Quickline zeigt sein (unfertiges) RZ

22. August 2014, 11:59
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Der Provider Quickline eröffnet Anfang 2015 sein zweites Rechenzentrum. Der erste Kunde kommt aus der Pharma-Branche.

Der Provider Quickline eröffnet Anfang 2015 sein zweites Rechenzentrum. Der erste Kunde kommt aus der Pharma-Branche.
Nach der Vertragsunterzeichnung mit dem ersten Kunden im letzten April und dem darauf folgenden Spatenstich im Mai hat der Kabelnetzverbund Quickline nun der Öffentlichkeit sein zweites, Datacube genanntes, Rechenzentrum im Dreiländereck Münchenstein bei Basel vorgestellt. Ab Ende März 2015 soll auf rund ein Viertel der insgesamt 2'500 Quadratmeter Server-Fläche der Betrieb aufgenommen werden. Der erste Kunde, dessen Namen die Betreiber nicht sagen wollen, kommt aus der Pharma-Branche und wird den Standort als Backup-RZ nutzen. Für den Bau mit einer Gesamtfläche von 5'000 Quadratmeter sind 22 Millionen Franken veranschlagt und er wird als reines Infrastruktur-RZ genutzt. Adressiert werden Unternehmen aller Art inklusive Finanzinstitute, Internetanbieter oder öffentliche Verwaltungen in der Region Nordwestschweiz, wie es bei Quickline Business heisst.
Die von Mark Thommen als CEO geführte Betreiberfirma ist aus der 33-köpfigen Kabelnetzsparte Elektra Birsek Münchenstein (EBM) hervorgegangen. Auf dem Areal der EBM betreibt man bisher schon ein RZ mit rund 1'000 Quadratmetern Datacenterfläche. Der neue Bau entsteht nun kaum 500 Meter entfernt. Im letzten Jahr hatte sich Thommen dem Quickline-Verbund mit seinen heute 21 Kabelnetzunternehmen angeschlossen und damit auch die Finanzierung des neuen RZ sichergestellt. Zwar lag die Baubewilligung schon seit 2012 vor, doch musste der beim RZ-Bau übliche Knoten durchschlagen werden: Potentielle Kunden unterschreiben die Verträge erst, wenn die Investoren grünes Licht für den Bau gegeben haben. Doch die Investoren machen ihre Zusagen abhängig von konkret mit Kunden abgeschlossenen Verträgen.
Mit dem Quickline-Verbund im Rücken konnte das Problem gelöst werden, erklärten Thommen und Roy Simmonds, Präsident des Verwaltungsrats von Quickline, gegenüber inside-it.ch. Bei der gesamten Planung sei die Zusammenarbeit mit den Behörden problemlos verlaufen, sagte Thommen weiter, der damit auch die Anwesenheit von Regierungsrätin Sabine Pegoraro erklärte. Sie betonte denn auch die Bedeutung des Datacube für "die starke Innovationskraft der Region Basel-Landschaft". Das RZ könne mit den bekannten Qualitäten der Schweiz trumpfen und sei damit beispielweise auch für Kunden aus dem nahen Frankreich interessant.
Konzipiert hat das hochsichere RZ der in der Branche nicht unbekannte André Oppermann. Zertifiziert wird es zwar nach dem Tier-3-Level, doch man erfülle durchaus auch Tier-4-Ansprüche und etwa die Anforderungen der eidgenössischen Finanzmarktaufsicht (Finma), wie Thommen erklärte. Wobei besonders auf die Energieeffizienz geachtet worden sei, soll doch der entsprechende PUE-Wert im Betrieb bei 1.24 liegen. Die Abwärme über die auf dem Dach gelegenen Wärmetauschern zu nutzen, sei "angedacht", wie Thommen sagt. Sie könnte dereinst ins Wärmeversorgungsnetzt des in unmittelbarer Nähe gelegenen Hauptsitzes der EBM eingespeist werden. Wegen zu geringer möglicher Leistung werde aber keine Solaranlage installiert. Die Stromeinspeisung geschieht an zwei sich gegenüberliegende Seiten des Gebäudes über getrennte Unterwerke. Da die Region Basel als Erdbebengebiet bekannt ist, seien spezielle Vorsichtsmassnahmen getroffen. Zum Einsatz kommt eine Stahlträger-Fertigbaukonstruktion.
Gekühlt wird nicht über einen Doppelboden sondern über eine in die Rückwand der jeweiligen RZ-Zellen verbaute Infrastruktur. Unabhängige Service-Gänge erlauben dem Interventionsteam der Betreiber getrennt von den Kundenräumen die Infrastruktur sicher zu stellen. Die Überwachung aller kritischen Elemente sei automatisiert, wie Thommen erklärt. Die Server sollen sich unter anderem auch mit Wasser kühlen lassen, wozu zwei Tanks mit jeweils 26‘000 Liter Fassungsvermögen vor dem Haupthaus in die Erde verbaut wurden. Für die Diesel der Notstromversorgung werden vier hintereinander geschaltete Tanks installiert, die innerhalb von fünf Jahren jeweils einmal geleert sein werden.
Mit dem neuen RZ will sich Quickline Business als Full-Service-Provider etablieren. Als etablierter regionaler Glasfaserversorger könne man künftig neben der Vernetzung und dem Datentransport auch die sichere Datenlagerung anbieten. Mit dem neuen Geschäftsfeld würden beim Vollausbau des RZ bis zu 12 neue Arbeitsplätze in Münchenstein entstehen, schiebt Thommen nach. (Volker Richert)
Foto: Vor der im Entstehen begriffenen Stahlträger-Fertigbaukonstruktion: Mark Thommen (links), CEO von Quickline Business, Sabine Pegoraro, Regierungsrätin Basel-Land, und Roy Simmonds, VR-Präsident Quickline.

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