Pro-Concept geht nach China

8. Februar 2006, 11:07
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Quicklebendige Schweizer Software-Industrie

Quicklebendige Schweizer Software-Industrie
Die Schweizer Software-Industrie lebt - und wie! Der jurassische Softwarehersteller Pro-Concept macht einen grossen Schrit nach China. Seit kurzem gibt es in Shanghai ein Vertriebsniederlassung von des ERP-Spezialisten aus Sonceboz mit vier Mitarbeitenden, drei davon sind einheimische Berater.
Gemäss Pro-Concept-Chef Pierre-Alain Schnegg (Foto) geht es mitnichten "nur" darum, Schweizer Kunden auch in China bedienen zu können. Schnegg: "Eine europäische Firma, die in China eine Niederlassung eröffnet, hat nicht viele Möglichkeiten. Es gibt zwar gute chinesische Business-Software, doch der Kunde hat ja auch englischsprachige Mitarbeiter. Im Midrange-Bereich gibt es nicht viele Systemen, die sowohl mit europäischen Sprachen wie auch in Chinesisch (Mandarin) umgehen können."
Keck will sich Pro-Concept nicht mal mit dem grossen europäischen Markt zufrieden geben. Immerhin gibt es in China über 4'000 Firmen, die in der Uhrenbranche tätig sind - genau in dieser Branche und im Anlagenbau liegen zwei der Stärken der Jurassier, die ursprünglich als Spin-Off aus der Uhrenindustrie entstanden sind. Und nur 10 Prozent der chinesischen KMU setzen ein ERP-System ein. In Europa sind es 70 %.
Zufall, Tests und Partner
Dass ein Schweizer ERP-Hersteller den riesigen chinesischen Markt angehen will, tönt wie ein Hirngespinst. Denn man braucht Leute, die beide Kulturen wie auch das ERP-Geschäft und die Firma kennen und erst noch Chinesisch sprechen. In diesem Punkt hat der Zufall geholfen. Ein ehemaliger Mitarbeiter von Pro-Concept hat sich vor einiger Zeit aus familiären Gründen in China niedergelassen und Pro-Concept als unabhängiger Berater bei China-Projekten geholfen. Nun wird er die Shanghaier Niederlassung mit aufbauen. "Ohne ihn hätten wir gar nie angefangen", sagt Schnegg.
Ausserdem haben die Romands das Interesse chinesischer Firma an ihrer Software getestet. Pro-Concept stellte an der Messe DISTC in Dongguan aus - das Echo war gemäss Schnegg sehr gross. Der Vertrieb an chinesische Firmen soll ausschliesslich über Partner erfolgen. Zwei Pro-Concept-Leute werden sich in Hongkong niederlassen und das Partnernetz aufbauen.
Auch bei der Übersetzung der Software in Mandarin hat der Zufall geholfen. Pro-Concept konnte von einem KTI-Projekt der Hautes écoles valaisannes und der ETH Lausanne profitieren. Am Projekt der Innovationsförderungsagentur des Bundes haben auch Wissenschafter aus China mitgearbeitet - ein Teil ihres Wissens ist in die chinesische Version der Software eingeflossen.
Offensive in der Deutschschweiz wird fortgesetzt
Gleichzeitig mit den Expansionsplänen gab Pro-Concept-Chef Pierre-Alain Schnegg heute auch einige Zahlen aus dem vergangenen Geschäftsjahr bekannt. Der Umsatz stieg letztes Jahr um 13 Prozent auf nun 19,8 Millionen Franken. Pro-Concept beschäftigt heute in der Schweiz (Sonceboz, Genf, Lenzburg, St. Gallen) und in Frankreich 136 Mitarbeitende.
Alleine sechs Mitarbeitende kamen letztes Jahr im Bereich öffentliche Unternehmen (Werke, Gemeinden) hinzu und die Standorte in der deutschen Schweiz wurden weiter verstärkt, so Schnegg.
Letztes Jahr haben die Jurassier ihr Software-Paket, das übrigens in allen Ausprägungen auf dem gleichen Source-Code beruht, auf Dotnet und Oracle 10g migriert. (Christoph Hugenschmidt)

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