Plattform-Ökonomie: Ist das Amigos-Aus eine Massen­entlassung?

17. Dezember 2019, 16:14
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Ende November wurde bekannt, dass Migros die Social-Shopping-Plattform "Amigos" einstellt wird.

Ende November wurde bekannt, dass Migros die Social-Shopping-Plattform "Amigos" einstellt wird. Zu Entlassungen beim Detailhändler kam es dadurch nicht. "Es verliert niemand seine Stelle und es muss sich niemand neu orientieren, Amigos ist ein internes Projekt", so ein Sprecher damals. Aber wie sieht es mit den "Amigos", den Lieferanten aus, die für ihre Tätigkeiten entschädigt wurden?
Einem Bericht der 'SonntagsZeitung' zufolge ist diese Frage noch nicht abschliessend geklärt. Denn der Kurierdienst für Amigos werde bei Migros als unselbstständige Tätigkeit eingestuft, wie Marita Ebneter, Geschäftsleiterin der Ausgleichskasse der Migros-Betriebe, zur Zeitung sagt. Der Detailhändler müsse über seine Ausgleichskasse, die nur für die eigenen Angestellten zuständig sei, die Lohnbeiträge aller Amigos-Lieferanten abrechnen, wenn sie das verlangen würden.
Damit würden die "Amigos" nicht als Selbstständige sondern als Angestellte behandelt werden, findet die Gewerkschaft Unia. "Wenn die Migros einen sauberen Schnitt machen will, muss sie den Lieferanten im Nachhinein anständige Löhne bezahlen und sie für ihre Auslagen wie genutzte Fahrzeuge entschädigen", wird Philipp Zimmermann von der Gewerkschaft, zitiert. Da es sich bei den Amigos um Angestellte handle, bedeute das Ende des Dienstes ausserdem eine Massenentlassung, fügt er an.
Ähnlich sieht dies offenbar das Amt für Wirtschaft und Arbeit des Kantons Zürich (AWA). Das Amt habe die Gewerkschaft in einem Brief informiert, dass man die Migros auf die Meldepflicht bezüglich Massenentlassungen gemäss Obligationenrecht aufmerksam gemacht habe, so der Bericht.
Auf Anfrage von inside-it.ch wollte dies das AWA nicht bestätigen, da man zu konkreten Betrieben aus Datenschutzgründen keine Stellung nehme. "Erfahren wir als Arbeitsmarktbehörde von einer möglichen Massenentlassung, informieren wir den Arbeitgeber über die Anzeigepflicht", sagt uns AWA-Medienverantwortliche Irene Tschopp.
Einen Vergleich mit Uber lehnte die Migros ab, da Migros keine Kommissionsgebühr einnahm und den sozialen Gedanken der Nachbarschaftshilfe im Vordergrund sah. "Wir sind zum Schluss gekommen, dass das Modell Amigos so nicht funktioniert. Aspekte wie soziale Sicherung und Höhe der Entschädigung wurden nicht gebührend berücksichtigt. Das war ein Versäumnis", sagt ein Migros Sprecher.
Die Frage "selbstständig vs. angestellt" ist bei Plattform-basierten Modellen nicht abschliessend beantwortet. "Der arbeitsrechtliche Status der Personen, die ihre Arbeit auf diese Weise vermittelt bekommen, ist nach wie vor nicht geklärt, d.h. es gibt noch kein letztinstanzliches Urteil" fügt Tschopp an.
Eine ähnliche Frage beschäftigt derzeit den Kanton Genf. Das dortige Arbeitsdepartement hat Anfang November entschieden, dass der Fahrdienst Uber ein Arbeitgeber ist und somit verpflichtet, Fahrer regulär anzustellen sowie die üblichen Sozialleistungen zu bezahlen. (kjo)

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