PostFinance: "Mit dem Handy einkaufen" vorerst abgeblasen

26. Juni 2006, 11:59
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Aufs falsche Pferd gesetzt…. An Ladenkassen per Handy bezahlen wird man nun wohl erst in einigen Jahren können.

Aufs falsche Pferd gesetzt…. An Ladenkassen per Handy bezahlen wird man nun wohl erst in einigen Jahren können.
PostFinance, die Banking-Tochter der Post, wird das im letzten Frühling mit einigem Trara angekündigte mobile Payment-System – die Zukunft, so glaubt PostFinance nun, gehöre aber in diesem Bereich der RFID-Technologie (Das Handy würde dabei über einen RFID-Chip kontakt- und drahtlos mit der Kasse kommunizieren – für den Anwender sicher die bequemere Technologie.)
Wieviel die Tests mit der Matrixcode-Technologie, die nun aufgegeben wird, gekostet haben, will PostFinance nicht verraten. Inside-it.ch nimmt an, dass es sich dabei um einen beträchtlichen Betrag gehandelt hat. "Alles Investitionen in die Zukunft", kommentierte dies allerdings Mediensprecher Marc Andrey gegenüber inside-it.ch. "Davon, dass das Geld in den Sand gesetzt wurde, kann keine Rede sein. Die Investitionen haben uns dabei geholfen zu verstehen, in welche Richtung wir in Zukunft gehen müssen."
Erfolgreicher Test, aber falsche Technologie
Technisch gesehen, so Andrey, sei der Feldtest ein Erfolg gewesen, das System habe reibungslos funktioniert. Der Entschluss, das System nicht auf breiter Front einzuführen, sei aufgrund der Analyse der Testdaten in diesem Frühling und der Beobachtung der internationalen Entwicklung gefallen. "Der weltweite Trend in der Zahlungsabwicklung wird sich in Richtung kontaktlose Kommunikation (RFID) entwickeln", glaubt PostFinance nun. Ausserdem wären für die grossflächige Einführung des getesteten Systems "grössere Investitionen in die Hardware an den Kassen nötig gewesen", so PostFinance. Die Matrixcode-Technologie werde im Mobile Business wohl hauptsächlich für die Ausgabe bzw. Darstellung von Tickets und Gutscheinen eingesetzt werden.
Gemäss Andrey will man nun abwarten, wie sich die RFID-Technologie entwickelt. Man glaube, dass der Weg über eine RFID-Lösung für Debitkarten (wie die Postcard) gehen werde, auf deren Basis dann eine Lösung für Handys entwickelt werden könnte. Andrea wollte sich dabei nicht auf einen Zeitfahrplan festlegen. Bis es so weit ist, schätzen wir, dürften aber noch einige Jahre ins Land gehen.
An den Tests waren das deutsche Unternehmen Gavitec als Technologielieferant sowie Unisys Schweiz als Integrator beteiligt. "Wir sind natürlich nicht gerade glücklich, dass PostFinance unser System trotz des erfolgreichen Tetsts nicht einführen will", meinte Christian Steinborn, Vorstandsmitglied bei Gavitec gegenüber inside-it.ch. PostFinance habe aber natürlich Gründe für diesen Entscheid, die man nicht kommentieren wolle. Man sei aber weiter optimistisch, in der Schweiz andere Kunden gewinnen zu können.
Bei Unisys Schweiz zeigt man sich noch etwas gelassener: "Für uns ist das absolut kein schwerer Schlag", so Marketing Communications Manager Yücel Toprak. Man werde schliesslich auch weiterhin mit PostFinance im Bereich mobile Payment zusammenarbeiten.
Online-Shopping per Handy
Während das Bezahlen per Handy und über das "Gelbe Konto" an der Ladenkasse also momentan noch Zukunftsmusik bleibt, will PostFinance dies nun zumindest bei Online-Shops ermöglichen. Ab September 2006 soll ein System eingeführt werden, durch das man Einkäufe in Online-Shops direkt über das Handy tätigen und bezahlen kann. Diese Lösung soll für die Postcard und alle gängigen Kreditkarten angeboten werden. Ab Sommer 2007 sollen Kundinnen und Kunden ausserdem auch SMS- oder MMS-Dienste (Zum Beispiel News-Services oder Wettermeldungen), die sie einmalig bestellen oder abonnieren, direkt über das Gelbe Konto bezahlen können. (Hans Jörg Maron)

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