Prantl behauptet: KMU haben als Arbeit­geber unschlag­bare Karten.

26. Oktober 2015, 14:35
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Wenn sie den Mut haben, auch wirklich gute Leute anzustellen.

Kunden brauchen und suchen Problem- und Wachstumslösungen und nicht mehr blosse Produkte, darüber herrscht in der IT-Branche mittlerweile Einigkeit (wenn auch nicht immer danach gehandelt wird!). Dies hat zu einer klaren Verlagerung in Richtung Servicegeschäft geführt, so dass Beratungen und Dienstleistungen mittlerweile bei den meisten IT-Firmen den Löwenanteil am Verdienst ausmachen. Dienstleistungen werden von Menschen erbracht. Um langfristig überleben und gesund wachsen zu können, brauchen die IT-Unternehmen aber nicht einfach nur irgendwelches Personal, sie brauchen Mitarbeiter, die fachlich top sind und ideal zum Unternehmen passen. Diese sind damit sie zu einem zentralen Wettbewerbsfaktor geworden. Ergo kann man nüchtern feststellen: Ohne die besten Mitarbeiter sind keine nachhaltig positive Unternehmensentwicklung und damit auch kein langfristig gesundes Wachstum mehr möglich.
Beim Bemühen um die besten Mitarbeiter auf dem Arbeitsmarkt haben KMU in der IT-Branche schon allein aufgrund ihrer "Kleinheit" und den damit verbundenen Eigenschaften die besten Karten und damit einen Vorteil gegenüber HP, Swisscom, Google und Co. Was auf den ersten Blick contra-intuitiv klingt, zeigt sich auf den zweiten Blick als ein klarer Wettbewerbsvorteil, den es allerdings gilt, in die Praxis umzusetzen. Dazu gehören vor allem diese drei Dinge.
Ein sinnstiftendes Unternehmenskonzept mit klarer Orientierung (über das Quartalsende, das Budget und den Shareholder Value hinaus) bildet die Basis für die Attraktivität des Unternehmens auch auf dem Arbeitsmarkt. Genau wie Kunden merken auch gute Mitarbeiter sehr schnell, ob das Unternehmen nutzenorientiert positioniert ist und ihnen künftig den gewünschten Rahmen für ihre persönliche berufliche Entwicklung bieten kann. Die Unternehmervision, das Leitbild und die Corporate Mission – im KMU idealerweise entwickelt unter direktem Einbezug der Mitarbeiter – vermitteln die Sinnhaftigkeit der Arbeit. Mitarbeiter verbringen einen wesentlichen Teil ihrer Lebenszeit an ihrem Arbeitsplatz und diese Zeit wollen sie nicht verschwenden, sie (speziell die "Guten") wollen etwas Sinnvolles damit anfangen.
Zweitens der Mut des Unternehmers, Leute einzustellen, die (fachlich) besser sind als er selbst. Wer diesen Mut nicht aufbringen kann, wird leider immer nur die "zweite oder dritte Garnitur" bekommen und damit sein Unternehmen zwangsläufig in seiner Entwicklung beschränken. Erfolgreiche Unternehmer wissen daher, nur die besten Leute sind gut genug. Selten findet man in managergeführten Unternehmen Chefs, die diesen Erfolgsfaktor beherzigen. Zu gross ist die Angst um den eigenen Job. Der Unternehmer hingegen definiert sich sinnvollerweise nicht als Vorgesetzter und Chef und hat somit auch keine Funktion, die er verlieren könnte.
Und drittens eine Führungskultur, die mit "selbständig denkenden Mitarbeitern" wirklich umgehen will und das auch kann. Als Konsequenz aus dem oben gesagten klingt das allerdings schwieriger, als es in der Praxis ist. Ein wesentlicher Teil der notwendigen Führungskultur wird bereits durch das Unternehmenskonzept geleistet, denn es vermittelt – richtig gemacht und konsequent umgesetzt – einen klaren Handlungsrahmen für das ganze Unternehmen und damit auch für alle Mitarbeiter. Sie können und wollen sich daran orientieren und wissen daher in der Regel von selbst, was gut für ihre Kunden und für das Unternehmen ist und somit auch, was im Einzelfall zu tun oder zu lassen ist.
Diese drei zentralen Erfolgsfaktoren lassen sich nur in einem KMU wirklich stringent und für die Mitarbeiter vor allem sicht- und spürbar (er)leben. KMU-Unternehmer haben damit ein Royal Flash in der Hand, das ihnen auf dem Arbeitsmarkt die besten Leute sichert.
Urs Prantl (53) arbeitete über 20 Jahre als Softwareunternehmer. Seit Ende 2011 unterstützt der primär IT- und Softwareunternehmer bei der aktiven und nachhaltigen Zukunftsgestaltung ihrer Unternehmen. Er äussert als Kolumnist für inside-channels.ch seine persönliche Meinung.

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