PC-Virtualisierungstechnologien im Clinch

8. Februar 2008, 16:26
  • rechenzentrum
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Klassische "Terminal Services" vs. "Virtual Hosted Desktop" vs. "Blade PC" vs. "OS + Application Streaming": Momentan hat im Markt noch keine der konkurrierenden Technologien für "virtuelle Business-PCs" die Nase vorn.

Klassische "Terminal Services" vs. "Virtual Hosted Desktop" vs. "Blade PC" vs. "OS + Application Streaming": Momentan hat im Markt noch keine der konkurrierenden Technologien für "virtuelle Business-PCs" die Nase vorn.
Das bevorstehende Ende des individuellen, "fetten" Business-Computers am Arbeitsplatz jedes einzelnen Mitarbeiters und dessen Verlegung "ins Netz" beziehungsweise ins Rechenzentrum wird schon seit Jahren vorhergesagt. (Manche halten sogar das Entstehen des "persönlichen Computers" in den 80er-Jahren für einen "Irrtum der Geschichte").
Heute sorgt das Aufkommen verschiedener Virtualisierungskonzepte dafür, dass das Ende des PCs deutlich näher gerückt scheint: Immer mehr Unternehmen interessieren sich für das Thema des "virtuellen PCs" und planen zumindest Tests. Die Grundidee ist immer die gleiche: Betreuung, Verwaltung und Support für die Massen von dezentralen PCs und vor allem der darauf laufenden Software ist, trotz immer raffinierter werdender Softwaretools, eine aufwändige Sache.
Im Prinzip müsste die Verwaltung der Clients, wenn sie zentral im Rechenzentrum betrieben werden und Mitarbeitende nur noch übers Netz darauf zugreifen, wesentlich effizienter und damit kostengünstiger sein. Vorteile sollte es beispielsweise beim Softwaremanagement (Patches, Lizenzen und vieles mehr) und Datenmanagement sowie bei Security, Datensicherheit und Support geben. Und die Mitarbeiter könnten von überall her auf ihren Arbeitsplatz zugreifen.
Nun gibt es aber unter dem Stichwort "Desktop-Virtualisierung" mehrere unterschiedliche neuere Technologien mit verschiedenen Vor- und Nachteilen. Der Hype um Desktop-Virtualisierung hat auch die "klassischen" Technologien auf dem Gebiet, die "Teminal Services" à la Citrix Presentation Server oder Microsoft Terminal Server wieder vermehrt ins Gespräch gebracht.
Citrix und Terminal Server weit verbreitet
Gemäss einer jüngst von Intel in Auftrag gegebenen internationalen Studie ist die ältere Terminal-Services-Technologie naturgemäss am besten bekannt und weitesten verbreitet. Fast alle der befragten IT-Verantwortlichen von grösseren Unternehmen (96 Prozent) wissen, dass sie existiert und 84 Prozent kennen sie recht gut. Zumindest für bestimmte Zwecke im Einsatz ist sie bei 64 Prozent der Befragten. Allerdings wollen nur gerade zusätzliche 2 Prozent Terminal Services in den nächsten zwei Jahren noch neu einführen. Das entspricht einer Wachstumsrate von 3 Prozent.
Die neueren Technologien weisen demgegenüber wesentlich höhere Wachstumsraten auf. Allerdings hat keine von ihnen die Nase wirklich vorne - ein klarer Gewinner zeichnet sich nicht ab. "OS + Application Streaming" ist bei 15 Prozent der Befragten im Einsatz und damit die noch am wenigsten verbreitete Technologie, mit 27 Prozent hat sie aber die grösste Wachstumsrate. Die gleiche Wachstumsrate prognostiziert die Studie für Blade PCs, die gegenwärtig bei 26 Prozent der befragten Unternehmen im Einsatz sind. Application Streaming findet man bei 30 Prozent der Befragten und gehostete virtuelle Desktops gibt es bei 39 Prozent. Für beide Technologien beträgt die prognostizierte Wachstumsrate für die nächsten zwei Jahre rund 20 Prozent. Die neuen Desktop-Virtualisierungskonzepte bergen offensichtlich ein grosses Potential für IT-Dienstleister und Berater.
Die unterschiedlichen Konzepte
Beim "Blade PC"-Konzept läuft der PC selbst im Rechenzentrum, beziehungsweise er steckt dort in einem Chassis in einem Rack. Vorteil: Der User hat immer noch seinen "eigenen" PC, dessen Hard- und Software aber zentral gewartet werden kann. Die Rechenpower muss nicht geteilt werden und bei Bedarf können über Virtualisierungstechnologien zeitweise zusätzliche Blades hinzugeschaltet werden. Nachteil: Die Hardwarekosten sind nicht unbedingt tief und man kann hardwaremässig an einen Hersteller gebunden werden.
Beim "Virtual Hosted Desktop" dagegen existiert der "Business-PC" nur noch als System-Image, das als virtuelle Maschine auf einem Server betrieben wird, dessen Hardware-Ressourcen von mehreren virtuellen PCs geteilt werden. Der User benutzt aber zumindest softwaremässig, im Prinzip immer noch einen individuellen Arbeitsplatz. Die Technologie ist daher Hardware-hungriger, aber flexibler als das "Terminal Services"-Konzept, bei dem auf dem Server eine einheitliche PC-Umgebung aufgesetzt wird, die von den Usern geteilt wird.
Ob nun vom Arbeitsplatz aus, von zu Hause oder unterwegs, bei allen drei Technologien greift der User über das Netzwerk und ein Remote Desktop-Protokoll auf "seine" Arbeitsoberfläche zu, und der Löwenanteil der Rechenarbeit findet auf einem PC-Blade oder einem Server im Rechenzentrum statt. Für den Zugriff können daher neben beliebigen Desktops oder Laptops auch abgespeckte Thin Clients oder schwächlichere Mobilgeräte benutzt werden.
Anders ist das beim "OS + Application Streaming" beziehungsweise beim reinen "Application Streaming". Beides sind sehr ähnliche Technologien. Der Softwarecode eines Betriebssystems und/oder Applikationspakets wird nach dem Login auf den Computer des Users "gestreamt" beziehungsweise geladen (aber nicht offiziell "installiert"). Der Code wird dann nicht auf dem Server sondern auf dem Client ausgeführt. Die Streaming-Software sorgt dafür, dass Applikationen auch benutzt werden können, wenn sich noch nicht vollständig auf dem Client sind. Das Streaming führt typischerweise zu einer grossen Traffic-Spitze nach dem Login, während danach die Netzwerkbelastung gering ausfällt.
Was sich zuerst nach einer grossen Bandbreitenverschwendung anhört, hat den Vorteil, dass die Ansprüche an die Server-Hardware geringer sind, dass es keine CPU-Ressourcenkonflikte zwischen den Anwendern gibt, und diese trotzdem immer mit einer ganz "frischen" Kopie der zentral gewarteten Software arbeiten. Je nach Einstellungen und der verwendeten Technologie kann man es den Usern auch ermöglichen, Offline zu arbeiten, was bei den anderen Technologien nicht möglich ist. Ausserdem versichern die Hersteller, dass Application Streaming heute auch über weniger schnelle Netzwerkverbindungen möglich sei. Auf der anderen Seite kann es zu Softwarekonflikten mit anderen Applikationen auf dem Client kommen und dieser muss selbst genügend leistungsfähig sein. (Hans Jörg Maron)

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