Rätselraten um Informatik-Schlamassel bei der Bank Coop

8. Januar 2014, 13:58
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Bank Coop verschickt Kontoauszüge an falsche Adressen. Die Staatsanwaltschaft ermittelt und die Branche spekuliert über die Ursache für den gravierenden Fehler.

Bank Coop verschickt Kontoauszüge an falsche Adressen. Die Staatsanwaltschaft ermittelt und die Branche spekuliert über die Ursache für den gravierenden Fehler.
Die Bank Coop, die der Basler Kantonalbank gehört, hat Kontoauszüge an falsche Adressen versandt und damit das Bankgeheimnis verletzt. Ein "Programmfehler" habe "Fehlzustellungen" beim Jahresendversand verursacht, schrieb die Bank gestern Nacht in einer Medienmitteilung.
Die Online-Ausgabe der Zeitung 'Blick' schildert den Fall einer Frau, die in einem Couvert nicht nur ihren Kontoauszug, sondern auch noch den von drei anderen Kontoinhabern aus dem gleichen Dorf fand.
Die Bank Coop habe die Ursachen des groben Missgeschicks eruiert und werde die betroffenen Kunden kontaktieren, schreibt die Bank. Heute Mittwoch war Krisensitzung und Schadensbegrenzung angesagt: "Eine Taskforce prüft, wie viele Personen betroffen sind und welche Konsequenzen der Fehler haben kann", sagte Bank-Coop-Sprecherin Natalie Waltmann auf Anfrage zur Nachrichtenagentur SDA. Im Moment könne man keine genaueren Angaben machen.
Spekulieren über die Ursachen
Wo der Fehler in der Bank-Informatik passiert ist, ist bisher - zumindest uns - unbekannt. Die Bank Coop hat die Wertschriftenverwaltung und den Zahlungsverkehr an die Swisscom-Tochter Sourcag ausgelagert, gemäss unseren Informationen aber nicht Printing-Dienstleistungen. Swisscom scheint also als "Schuldige" nicht in Frage zu kommen.
Gegenüber dem 'Blick' liess die Bank verlauten, der Fehler sei in Zusammenhang mit der Einführung einer neuen Punkteübersicht für das Supercard-Programm, an welchem die Bank teilnimmt, passiert.
Die Ursache sei eruiert und es seien Massnahmen ergriffen worden, damit sich der Fehler in Zukunft nicht wiederholt, hiess es weiter. Der Fall werde intensiv analysiert.
Dass eigentlich korrekte Kontoauszüge in den falschen Couverts landeten, könnte unserer Meinung nach auf einen Fehler in der Druckstrasse respektive in der Software für die Vorbereitung der Daten für den automatischen Druck- und die Verpackung der Kontoauszüge hinweisen. Zudem, dies weiss wiederum 'Blick' zu berichten, scheinen die Kontoauszüge in die Couverts von Kunden in den gleichen Dörfern verpackt worden zu sein.
Testing-Spezialist Adrian Zwingli nennt in seinem Blog die falsche Sortierung in der Druck- und Verpackungsstrasse der Bank (oder dessen Dienstleisters) als einen der möglichen Gründe für das Debakel der Bank Coop.
Staatsanwaltschaft ermittelt
Mit der Panne befasst sich auch die Staatsanwaltschaft Basel-Stadt: Sie habe "ein polizeiliches Ermittlungsverfahren wegen Verdachts der fahrlässigen Verletzung des Bankgeheimnisses eröffnet", sagte am Mittwoch ein Sprecher der Behörde auf Anfrage der SDA.
Das bedeute noch nicht, dass eine Straftat vorliege, führte er zudem auf Anfrage aus. Sollte sich jedoch herausstellen, dass eine solche geschehen sei, werde ein Strafverfahren eröffnet. Das polizeiliche Ermittlungsverfahren hat die Staatsanwaltschaft laut dem Sprecher aufgrund der Medienmitteilung aufgenommen. (sda/hc)

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