PwC: Schweizer CEOs unterschätzen Künstliche Intelligenz

25. Januar 2019, 10:08
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Verliert die Schweizer Wirtschaft den Anschluss im internationalen Wettrennen um KI? Eine neue Studie schlägt Alarm.

Verliert die Schweizer Wirtschaft den Anschluss im internationalen Wettrennen um KI? Eine neue Studie schlägt Alarm.
Rund 40 Prozent der Schweizer CEOs planen derzeit keine Anwendung von künstlicher Intelligenz in ihrem Unternehmen. Weltweit sieht dies anders aus: Bloss 23 Prozent der Firmen-Chefs auf dem Globus hätten den Einsatz von KI nicht in Planung, schreibt PwC in einer Mitteilung. Die Schweiz verhalte sich träge im globalen Wettlauf, folgern die Experten des Consulting-Konzerns aus dem diesjährigen "CEO Survey".
Längst ist in Sachen KI ein globaler Wettkampf entbrannt: China investiert Milliarden, ihre ernsthaften Absichten zu unterstreichen.
Kein Wunder, man traut der Technologie viel zu. 85 Prozent der befragten Firmenchefs weltweit gehen davon aus, dass KI ihr Geschäft in den nächsten fünf Jahren dramatisch verändern werde. Fast zwei Drittel glauben gar, dass das Wirkungspotential grösser sei, als jenes des Internets. In der Schweiz scheint man hier andere Ansicht zu sein: Über ein Viertel der befragten CEOs gaben an, dass sie keine grosse Veränderung ihrer Geschäfte aufgrund von KI erwarteten.
Die Schweizer KI-Forschung ist zwar weltweit angesehen. Auf Ebene der Privatwirtschaft sieht dies laut PwC jedoch anders aus: Die Schweizer Unternehmen ständen noch "ganz am Anfang" bei der Anwendung von künstlicher Intelligenz, schreiben sie. Knapp ein Drittel hätten einen "sehr begrenzten Ansatz" gewählt, weniger als ein Viertel erarbeiteten einen Plan für die nächsten drei Jahre. Und unter zehn Prozent gaben in der Umfrage an, dass sie bereits KI implementiert hätten.
PwC: "Schweiz hat keine Strategie"
Nun befürchtet man beim Consulter, dass die Schweiz den Anschluss bei der wohl spielentscheidenden Technologie verpasst. Die Gründe dafür sind vielschichtig: Vorbehalte gegenüber der Leistungsfähigkeit von KI, Prioritäten in anderen Bereichen wie etwa "Massnahmen im Rahmen der Frankenstärke". Zudem spiele die Verfügbarkeit von Daten und staatliche Fördermassnahmen sowie Regulierungen eine grosse Rolle.
"Im Vergleich zu anderen Ländern hat die Schweiz noch keine KI-Strategie auf Bundesebene. Dies trotz guter Rahmenbedingungen, denn die Schweiz besitzt ein exzellentes Bildungssystem, ein grosses Innovationsvermögen und talentierte Fachkräfte", resümiert Christian Westermann, Datenexperte und KI-Leiter bei PwC Schweiz. Es liege nun am Bund, Massnahmen zu ergreifen und die entsprechenden Institutionen zu unterstützen, so Westermann weiter. Nur so könne die Schweizer Wirtschaft verhindern, im Gebiet abgehängt zu werden.
Bekanntlich hat der Bundesrat im September letzten Jahres eine neue Strategie "Digitale Schweiz" definiert. Zum Thema Künstliche Intelligenz, einer der Schwerpunkte der neuen Strategie, will die Regierung eine Arbeitsgruppe einsetzen. Sie soll bis Herbst 2019 eine Übersicht über bestehende Massnahmen und eine Einschätzung zu neuen Handlungsfeldern liefern. Ob dies reicht, um im globalen Wettkampf den Anschluss nicht zu verlieren, wird sich zeigen müssen – die Alarmglocken hat PwC derweil schon Mal klingen lassen. (ts)

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