Prism und NSA: Goldgrube für Schweizer RZ-Szene?

9. August 2013, 12:38
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US-Cloud-Computing-Anbieter werden Kunden wegen der Abhörskandale rund um die amerikanischen Geheimdienste verlieren. Aber wieviele? Die Schweizer RZ-Szene hofft.

US-Cloud-Computing-Anbieter werden Kunden wegen der Abhörskandale rund um die amerikanischen Geheimdienste verlieren. Aber wieviele? Die Schweizer RZ-Szene hofft.
Ist die Schweizer Cloud-Industrie die grosse Profiteurin der Abhörskandale rund um die US-Geheimdienste? Glaubt man diversen Berichten in Schweizer Medien, so ist diese Frage schon beantwortet: Ja. Kunden würden in nächster Zukunft zuhauf ihre Daten von US-Anbietern abziehen und in die Schweiz verlagern, ist man sich sicher. Doch die Quellenlage ist dünn: Die Berichte bauen auf eine Studie eines amerikanischen "Think Tanks" auf. Dieser wiederum zitiert einen Artikel vom 4. Juli in der Online-Zeitschrift 'International Business Times'.
Darin heisst es, dass Firmen nun US-Cloud-Dienste wie Dropbox, Amazon Web Services und Microsoft Azure verliessen und stattdessen ihre Daten in die Schweiz verlagern würden. Der einzige Beleg dafür ist die Aussage des CEOs eines Schweizer Providers namens Artmotion, der sich selbst die "biggest Offshore hosting company" in der Schweiz nennt. Seit den Leaks über das Überwachungsprogramm Prism sei sein Umsatz um 45 Prozent gewachsen, schrieb Artmotion in einer Medienmitteilung. Die Story wurde auch von bekannten Medien wie etwa 'Forbes' oder 'ZDnet' aufgegriffen. Seltsam ist nur, dass einige Veteranen der Schweizer RZ-Szene, mit denen wir gesprochen haben, von Artmotion noch nie gehört haben.
35 Milliarden - oder doch nur 21,5?
Eben der genannte Artikel ist eine der Quellen, die der US-Think-Tank ITIF (Information Technology and Innovation Foundation) für die eben veröffentlichte Studie "How Much Will PRISM Cost the U.S. Cloud Computing Industry?" verwendet. Die US-amerikanische Cloud-Computing-Industrie könnte in den nächsten drei Jahren bis zu 35 Milliarden Dollar Umsatz wegen der Abhörskandale rund um die amerikanischen Geheimdienste verlieren, spekuliert ITIF.
Der Autor macht es sich relativ einfach: Er nimmt Prognosen von Marktforschern wie Gartner über die Entwicklung des Cloud-Marktes in den USA, zitiert ein paar Presseberichte aus Europa und rechnet dann aus, wieviel Umsatz die US-Cloud-Industrie verliert, wenn 10 Prozent der Kunden in den nächsten drei Jahren abspringen und wieviel sie verliert, wenn 20 Prozent abspringen.
Im ersten Fall, würde der Umsatz mit Cloud-Diensten in den USA in den nächsten drei Jahren um um 21,5 Milliarden Dollar weniger zunehmen, im zweiten Fall um 35 Milliarden.
Dass Schweizer Cloud- und RZ-Anbieter vom Prism-Skandal profitieren werden, ist unbestritten, denn nun wird auch unbedarften Menschen klar, dass elektronischer Verkehr von Geheimdiensten aller Art abgefangen und automatisiert analysiert wird. Doch Fachleuten wissen schon lange davon und übrigens auch davon aus, dass nicht nur chinesische (elektronische) Geheimdienste Wirtschaftsspionage betreiben. (hc)

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