Petition will digitale Archivierung vereinfachen

30. August 2021, 13:35
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Zur vollständigen Digitalisierung der KMU-Buchhaltung sollen Hindernisse beseitigt und der digitale Archivierungsprozess vereinfacht werden.

Wer sich fragt, wieso selbst digitalaffine KMU ihre Buchhaltung noch immer in Papierform führen, stösst rasch auf die Geschäftsbücherverordnung (GeBüV). "Nur ganz wenige KMU sind finanziell, organisatorisch oder technisch in der Lage, den Archivierungsprozess digital nach den hohen Anforderungen der GeBüV zu betreiben", schreibt Thomas Brändle.
Das soll sich ändern, fordert der Gründer des Buchhaltungs-Software-Spezialisten Run my Accounts in einer soeben lancierten Petition.
Darin wird gefordert, dass die GeBüV einer Revision unterzogen werden soll, damit KMU ihre Unterlagen "ohne digitale Signatur oder ähnlichen Verfahren auf veränderbaren Datenträgern" aufbewahren können. Ist der Nachweis der Korrektheit des Beleges erbracht, soll eine digitale Signatur von Belegen oder der Einsatz ähnlicher Verfahren freiwillig sein. Vielmehr "sollen digital empfangene Rechnungen und sonstige Belege problemlos und ohne komplizierten Umweg auf einem handelsüblichen Speichermedium oder in der Cloud archiviert werden können", heisst es in der Petition.
Wer GeBüV-konform auf handelsüblichen Speichermedien archivieren wolle, müsse "komplizierte und nicht KMU taugliche Verfahren" wählen, seine Belege mit einer digitalen Signatur und einem Zeitstempel versehen, schiebt Brändle nach. Weitverbreitete KMU-Buchhaltungs-Software wie Banana oder auch Sage50 verfügten selber nicht über die fürs GeBüV-konforme Speichern nötige Scan-Lösung mit dem entsprechenden Datenmanagement. Das Verfahren dafür aufzugleisen, "ist für die meisten KMU zu teuer, zu komplex und zu riskant. Die Umsetzung kostet mehrere zehntausend Franken."
Brändle resümiert denn auch, dass die heutige GeBüV die Digitalisierung der Buchhaltung verhindert. "Der Umweg über ein Papier ist heute nicht mehr zeitgemäss und er steht einer effizienteren Arbeitsweise im Weg", schreibt er. Dabei könnten digitale Belege automatisch und zeitnah bearbeitet werden, was nicht nur die Administrationskosten reduziere und die finanzielle Transparenz von Unternehmen verbessere, sondern auch den Papierverbrauch verringere und die Umwelt schone.

Politik ist schon an Bord

In einem kurzen Telefonat erklärt Brändle, dass seine vor 2 Tagen gestartete Petition hier Abhilfe schaffen will. Er habe bereits erste Unterstützer gefunden und gut 90 Unterschriften gesammelt.  Auch wenn er die Petition allein einreichen könnte, will Brändle seinem Anliegen Nachdruck verleihen, indem er weitere Unterstützer der Petition unter anderem bei den KMU-Verbände an Bord holt.
Interessant ist, dass die Politik offen für das Anliegen Brändles zu sein scheint. Er habe schon mit Politikern verschiedener Parteien gesprochen und Nationalräte hätten ihm zugesagt, sein Anliegen mit einer Motion in der kommenden Session zu unterstützen.

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