Politisches Hickhack um Roaming-Gebühren

13. März 2013, 11:42
  • telco
  • swisscom
  • deutschland
  • nationalrat
image

Nationalrat will, der Ständerat nicht: Höchsttarife fürs Telefonieren und Surfen im Ausland.

Nationalrat will, der Ständerat nicht: Höchsttarife fürs Telefonieren und Surfen im Ausland.
Das Handy im Ausland zu benutzen, bringt oft ein unschönes Erwachen beim Eintreffen der Rechnung mit sich. Und obwohl die Roaming-Gebühren im letzten Jahr gesenkt. Nun hat der Nationalrat den zu hohen Gebühren den Kampf angesagt: Er stimmte gestern einer Motion des ehemaligen Nationalrats Thomas Fuchs mit grosser Mehrheit zu. Der Vorstoss verlangt vom Bundesrat, verbindliche Höchsttarife für ein- und abgehende Anrufe und SMS im Ausland festzulegen.
Die Ständeratskommission hat diese Motion allerdings vor wenigen Wochen zur Ablehnung empfohlen. Sie ist der Auffassung, dass den raschen Entwicklungen von neuen Technologien und Preismodellen mit Höchsttarifen nicht gebührend Rechnung getragen wird. Die Kommission möchte den Bundesrat stattdessen auffordern, bis Ende 2014 über die Entwicklung der Roaming-Gebühren Bericht zu erstatten. Ein entsprechendes Postulat hiess sie einstimmig gut. Der Bericht soll zeigen, ob Handlungsbedarf besteht und was gegen eine Angleichung der Schweizer Roaming-Tarife an jene der EU spricht.
Diskussion obsolet wegen technischen Erneuerungen?
In der EU zahlen Konsumenten für eine Minute telefonieren maximal 36 Rappen. Ein Megabyte (MB) kostet höchstens 86 Rappen, ab dem 1. Juli dieses Jahres sogar nur noch 55 Rappen. Der Grund sind die von der EU festgelegten Höchsttarife fürs Telefonieren und Surfen mit dem Handy. Laut "Kassensturz" sind die Margen der Schweizer Telefonanbieter deutlich höher als von EU-Gesellschaften. Eine Minute in Deutschland telefonieren kostet die Schweizer Bürger je nach Anbieter zwischen 75 Rappen bis 1.80 Franken. EU-Bürger bezahlen 36 Rappen.
Für Swisscom wäre eine Höchstgrenze trotzdem nicht nötig. Wie Pressesprecherin Annina Merk gegenüber "Kassensturz" erklärt, seien die Preise in den letzten Jahren immer weiter gefallen. Ausserdem werde es bald technische Erneuerungen geben, die es ermöglichen werden, zu lokalen Tarifen zu surfen, ohne die SIM-Karte zu wechseln. Telefonieren werde man vorläufig aber noch zu den gegeben Roaming-Tarifen müssen. (lvb)

Loading

Mehr zum Thema

image

Cyberangriff auf Adesso Deutschland

Kriminelle haben Systeme kompromittiert und Daten kopiert. Kundendaten sind laut dem IT-Dienstleister nicht abgeflossen.

publiziert am 2.2.2023
image

Talkeasy Schweiz wird liquidiert

Am 14. Dezember 2022 wurde Talkeasy aufgelöst. Der Schweizer Telco war für seine aggressive Kundenbindung bekannt.

publiziert am 27.1.2023
image

Infoguard eröffnet Standort in Deutschland

Die Schweizer Cybersecurity-Firma lässt sich nun auch in München nieder. Die Nachfrage sei in Deutschland stark gewachsen, erklärt das Unternehmen die Expansionspläne.

publiziert am 24.1.2023
image

Wohneigentümer können sich wieder Priorität im Glasfaser­ausbau erkaufen

Über zwei Jahre lang nahm Swisscom keine Glasfaser­bestellungen von Eigenheim­besitzern entgegen. Das ist seit dem 1. Januar wieder anders.

publiziert am 17.1.2023