Preisüberwacher: Schweizer Internet ist langsam und teuer

27. Oktober 2011, 12:08
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Swisscom weist Vorwürfe zurück. Sunrise unterstützt hingegen die Forderungen des Preisüberwachers.

Swisscom weist Vorwürfe zurück. Sunrise unterstützt hingegen die Forderungen des Preisüberwachers.
Gemäss einem Vergleich des Schweizer Preisüberwachers kostet ein Internet-Zugang in der Schweiz mit Download-Angeboten zwischen 5 und 8 Mbit/s 83 Prozent mehr als der Durchschnitt der günstigsten Angebote in den Nachbarländern. Besonders frappant seien die Preisunterschiede bei der DSL-Technologie, heisst es im Newsletter von "Monsieur Prix" Stefan Meierhans. So verlange die Swisscom, die über einen Marktanteil von rund drei Vierteln im DSL-Markt verfügt, rund 78 Prozent mehr als der Durchschnitt der Nachbarländer. Zudem: Mit dem 55 Franken teuren Swisscom-Basisangebot würden Kunden in Nachbarländern zwischen zehn und fünfzig Mal schneller surfen.
Der Preisüberwacher fordert daher eine "rasche Revision" des Fernmeldegesetzes FMG, um den Wettbewerb anzuregen und damit die Preise zu senken. Insbesondere will der Preisüberwacher den Grundsatz der Nichtdiskriminierung beim Zugang zu regulierten Produkten durch die Anpassung der Berechnungsmethoden der regulierten Preise, durch die Ausweitung des Handlungsspielraums der Aufsichtsbehörde ComCom und durch den Übergang zu einer sogenannten Ex-officio-Regulierung stärken, heisst es. Weiter soll durch eine Ausweitung der Regulierung des schnellen Bitstromzugangs gemäss FMG der Konkurrenzkampf angekurbelt werden.
Die angegriffene Swisscom weist in einer eigenen Mitteilung die Vorwürfe zurück. Der Preisüberwacher berücksichtige bei seiner Studie die Kaufkraftparität nicht, was sich beim schwachen Euro besonders nachteilig für Preisvergleiche mit dem Schweizer Markt auswirke. So würden Studien der OECD zeigen, dass die Schweiz beim Breitbandanschluss kaufkraftbereinigt im Mitteilfeld liege, ebenso bei den Breitbandpreisen pro Mbit. Ausserdem, so die Swisscom weiter, betrachte der Vergleich des Preisüberwachers nur die Zeit von März bis April 2011. Swisscom habe seither die Brandbreiten bei gleich bleibenden Preisen für die Kunden massiv erhöht. Man teile darum die Auffassung des Bundesrates, dass eine Revision des Fernmeldegesetzes unnötig seien.
Die Nummer zwei im Schweizer Telekom-Markt, Sunrise, unterstützt hingegen die Forderungen des Preisüberwachers, "endlich die strukturellen Mängel im Fernmeldemarkt zu beseitigen, um einen effizienten Wettbewerb zu ermöglichen", wie es in einer Mitteilung heisst. (bt)

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