachlässigbar.
Und Dell? Dell Schweiz war auch innerhalb von zehn Tagen nicht in der Lage, uns irgendeine Information auf unsere Anfrage hin zu liefern. Hat Dell einfach byzantinische Komunikationswege, oder möchte man dort die Konkurrenz überraschen? (Hans Jörg Maron)

Loading

Mehr zum Thema

image

Arbeiten in der virtuellen Welt ist anstrengend

Wie fühlt es sich an, eine Woche lang in der virtuellen Welt zu arbeiten? Eine Studie zeigt, nicht sehr gut, aber vielleicht gewöhnt man sich (ein bisschen) daran.

publiziert am 23.6.2022
image

Lenovo eröffnet erstes Werk in Europa

Der chinesische Hersteller hat seine erste Produktionsstätte in Europa eröffnet. Darin sollen Geräte für die Emea-Kundschaft gefertigt werden.

publiziert am 14.6.2022
image

Das (noch nicht ganz definitive) Ende des Internet Explorers

Der Browser wird zwar nicht mehr von allen Betriebssystemen unterstützt, aber für Unternehmen sollen manche Funktionen noch bis 2029 bestehen bleiben.

publiziert am 13.6.2022
image

HP testet Papierlieferung und plant weitere Services

Im Rahmen eines Pilotprojekts prüft HP, ob sich Kundinnen und Kunden mit einem Tintenabo für einen Papierlieferservice begeistern können. Der Konzern will damit Umsatzverluste ausgleichen.

publiziert am 10.6.2022