Rätselraten nach dem Berner IT-Ausfall

11. Mai 2012, 14:32
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Bedag schiebt die Schuld auf den Storage-Hersteller. Mit grösster Wahrscheinlichkeit war ein Produkt von HDS involviert. Doch es bleibt offen, wer genau die Schuld trägt.

Bedag schiebt die Schuld auf den Storage-Hersteller. Mit grösster Wahrscheinlichkeit war ein Produkt von HDS involviert. Doch es bleibt offen, wer genau die Schuld trägt.
Nach dem grossen IT-Blackout in Bern von Anfang dieser Woche auf der Website von Bedag. In dem Dokument werben Bedag und der Storage-Anbieter Hitachi Data Systems (HDS) für Managed Storage Services.
Inside-it.ch erhielt in den letzten Tagen unabhängig davon Hinweise, dass tatsächlich HDS der betroffene Hersteller sei. Ausserdem bestätigt der andere grosse Storagehersteller EMC auf Anfrage von inside-it.ch, dass Bedag kein Kunde von EMC sei. HDS selbst wollte sich gegenüber inside-it.ch nicht zum Thema äussern. Bedag-Chef Peter Schmutz schreibt in einer Stellungnahme: "Bedag Informatik hat im Moment keinen Anlass, zu dieser Frage Stellung zu nehmen. Wir pflegen die Praxis, uns weder zu unseren Kunden noch zu unseren Lieferanten in den Medien zu äussern." Schmutz wollte die Vermutung, dass HDS involviert ist, weder bestätigen noch dementieren.
Bedag weist Schuld von sich
Während es trotz dieser Stellungnahme aufgrund Aussagen mehrerer Quellen klar scheint, dass ein Produkt von HDS das fehlerverursachende Speichersystem war, bleibt offen, wer daran schuld ist, dass es ausgefallen ist. Schliesslich kann auch ein menschlicher Fehler das Problem ausgelöst haben. In einem Interview mit der 'Berner Zeitung' schiebt Bedag-CEO Schmutz die Schuld aber klar auf den Lieferanten: "Der Fehler lag ja bei der Systemsoftware des Hardwarelieferanten, deshalb waren seine Spezialisten gefragt." Und auf die Frage, ob Bedag beim Lieferanten Schadenersatz verlange, sagt Schmutz: "Tatsache ist, dass der Lieferant eine versprochene Leistung nicht erbracht hat. Die Haftung hat aber Limiten. In solchen Fällen setzen die Anbieter meistens auf Kulanz. Ich erwarte hier schon ein Zeichen." Bedag befürchtet nun Konventionalstrafen, weil man gemäss Vertrag den Kunden eine "gewisse" Verfügbarkeit der Informatik garantiere. Schmutz: "Ende Jahr werden wir mehr wissen."
Nach Meinung von Bedag war ein Ausfall der Komponente "weltweit ein äusserst seltener Fall". Der Kantons-eigene IT-Dienstleister prüft nun, ob man das Klumpenrisiko verringern kann: "Vielleicht macht es Sinn, die Grösse der Speichersysteme zu verkleinern. Wir könnten die damit betriebenen Anwendungen auf mehr Systeme verteilen. Bei einem Ausfall wäre dann nur ein Teil der Informatik betroffen. Aber das hätte vor allem finanzielle Nachteile für den Kunden", so Schmutz gegenüber der 'BZ'. (Maurizio Minetti)
Interessenbindung: Die genannten Storage-Anbieter sind Werbekunden unseres Verlags.

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