Realitätsverlust durch BPO?

9. November 2011, 11:11
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Diskussionsrunde im Vorfeld des 21. Finance Forums.

Diskussionsrunde im Vorfeld des 21. Finance Forums.
Heute findet im Zürcher Kongresshaus das 21. Finance Forum statt. Der Anlass an der Schnittstelle zwischen IT und Finance wurde Anfang Jahr redimensioniert. Managing Partner Erik Neumann erwartet für heute 1000 Besucher.
Prozesse auslagern
Im Vorfeld der Veranstaltung sprachen einige renommierte Finanzexperten an einem Medienanlass über aktuelle Herausforderungen in der Bankenwelt. Dabei ging es zwar nur am Rande um IT, aber die Aussagen dazu waren zum Teil sehr deutlich. So meinte etwa der ehemalige Vontobel-COO Peter Gubler im Gespräch mit inside-it.ch, dass Business Process Outsourcing (BPO) nur Sinn mache, wenn der Dienstleister eine Banklizenz besitze, da dieser nur so die volle Verantwortung tragen könne.
Der Vertreter von Swisscom IT Services Finance - wie etwa B-Source ein BPO-Anbieter ohne Banklizenz - war natürlich anderer Meinung und sprach von einem wachsenden Interesse für Swisscoms BPO-Dienstleistungen im Schweizer Bankenmarkt. "Banken müssen Kosten sparen, darum lagern sie Prozesse aus", so die altbekannte Meinung der IT-Dienstleister. Der Investor Beat Wittmann glaubt jedoch, dass die Banken, was die Kostenreduktion betrifft, bislang nur Kosmetik betrieben haben: "Der Finanzsektor muss noch stark redimensioniert werden."
Raiffeisen-CIO Damir Bogdan sprach hingegen von einem Aufbau seiner IT-Abteilung, die übrigens auch 32 Lehrlinge beschäftigt. Bei der IT zu sparen bringe sowieso nichts, meinte der deutsche Professor Wolfgang Gerke, wenn gleichzeitig andere Bereiche vernachlässigt würden. Ausgelagerte Prozesse können seiner Meinung nach dazu führen, dass die Banker kein Feeling mehr für Zahlen haben. Dies könne zu Verrechnungen und Fehlbuchungen wie etwa jene gigantische in der Höhe von 55,5 Milliarden Euro bei der Hypo Real Estate führen.
Bogdan betonte, dass es richtig sei, bei der Beratung für den Kunden (Frontoffice) nicht zu sparen. Doch im Backoffice müssten die Prozesse stärker standardisiert und bei Bedarf auch ausgelagert werden. Daraufhin meinte Ex-Vontobel-Mann Gubler, eine zu starke Trennung von Front- und Backoffice könne auch gefährlich sein, denn wenn Prozesse nicht durchgängig gekoppelt seien, könnten Spekulationen wie jene bei der UBS in London durch die Maschen fallen.
Man kann also abschliessend wieder mal festhalten, dass traditionelle Banker eher skeptisch gegenüber BPO eingestellt sind, während die IT-Vertreter dessen Vorzüge anpreisen. (Maurizio Minetti)

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