"People Ready": Microsoft als Verteidiger des Individuums?

17. März 2006, 14:32
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Etwas "Back-to the roots", Anti-IBM-Rhetorik und eine 500 Millionen-Dollar schwere Marketing-Kampagne von Microsoft.

Etwas "Back-to the roots", Anti-IBM-Rhetorik und eine 500 Millionen-Dollar schwere Marketing-Kampagne von Microsoft.
Dieses Jahr wird ein entscheidendes Jahr für Microsoft. In Laufe des Jahres werden die Leute um Bill Gates und Steve Ballmer eine grosse Zahl von auf den Markt werfen. Im Zentrum stehen dabei – neben neuen Kommunikationslösungen rund um Exchange – die rund zwei Jahre verspäteten neuen Versionen von Windows und Office, die Ende Jahr auf den Markt kommen sollen.
Durch die Verspätung hat sich Microsoft ein Problem eingehandelt: Windows und Office sind klassische Client-Lösungen. In den letzten zwei Jahren haben sich konkurrierende Produkte und Konzepte in den Köpfen der potentiellen Kunden viel stärker als valable Alternativen etabliert, als noch vor zwei Jahren. OpenOffice hat mit einer neuen Version den funktionellen Rückstand vermindert. KMUs zeigen Interesse an webbasierten Angeboten und bei Grossunternehmen locken serverzentrierte Arbeitsplatzkonzepte wie IBMs Workplace. Eine Mehrheit der Betriebe wird wahrscheinlich sowieso erst in zwei bis drei Jahren an einen Umstieg auf die neuen Microsoft-Produkte in Betracht ziehen – bis dann werden die Alternativen noch stärker sein.
Die Alternativen haben eines gemeinsam: Sie sind eine direkte Konkurrenz zu Office und senken gleichzeitig die Ansprüche an Client-Betriebssysteme.
Und auch wenn Microsoft nun selber auf den "Software als Internet-Service"-Zug aufspringen will, die Umsätze daraus sind erst in einigen Jahren zu erwarten. Vorerst gilt es, das zu verkaufen, was man hat.
Kein Wunder also, dass Microsoft alles tut, um Windows Vista und Office 2007 trotzdem den Weg zu pflastern. Schon im Vorfeld will Microsoft 500 Millionen Dollar für eine Marketing-Kampagne unter dem Slogan "People Ready" ausgeben, die vor allem Unternehmenskunden den Mund wässrig machen soll, wie Microsoft-CEO Steve Ballmer gestern an einer Rede vor Businessleuten ankündigte.
Wenn es um die Konkurrenz ging, richtete Ballmer seine Spitzen, dem eher aus Grossunternehmen stammenden Publikum angemessen, dabei vor allem gegen IBM. "Big Blue" ist nicht nur Anbieter von Konkurrenzsoftware, sondern beeinflusst als Berater auch sehr stark, was Kunden kaufen. Microsoft, so Ballmers Fazit, stelle die Endanwender ins Zentrum, IBM seine Consulter. "Wir reden darüber, die Menschen im Business jeden Tag produktiver zu machen. IBM redet von Projekten."
"Empowerment" vs. "Weniger ist mehr"
Mit Windows und Office ist Microsoft gross geworden. Ballmer betonte in seiner Rede, dass auch die neuen Produkte in der traditionellen Philosophie Microsofts verwurzelt seien: "In vielerlei Hinsicht leben wir immer noch von der Kernvision von Bill Gates und Paul Allen, nämlich der Idee von 'Empowerment' der Enduser."
"Empowerment" ist die Idee, dem Anwender der Programme möglichst mächtige Werkzeuge in die Hand zu geben, um ihm zu ermöglichen, seinen Job produktiver – und womöglich auch kreativer – zu erledigen, was letztendlich wieder dem Unternehmen zu gute kommen soll. Dies ist die Wurzel der Tendenz Microsofts, möglichst viele Features in seine Programme zu packen und dies wiederum ist ein Argument, um den Preis zu rechtfertigen.
Zu viele Möglichkeiten und hübsche Features, so argumentieren Microsoft-Kritiker dagegen, bergen auch die Gefahr, dass sich der Anwender verzettelt, und eher unproduktiver wird.
Sowohl übers Internet bezogene Software (denken sie zum Beispiel an Webmail) als auch auf dem Server betriebene Arbeitsplätze sind dagegen verglichen mit Microsofts Client-Lösungen nüchterner und eingeschränkter in den Features sowie in den Möglichkeiten, sie individuell anzupassen, dafür sollen sie an sich billiger und auch kostengünstiger zu verwalten sein. OpenOffice, inzwischen fast so umfangreich wie Microsofts Office, liegt da noch etwas zwischen Stuhl und Bank – und ist dafür in der Anschaffung ganz gratis. (Hans Jörg Maron)

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