Rasende Ferraris auf Zürcher Autobahnen

4. Mai 2009, 13:47
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Der Bau des Zürcher Glasfasernetzes schreitet zügig voran. Mittlerweile gibt es sogar Gespräche zwischen dem Stadtzürcher Elektrizitätswerk und dem bisherigen "Feind" Swisscom. Erste Ergebnisse soll es noch vor den Sommerferien geben.

Der Bau des Zürcher Glasfasernetzes schreitet zügig voran. Mittlerweile gibt es sogar Gespräche zwischen dem Stadtzürcher Elektrizitätswerk und dem bisherigen "Feind" Swisscom. Erste Ergebnisse soll es noch vor den Sommerferien geben.
Es ist etwas mehr als zwei Jahre her. Andreas Danuser, CEO des mit dem EWZ kooperierenden Providers Translumina, verglich den Bau des Hochgeschwindigkeitnetzes durch das EWZ mit jenem einer Autobahn: "Unsere Aufgabe als Provider ist es, die Ferraris zu liefern."
Einigen sich EWZ und Swisscom?
Doch nicht nur in Zürich geht es vorwärts. Seit dem Zürcher Entscheid hat sich in der ganzen Schweiz einiges getan. Mehrere Energieversorgungsunternehmen bauen eigene Breitbandnetze, viele kooperieren mit dem Telekom-Marktführer Swisscom. Eines ist in diesen zwei Jahren aber konstant geblieben: Swisscom und das EWZ konnten sich nicht über einen koordinierten Bau eines einzigen Glasfasernetzes in der Zwingli-Stadt einigen. Das EWZ ist der Meinung, dass eine Faser genügt. Swisscom hingegen will mehrere, um dabei eine für sich alleine nutzen zu können. Doch nun scheint eine Einigung plötzlich nicht mehr so unmöglich.
An einer Medienorientierung informierte heute das EWZ über den momentanen Stand der Arbeiten. Zu erfahren war unter anderem, dass das EWZ zusammen mit Swisscom eine Arbeitsgruppe eingesetzt hat, die "mögliche Lösungen zur raschen Erschliessung der Stadt Zürich finden soll". Im Vordergrund stünden zurzeit die Nutzung von Synergien im Tiefbau und die Standardisierung der gebäudeinternen Installationen. Namentlich gehe es darum, die beiden Netzstrukturen aufeinander abzustimmen, und zwar – und das ist der entscheidende Punkt – "vor allem betreffend der Frage der Erschliessung mit einer oder mehreren Fasern". Erste Ergebnisse seien noch vor den Sommerferien zu erwarten.
Volkswirtschaftlichen Unsinn vermeiden
Das EWZ verhandelt dem Vernehmen nach seit etwa einem Monat intensiv mit Swisscom. Der für die Industriellen Betriebe zuständige Stadtrat Andres Türler wollte die Wahrscheinlichkeit, dass sich das EWZ mit Swisscom einigen wird, nicht beziffern. Er gab sich dennoch überzeugt, dass man einen Weg finden werde: "Ich bin Optimist, ich glaube daran." Eine Kooperation mit dem ehemaligen Telekom-Monopolisten würde sich für das EWZ sicher lohnen. Man wäre erstens die Konkurrenz los und könnte – zweitens – den "Zustupf" von ungefähr 120 Millionen Franken gut gebrauchen. Diese Summe hat Swisscom im vergangenen Jahr dafür geboten, wenn sich das EWZ bereit erklären würde, Swisscom eine eigene Glasfaser zur Verfügung zu stellen.
Noch ist allerdings völlig offen, wie die Zürcher Lösung aussehen wird. Türler betonte, dass sich Swisscom und das EWZ beim bisherigen separaten Bau noch nicht in die Quere gekommen seien. Die Stadt ist sozusagen in EWZ- und Swisscom-Zonen aufgeteilt. Der vielzitierte "volkswirtschaftliche Unsinn" findet also noch nicht statt. Es ist noch nicht zu spät für eine Einigung.
Eine oder mehrere Fasern
Einig ist man sich im Grunde genommen nur darüber, dass zwei parallele Netze volkswirtschaftlich nicht sinnvoll sind. Dass das EWZ kürzlich entschieden hat, bei der Inhausverkabelung vier statt eine einzelne Glasfaser einzuziehen, hat nichts mit Swisscom zu tun. Es ist vielmehr ein Kompromiss mit den Hauseigentümerverbänden.
Bei den Verhandlungen mit Swisscom steht der Abschnitt zwischen dem Hausanschlusskasten (HAK) und der Ortszentrale (bzw. beim EWZ dem Point of Presence POP) im Vordergrund. Ob vom HAK aus vier oder nur eine Faser bis in die Wohnungen gezogen werden, ist – wie Sunrise-CEO Christoph Brand heute sagte – "nicht matchentscheidend". Das Inhaus-Mehrfasermodell ist laut Sunrise "nur" 10 Prozent teurer als ein Einfasermodell. Zwischen HAK und Ortszentrale mehrere Fasern zu verlegen, soll die Kosten hingegen um 30 Prozent erhöhen. (Maurizio Minetti)

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