Proton ernennt Tim Berners-Lee zum Beirat

8. September 2021, 14:12
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Mit dem Erfinder des World Wide Web teile das Unternehmen den Fokus auf Datenschutz. Doch dieser sorgt bei Protonmail für Diskussionen.

"Wir sind stolz und demütig", schreibt das Unternehmen in einem Blogbeitrag, "dass Sir Tim Berners-Lee dem Beirat von Proton beitreten wird." Man teile mit dem Erfinder des World Wide Web die Vision, "ein Internet aufzubauen, in dem Datenschutz die Standardeinstellung ist".
Es sei der Wunsch des Schweizer Unternehmens wie auch von Berners-Lee, ein Internet zu schaffen, das den Interessen aller Menschen diene. Nach der Erfindung des World Wide Web im Jahr 1989 gründete Berners-Lee 1994 das World Wide Web Consortium, um zugängliche, internationale, private und sichere Webstandards zu gewährleisten. In jüngerer Zeit hat er sich durch seine Arbeit mit der World Wide Web Foundation, die er 2009 mitbegründete, für die Einrichtung eines universellen Internet-Datenschutzes und einer besseren Internet-Zugänglichkeit eingesetzt.

WWW und Protonmail entstanden beide am Cern

Mit Tim Berners-Lee teile man auch eine gemeinsame Vergangenheit am Cern in Genf. Dort entwickelte der Wissenschaftler das WWW, und dort entstand auch das erste Protonmail.
"Ich freue mich, dem Beirat von Proton beizutreten und Proton auf seinem Weg zu unterstützen. Ich bin ein überzeugter Befürworter des Datenschutzes, und die Werte von Proton, den Menschen die Kontrolle über ihre Daten zu geben, sind eng mit meiner Vision des Webs in seiner ganzen Bandbreite verbunden", erklärt Sir Tim im Blogbeitrag.
Nach Unternehmensangaben haben sich weltweit 50 Millionen Menschen bei Proton angemeldet. Proton legt grossen Wert darauf, ein Secure-E-Mail-Anbieter zu sein. Allerdings muss auch die Genfer Firma Daten von Kunden an Behörden weitergeben.

In 3000 Fällen Daten an Sicherheitsbehörden weitergegeben

Gemäss den Fallzahlen im Transparenzbericht lieferte Proton im Jahr 2020 in über 3000 Fällen Daten an Sicherheitsbehörden in der Schweiz und im Ausland. Im Sommer 2021 verlangten Strafverfolgungsbehörden in den USA Nutzerdaten, weil von einer Proton-Adresse aus Morddrohungen gegen den bekannten Immunologen und Experten der US-Regierung Anthony Fauci verschickt wurden.
Ein weiterer Fall wurde am 5. September publik: Betroffen ist ein französischer Klimaaktivist, gegen den Untersuchungen laufen, weil er mit dem Kollektiv "Jugend für Klima" bei Protesten im Pariser Viertel Place Sainte Marthe durch Besetzungen und andere illegale Aktionen aufgefallen sein soll. Die Protonmail-Adresse wurde bei Online-Posts verwendet.
Über Europol und ein Schweizer Gericht stellte die Pariser Polizei ein Auskunftsbegehren an das Unternehmen. Daraufhin habe Proton die IP-Adresse und den Fingerabdruck des vom Kollektiv verwendeten Browsers übermittelt.

In Ausnahmefällen wird die IP-Adresse gespeichert

Eigentlich wirbt Proton damit, keine IP-Adressen zu speichern. Der Dienst musste diese Praxis für die angefragte Adresse ausdrücklich ändern. Das sei in Ausnahmefällen möglich, erklärt das Unternehmen. Eine behördliche Anordnung begründe eine solche Ausnahme.
Auf Twitter schrieb Andy Yen, Gründer und CEO von Proton Technologies: "Generell kann Protonmail nicht von Personen genutzt werden, die in der Schweiz illegale Aktivitäten ausüben. Dies ist in den Nutzungsbedingungen ausdrücklich verboten. Proton muss sich auch an die Anordnungen der Schweizer Regierung halten."
Die Schweizer Behörden hätten festgestellt, dass der Fall des Klimaaktivisten den rechtlichen Anforderungen nach Schweizer Recht entspreche. "Leider gab es in diesem Fall keine Möglichkeit, das Urteil anzufechten. Wir kämpfen jedoch immer, wenn wir können, und im Jahr 2020 haben wir über 700 Fälle im Namen von Nutzern verhandelt", so Yen.

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