Pferdefuss? Swisscom legt Preis für Bitstrom-Zugang fest

2. Juni 2009, 15:45
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Realisierung ab November 2009: Erste Reaktionen von Swisscom-Konkurrenten/-Kunden.

Realisierung aber erst im November 2009: Erste Reaktionen von Swisscom-Konkurrenten/-Kunden.
Swisscom macht sich daran, eine alte Forderung der Konkurrenten – und eine Entscheidung des Bundesverwaltungsgerichts aus diesem Februar - zu erfüllen und ihnen einen entbündelten Zugang zu den Hausanschlüssen der Kunden auf Bistrom-Ebene anzubieten. Der Bitstrom-Access (BSA) soll 11,40 Franken pro Monat und Anschluss kosten und Providern ab dem November dieses Jahres angeboten werden. Swisscom muss diesen Zugang vier Jahre lang gewähren.
Andere Telcos und Internet-Provider können den Bitstrom-Zugang mieten, um ihren Kunden eigene Breitband-Internetanschlüsse anzubieten. BSA ist eine Alternative zu den bisherigen DSL-"Wholesale"-Anschlüssen, welche Swisscom Providern zum Wiederverkauf anbietet einerseits, und voll entbündelten Anschlüssen andererseits, die auch Telefonieangebote erlauben. Letztere sind die Art von Anschlüssen, für welche die ComCom den Preis im letzten Herbst auf 18,18 Franken festgelegt hat.
Für voll entbündelte Anschlüsse müssen Provider einiges Geld investieren, um eigene Hardware in die Telefonzentralen zu stellen. Bitstream-Access ist deutlich weniger investitionsintensiv, da dies nicht notwendig ist. Im Gegensatz zum traditionellen DSL-Wholesale-Anschluss, wo der IP-Traffic an wenigen Interkonnektionspunkten vom Swisscom- auf ihr eigenes Netz übergeleitet wurde, müssen Provider aber beim BSA den Traffic an jedem einzelnen Point-of-Presence (POP) "einsammeln", wo sie Kunden haben.
Erste Reaktionen gemischt
Der nun festgelegte BSA-Preis liegt gemäss Swisscom im Vergleich mit anderen europäischen Ländern "im Mittelfeld". Die Swisscom hat ihn nach der LRIC-Methode ("Long Run Incremental Cost") berechnet, die bestehende Investitionen schützen und auch einen Anreiz für Neuinvestitionen bieten solle. Dies enspricht den Vorgaben des Fernmeldegesetzes, die Berechnungsmethode wurde aber von der Konkurrenz immer wieder kritisiert.
Wird es also auch beim Bitstrom-Zugang einen langwierigen Streit um den Preis geben, den zuletzt die ComCom entscheidet, wie zuletzt bei den entbündelten Anschlüssen? Noch dürften die meisten Swisscom-Konkurrenten damit beschäftigt sein, das Angebot zu prüfen und ihre Reaktionen vorzubereiten. Kleinere Provider scheinen aber vorsichtig erfreut. Bei VTX hat man die Swisscom-Ankündigung, zumindest nach dem ersten Blick darauf, positiv aufgenommen. Noch habe man keine Zeit für eine tiefgreifende Analyse gehabt, so Managing Director Peter Preuss zu inside-it.ch, aber nach dem "ersten Gefühl" finde man das Angebot "recht günstig."
Und sehr ähnlich reagiert Cyberlink-Chef Ramón Amat: "Wir sind eigentlich fast ein bisschen überrascht über diesen Preis. Auf den ersten Blick scheint er recht günstig und könnte uns einige Vorteile an gewissen Standorten bringen. Aber nun müssen wir uns erst für eine genauere Analyse hinsetzen um zu schauen, ob nicht doch irgendwo ein 'Pferdefuss' versteckt ist."
Zu teuer und vor allem viel zu spät, meint Sunrise
Ganz anders tönt es bei Sunrise, dem zweitgrössten Schweizer Telekommunikationsunternehmen. Sunrise-Sprecher Dominique Reber kritisiert im Gespräch mit inside-it.ch einerseits den Preis, der zu nahe am bisherigen ADSL-Wholesale liege, um Dynamik in den Markt zu bringen, vor allem aber das Timing. Der Bitstrom-Zugang, so Reber, hätte Swisscom-Konkurrenten gemäss der urpsrünglichen Absicht eigentlich eine Übergangsphase und Anreize zu späteren Investitionen in die volle Entbündelung bieten sollen. "Es kann doch nicht sein, dass der Bitstrom-Zugang nun erst deutlich nach der vollen Entbündelung eingeführt wird. Das ist eine klare Missachtung der Absichten des Parlaments." Sunrise wird Ende Jahr, wenn BSA eingeführt wird, bereits 80 Prozent der Anschlüsse voll entbündelt haben.
Die Gesetzeslage habe es Swisscom erlaubt, die BSA-Einführung viel zu lange hinauszuzögern. Der Vorgang sollte, so Reber, vor allem als Anlass genommen werden, nun möglichst schnell das Fernmeldegesetz zu ändern. Dies betreffe insbesondere die darin vorgsehene "Ex-Post"-Regulierung (Der Regulator kann nicht selbst aktiv werden, sondern nur auf Gesuch hin) sowie die LRIC-Berechnungsmethode für den Preis für entbündelte Infrastruktur. (Hans Jörg Maron)

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