"Permanentes" BPM: Bedeutung steigt, Umsetzung noch schwach

6. September 2012, 05:33
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Vor allem die Finanzbranche investiert laut einer Studie im deutschsprachigen Raum in BPM-Software. Die Industrie ist deutlich zurückhaltender.

Vor allem die Finanzbranche investiert laut einer Studie im deutschsprachigen Raum in BPM-Software. Die Industrie ist deutlich zurückhaltender.
Business Process Management (BPM), die Optimierung von Prozessen, um sie effizienter, schneller und fehlerfreier zu machen, ist ein Anliegen sehr vieler Unternehmen, von KMU bis zu Grosskonzernen. Während man bisher oft vor allem einen Prozess nach dem anderen in einzelnen Abteilungen optimierte, wird nun immer mehr eine permanente und abteilungsübergreifende Prozessoptimierung zum Ziel. In einer aktuellen Umfrage von BearingPoint unter Verantwortlichen von rund 60 Unternehmen im deutschsprachigen Raum bezeichneten 71 Prozent diese, von BearingPoint "nachhaltig" genannte Art von BPM , als wichtiges oder sehr wichtiges Thema für ihr Unternehmen.
Auch dort, wo nachhaltiges BPM noch nicht so weit oben auf der Dringlichkeitsliste steht, dürfte sich dies bald ändern. 98 Prozent der Umfrageteilnehmer glauben, dass nachhaltiges BPM 2015 wichtig oder sehr wichtig für ihr Unternehmen sein wird.
58 Prozent gaben an, bereits "nachhaltiges" BPM zu betreiben. Sehr beeindruckt von ihren bisherigen Erfolgen scheinen sie aber nicht zu sein. 74 Prozent davon erklärten, dass der Umsetzungsgrad bei ihnen noch gering oder sehr gering sei. Die Unzufriedenheit zeigt sich auch bei bisherigen Einzelprojekten, obwohl diese anscheinend messbare Erfolge brachten: 72 Prozent bestätigten kürzere Prozesslaufzeiten, 68 Prozent tiefere Kosten, 67 Prozent tiefere Fehlerquoten und 50 Prozent eine höhere Genauigkeit von Prognosen. Trotzdem zeigten sich 50 Prozent der Umfrageteilnehmer wenig zufrieden oder sogar unzufrieden mit den bisher erreichten messbaren Vorteilen.
Die grosse Komplexität der Projekte und der hohe Anteil an Change Management war der am häufigsten genannte Schwierigkeit bei BPM-Einführungen (87 Prozent), gefolgt von nicht vorhandenen ganzheitlichen Ansätzen (78 Prozent), mangelnder Unterstützung durch das Management (78 Prozent), zu geringen Personalressourcen (73 Prozent) und unklaren Rollenverteilungen (73 Prozent). Ebenfalls jeweils mehr als die Hälfte kämpfen mit mangelnder Akzeptanz der Projekte, fehlender Erfahrung, dem Konfliktpotential bei abteilungsübergreifenden Prozessen oder dem hohen Einführungs- und Trainingsaufwand, wenn BPM-Software implementiert wurde.
BPM-Software kein Allheilmittel
BPM-Projekte sind im Grunde Organisations- und keine IT-Projekte, sie sind aber mehrheitlich auch mit Anpassungen der IT verbunden. Ein gutes Zusammenspiel von IT- und Fachabteilungen ist daher auch einer der Knackpunkte für ihren Erfolg. Der Einsatz von spezialisierter BPM-Software ist aber keineswegs der Allgemeinfall. Von den befragten Industrieunternmehmen haben erst 34 Prozent BPM-Software eingeführt, 6 Prozent planen eine Anschaffung in den nächsten Monaten. Deutlich höher ist dagegen die Nachfrage nach BPM-Tools bei den Befragten aus der Finanzindustrie: 44 Prozent der Finanzunternehmen haben bereits BPM-Software, 17 Prozent planen baldige Investitionen.
Dass BPM-Projekte oft ohne spezielle BPM-Softwaretools durchgeführt werden, wertet BearingPoint als Zeichen für die mangelnde Professionalität mancher BPM-Projekte. Die grössten Probleme dürften aber trotzdem nicht mit dem Einsatz- oder Nicht-Einsatz von BPM-Software zusammenhängen. "Ein erfolgreiches Business Process Management erfordert starken Support des Managements sowie eine Ausrichtung an die Strategie und das Geschäftsmodell eines Unternehmens", kommentiert Patrick Mäder, Partner bei BearingPoint. "Basierend auf unseren Erfahrungen fehlt es mit Blick auf das gesamte Unternehmen oftmals an der unternehmensübergreifenden Prozessorientierung, und diese Siloorientierung ist auch in den Studienantworten zu erkennen." (Hans Jörg Maron)

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