Personal Finance Management: Vom Hype zum Durchbruch?

22. November 2013, 13:35
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In der Schweiz hat sich noch kein Anbieter von Personal Finance Management durchgesetzt. Der Zürcher Startup Contovista will das ändern.

In der Schweiz hat sich noch kein Anbieter von Personal Finance Management durchgesetzt. Der Zürcher Startup Contovista will das ändern.
Personal Finance Management (PFM) steht seit etwa zwei Jahren auf der Agenda der Banken. Darunter versteht man Tools für Privatpersonen und KMU, die dabei helfen, ein Budget zu führen und Finanztransaktionen im Überblick zu behalten. Aus dem Banken-Umfeld ist zu hören, der Hype um PFM erinnere an jenen um E-Banking-Apps für Smartphones vor rund drei Jahren: Erst waren die Banken skeptisch, danach wollten alle eine App - und möglichst auch mit Zahlungsfunktion. Für die Banken sind solche Dienste wichtig, weil sie damit dem Kunden signalisieren: Wir sind innovativ und bieten einen Mehrwert.
Von der Banking-IT zum Startup
Vor diesem Hintergrund sieht sich ein Zürcher Jungunternehmen gut positioniert, den Schweizer Markt für PFM-Lösungen aufzumischen: Contovista. Das Unternehmen mit Sitz in Schlieren wurde erst dieses Jahr unter dem Namen Vista Financial Services gegründet, das Produkt hiess anfänglich Bancavista. Seit Ende September heissen Firma und Produkt Contovista.
Gründer sind Gian Reto à Porta (Foto links), der als CEO fungiert, und CTO Nicolas Cepeda (rechts). Die beiden haben sich während dem Studium an der Universität Zürich kennengelernt und in den letzten Jahren im Banking- und IT-Umfeld gearbeitet, zuletzt gemeinsam beim Bankensoftware-Dienstleister Solution Providers.
Contovista soll dem Nutzer eine klare Übersicht über Zahlungen und Einkünfte bieten. Man sieht in Echtzeit, wofür man wie viel Geld ausgibt. Die Transaktionen können kategorisiert und analysiert werden. Das Produkt kann vor Ort installiert oder als Software as a Service (SaaS) genutzt werden. Bei der SaaS-Variante fallen die Betriebskosten weg, da das Produkt direkt über das Web genutzt wird. Die Gründer versichern, dass der Dienst dieselben Sicherheitsstandards wie Banken-Applikationen biete: Die Daten lagern verschlüsselt in einem Schweizer Rechenzentrum, das die Anforderungen der Finanzmarktaufsicht (Finma) für Outsourcing von Bankdienstleistungen erfülle. Contovista befindet sich mittlerweile seit vier Monaten in der Betaphase.
Viele Anbieter
Contovista ist allerdings im Markt für PFM nicht allein. In den USA gibt es einige etablierte PFM-Anbieter wie zum Beispiel Mint.com, doch PFM ist in der Regel ein lokales Business. Das Geschäft mit PFM steht und fällt mit der Bereitschaft lokaler Banken, mit dem Anbieter zu kooperieren. Hierzulande konnte sich noch niemand klar durchsetzen - das Rennen ist in vollem Gang.
Ein weiterer Schweizer Anbieter ist zum Beispiel Numbrs. Allerdings konzentriert sich dieser Startup zurzeit auf den deutschen Markt. Der Hersteller von E-Banking-Software Crealogix ging bereits vor zwei Jahren eine Partnerschaft mit dem skandinavischen PFM-Anbieter Meniga ein.
Myke Näf, Thomas Dübendorfer und Luzius Meisser an Bord
Ein Zeichen, dass Contovista reichlich Potenzial hat, ist die Liste der Investoren, die sich am Startup beteiligt haben: Darunter befinden sich bekannte Namen wie Doodle-Gründer Myke Näf, Spontacts-Gründer und Security-Spezialist Thomas Dübendorfer sowie Wuala-Gründer Luzius Meisser. Privat engagiert sich auch Christoph Erb als Berater. Ihn kennt man als Chief Customer Officer des Lenzburger Bankensoftware-Herstellers Finnova.
Anfänglich sollte Contovista direkt auf den Markt gebracht werden. Doch ohne Schnittstellenvereinbarung mit den Banken war es für die ersten Beta-Nutzer mühsam, die verschiedenen Konti zu integrieren. Nun wird das PFM-Tool den Finanzdienstleistern als "white label" angeboten, damit sie es in ihr E-Banking integrieren können.
"Interessierte Firmen können Contovista-Module in wenigen Wochen als 'Proof of Concept' in ein bestehendes Portal integrieren. Bei zwei Finanzinstituten haben wir mit der Integration unseres Services begonnen", sagt à Porta. Namen nennt er allerdings keine.
Erst gegen Ende des kommenden Jahres soll - falls alles nach Plan läuft - eine eigenständige B2C-Plattform aufgebaut werden. "Zurzeit geht es darum, Contovista bei den Banken zu positionieren", sagt à Porta. Geld verdienen wollen die Jungunternehmer mit Lizenzverträgen mit den Banken. Geplant sei, dass erste Banken das Produkt im ersten Quartal 2014 auf den Markt bringen. (Maurizio Minetti)

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