Promis, Profis, Politiker: "Jahr der Informatik 2008" lanciert

29. Januar 2008, 10:56
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Was 1 Bundesrätin, 1 Google-SVP, 2 Stadträte, 1 TV-Promi und jede Menge CIOs zum Start des "Jahr der Informatik" sagten.

Was 1 Bundesrätin, 1 Google-SVP, 2 Stadträte, 1 TV-Promi und jede Menge CIOs zum Start des "Jahr der Informatik" sagten.
Der Fakt ist bekannt: Der Informatik-Werkplatz Schweiz ist akut bedroht, denn es droht ihm der Werkstoff "Hirn" auszugehen. Es gibt zu wenig Lehrstellen und die Zahl der Informatik-AbgängerInnen aus FHs und Hochschulen kann den Bedarf bei weitem nicht decken.
informatica08, das "Jahr der Informatik" soll das aktute Problem des Nachwuchsmangels an der Wurzel bekämpfen. Welch starke Kräfte aus Wirtschaft, Politik und Wissenschaft hinter der Initiative stecken, zeigte sich gestern Abend am offiziellen Auftakt zum "Jahr der Informatik", dem "IT Summit" in Zürich.
Vor gut 300 geladenen Gästen traten der Reihe nach auf: Ein Stadtpräsident (Elmar Ledergerber aus Zürich), ein Verbandspräsident (Stefan Arn von ICTSwitzerland), eine Bundesrätin (Doris Leuthard), ein Google-Pionier (Urs Hölzle, Senior VP Operations) und ein CIO eines Schweizer Grosskonzerns (Rudolf Schwarz, Migros). Dazu kamen im abschliessenden Podiumsgespräch ein TV-Promi (Stefan Klapproth), eine Spitzenbeamtin (Ursula Renold, BBT), noch ein Zürcher Stadtrat (Martin Vollenwyder), ein Software-Pionier (Francisco Fernandez von Avaloq), zwei Top-CIOs aus der Finanzindustrie (Karl Landert von der Credit Suisse und Markus Tresch von der Zurich) und ein Professor (Abraham Bernstein von der Uni Zürich).
Warum die Schweiz nicht Silicon Valley ist
Bundesrätin Doris Leuthard (Foto) rief in einem streckenweise flammenden Plädoyer ("Wir haben das Hindernis im Kopf!") zu mehr Fantasie und Risikobereitschaft auf: "...die administrativen und bildungspolitischen Hindernisse (sind) konsequent aus dem Weg zu räumen, um die ICT-Möglichkeiten voll auszuschöpfen." Als Schweizer Bundesrätin immer auch um Randregionen besorgt, sagte sie, das Silicon Valley könne eigentlich ins Schächental übersiedeln, wenn man die Chancen der Informationstechnologie nur nützen würde.
Warum das nicht so ist, erklärte Urs Hölzle an einem einfachen Zahlenbeispiel. Während jährlich gerade mal 70 InformatikerInnen die ETH abschliessen, verlassen in einem mit der Schweiz vergleichbar grossen Wirtschaftsraum in Kalifornien jährlich 600 Diplom-InformatikerInnen und 150 Doktoranden die vergleichbaren Unis Stanford und Berkley.
Gegen die Redegewandtheit von Doris Leuthard und die Brillianz Hölzles kam Migros-CIO Rudolf Schwarz, der die "Erklärung zum Jahr der Informatik 2008" vorstellte, zwar nicht ganz an. Doch er ging auf einen wichtigen Punkt ein. Die Wirtschaft braucht nämlich nicht nur die Top-Shots von ETH und Stanford, sondern Spezialisten auf allen Ebenen. Seien es Informatik-Lehrlinge, Leute von den Fachhochschulen oder eben auch Uni-Abgänger. "Viele der IT-Funktionen bei Migros kann man nicht nach Indien auslagern. Wir brauchen die IT-Spezialisten hier," so Schwarz.
Klapproths Kuschelinformatiker
10vor10-Moderator Stefan Klapproth führte witzig durch die anschliessende Podiumsdiskussion und erfand den Begriff "Kuschelinformatiker" für Google-Ingenieure. Doch er konnte den PodiumsteilnehmerInnen auch nicht wirklich neue Erkenntnisse entlocken. Immerhin: Das mit Stadtrat Martin Vollenwyder, Ursula Renold (Direktorin BBT), Francisco Fernandez (Avaloq-Gründer), Karl Landert (CIO Credit Suisse), Informatik-Professor Abraham Bernstein und Markus Tresch (CIO Zurich) prominent besetzte Podium war sich einig, dass die Zeit, in der sich Wirtschaft und Politik gegenseitig die Verantwortung für die helvetische Ausbildungs-Misere zuschieben können, definitiv vorbei sein muss.
Einig war man sich, dass es heute nicht mehr um punktuelle Aktiönchen gehen kann, wenn "die Schweiz" ein High-Tech-Land bleiben will. In der ganzen Gesellschaft, von Kindergarten und Schulen bis zu den Eltern und Alten soll die Leidenschaft für das Tüfteln, Entdecken und Entwickeln wieder entdeckt wurden. Genau dies wird von den Trägern und Sponsoren des "Jahrs der Informatik 2008" auch gemacht, wie ein Blick auf das dichte Programm von informatica08 zeigt. (Christoph Hugenschmidt)

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